X-Men: Apocalypse ist der Film bei dem man merkt dass die X-Men-Franchise sich nicht entscheiden kann was sie sein will. Ein Sequel zu First Class? Ja. Ein Setup für Dark Phoenix? Irgendwie auch. Ein Film der eigenständig funktioniert? Ehhh. Oscar Isaac steckt unter drei Stunden Makeup und spielt den ältesten Mutanten aller Zeiten, und trotzdem ist die krasseste Szene im Film die in der Quicksilver allein in einer Zeitlupe zu Sweet Dreams die Schule sprengt.
6.8 von 10. Ich hab lange überlegt ob ich höher gehe. Weil die guten Momente in Apocalypse wirklich gut sind. Aber die schlechten Momente ziehen das Ding runter wie Schwerkraft und da hilft auch kein Magneto der Stadte in die Luft hebt.
Real talk: Apocalypse hat mich 2016 im Cinedom enttäuscht. Ich kam rein nach Days of Future Past (dem Film der bewiesen hat dass die X-Men-Franchise noch Potential hat) und saß dann zweieinhalb Stunden vor einem Film der nicht weiß ob er Katastrophenfilm, Charakterstudie oder Achtziger-Nostalgie sein will. Oscar Isaac verschwindet unter Latex und Prothesenarbeit, Jennifer Lawrence will nicht mehr Blau sein, und der dritte Akt sieht aus wie ein Videospiel-Cutscene aus der falschen Generation. ABER. Und das ist ein großes Aber. Fassbender allein im Wald, als sie seine Familie töten – da h
Quellen & Einordnung
Beitrag aus dem Archiv. Die bisherige Note und der Text sind noch nicht nach unserem seit 10. Oktober 2026 geltenden Quellenverfahren überprüft. Die Kinokreis-Stimme ist eine fiktive Figur; ihre Ich-Formulierungen belegen keine persönliche Filmsichtung. Die bisherige Note bleibt bis zur Einzelprüfung als Archivwertung erkennbar.
Trailer
Unsere Einordnung
von WatchGuide-RedaktionOscar Isaac unter 18 Kilo Latex und ich fühle mit ihm
Okay, hier ist das Problem. Oscar Isaac ist einer der besten Schauspieler seiner Generation. Der Mann hat Ex Machina gemacht, Inside Llewyn Davis, Dune. Und dann steckt man ihn in ein Kostüm das aussieht wie ein Mash-up aus Power Rangers und einem History-Channel-Dokumentarfilm über das alte Ägypten, und erwartet dass er bedrohlich wirkt. Spoiler: es funktioniert nur halb.
Apocalypse als Figur hat ein Grundproblem das schon der alte Tribun-Review angesprochen hat – und da hat er recht gehabt: du weißt dass er verlieren wird. Der Film spielt 1983, wir kennen die X-Men aus den 2000er-Filmen, die Welt existiert noch. Wo ist die Spannung? Wo ist das Risiko? Apocalypse will die Welt zerstören und man sitzt da und denkt: ja, wird er nicht. Nächste Szene bitte.
Das gesagt: Isaac gibt trotzdem alles was das Kostüm zulässt. Es gibt Momente, besonders am Anfang in Kairo, wo er diese kosmische Arroganz rausbringt die an Thanos erinnert, nur ohne das CGI-Budget und ohne den emotionalen Unterbau. Bei Infinity War kennst du Thanos‘ Motivation. Bei Apocalypse kennst du – er will die Welt zerstören weil er’s kann? Real talk, das reicht nicht für einen Endboss.
Quicksilver, Sweet Dreams und die beste Szene die keiner verdient hat
Ich muss über die Quicksilver-Szene reden. Weil sie der Grund ist warum Leute sich an diesen Film erinnern und weil sie zeigt was das Problem ist. Evan Peters rennt durch eine explodierende Schule, rettet alle, und das Ganze ist in Zeitlupe zu Eurythmics‘ Sweet Dreams geschnitten. Anderthalb Monate Drehzeit für eine Szene. Das Ergebnis: die mit Abstand unterhaltsamste Minute des gesamten Films.
Aber hier ist das Ding, es ist im Grunde eine Wiederholung. In Erste Entscheidung gab’s die Pentagon-Küchenszene mit Time in a Bottle. Das war überraschend, frisch, wild. Jetzt in Apocalypse machen sie es nochmal, nur größer, lauter, teurer. Das ist das klassische Sequel-Problem: was vorher ein Trick war wird jetzt ein Feature und verliert dabei seinen Überraschungseffekt. Trotzdem, trotzdem, ist die Szene so gut gemacht dass ich sie mir auf YouTube bestimmt zwanzigmal angesehen habe. Manchmal reicht Handwerk wenn das Konzept nicht mehr frisch ist.
178 Millionen Dollar und ein Film der nicht weiß wohin damit
543 Millionen Dollar weltweit, davon 120 Millionen aus China allein. Klingt nach Erfolg. Ist es technisch auch. Aber bei 178 Millionen Budget plus Marketing-Kosten war Fox nicht gerade am Feiern. Und auf Rotten Tomatoes: 47% von den Critics. Unter fünfzig Prozent. Für einen Film mit McAvoy, Fassbender, Lawrence und Oscar Isaac. Das ist, ich such nach einem passenden Wort, ein Desaster für die Qualitätswahrnehmung.
Das Publikum war gnädiger mit 65%, was mehr oder weniger sagt: unterhaltsam, aber nicht gut. Und das trifft es eigentlich. Apocalypse ist ein Film den du schaust, der dich nicht langweilt, meistens, und den du danach vergisst. Außer die Quicksilver-Szene. Die vergisst du nicht. Und Magneto im Wald, als sie seine Familie töten. Diese Szene mit Fassbender allein im Wald – da ist der Film für drei Minuten so gut wie First Class.
Und dann fällt er wieder zurück in CGI-Weltuntergangs-Generik. Ganze Städte fliegen auseinander und es sieht aus wie, entschuldigung, wie ein PS3-Cutscene das sich für Kino hält. 2016 war das okay. Heute buffert mein Gehirn wenn ich das sehe.
Zu viele Mutanten und keiner kriegt genug Screentime
Das Problem das der alte Review schon angesprochen hat und das ich nur unterstreichen kann: es sind zu viele Figuren auf dem Feld. Storm, Psylocke, Angel, Nightcrawler, Jean Grey, Cyclops, Jubilee, Quicksilver, Mystique, Beast, Xavier, Magneto, Apocalypse – das sind dreizehn benannte Mutanten in einem Film. Avengers hatte sechs und das war schon viel.
Manche kriegen Minuten. Sophie Turner als junge Jean Grey hat vielleicht insgesamt zehn Minuten Dialog und soll dann im Finale die Welt retten. Olivia Munn als Psylocke steht rum und schwingt ein lila Schwert und sagt, ich habs gezählt, unter dreißig Wörter im gesamten Film. Dreißig. Jennifer Lawrence sieht aus als wollte sie wo anders sein, was, wenn man die Interviews liest, auch stimmte. Sie mochte das Blue-Makeup nicht mehr und man sieht es.
Wer hingegen überrascht: Kodi Smit-McPhee als Nightcrawler. Der Junge bringt so viel Charme und Unsicherheit in diese Rolle dass ich mir gewünscht hätte der Film wäre nur über ihn. Tye Sheridan als junger Cyclops ist solide, nicht mehr, nicht weniger. Und Alexandra Shipp als Storm – man sieht das Potential, aber der Film gibt ihr kein Futter. Classic Fox-Problem: Casting gut, Drehbuch dünn.
Bryan Singer und der Film den er eigentlich nicht drehen wollte
Bryan Singer kam zurück für Apocalypse nachdem er mit Days of Future Past einen Kritiker- und Publikumserfolg gelandet hatte. DOFP war tight, fokussiert, emotional. Apocalypse ist das Gegenteil: aufgeblasen, unfokussiert, laut. Es fühlt sich an wie ein Regisseur der alles reinpacken will was er bei DOFP nicht konnte – und dabei vergisst dass weniger oft mehr ist.
Die Achtziger-Ästhetik ist nett aber nie so committet wie die Sechziger in First Class oder die Siebziger in DOFP. Man sieht ein paar Neon-Farben, ein paar Frisuren, jemand erwähnt Return of the Jedi – und in einer Meta-Szene die mich zum Lachen gebracht hat sagen die Kids nach dem Kinobesuch: „Der dritte Teil ist immer der schlechteste.“ Self-awareness die fast zu on-the-nose ist. Aber ich mags. Dieser eine Moment von Humor in einem Film der sich sonst zu ernst nimmt.
Dreizehn Mutanten und ein Oscar-Isaac-Kostüm das Awards verdient
- James McAvoy als Charles Xavier: diesmal mit Glatze, und endlich sieht er aus wie ein Professor
- Michael Fassbender: Magneto. Die Wald-Szene allein ist seine beste Arbeit in der ganzen Franchise.
- Oscar Isaac als Apocalypse / En Sabah Nur (auch Poe Dameron in Star Wars, Nathan in Ex Machina)
- Jennifer Lawrence: Mystique, zum dritten und letzten Mal. Man merkt dass sie fertig ist mit Blau.
- Evan Peters als Quicksilver: Szenendieb, Legend, der einzige Grund für YouTube-Compilations
- Sophie Turner als junge Jean Grey, Kodi Smit-McPhee als Nightcrawler
- Tye Sheridan als junger Cyclops
- Rose Byrne als Moira MacTaggert (zurück aus First Class)
- Olivia Munn als Psylocke, Alexandra Shipp als Storm
- Nicholas Hoult als Beast, Lucas Till als Havok
Wer die Franchise kennt sollte ihn sehen und wer nicht kennt ihn trotzdem skippen
Apocalypse ist der Film den du schaust wenn du die X-Men-Reihe durchgehst und den du trotzdem nicht einzeln empfehlen würdest. Für bessere McAvoy-Fassbender-Action: Erste Entscheidung ist in jeder Hinsicht der stärkere Film. Wer Action mit Superhelden-Herz will: Guardians of the Galaxy oder Captain America: First Avenger. Und wenn ihr sehen wollt wie man ein „der Böse will die Welt zerstören“-Szenario RICHTIG macht: Infinity War zeigt wie ein Endboss mit Motivation aussieht.
Bewertung
Bisherige EinschätzungArchivwertung: Quellenbasis und Gewichtung noch nicht nach dem neuen Verfahren geprüft. Quellen & Einordnung
Bewertet von WatchGuide-Redaktion, die Wertung steht oben.
Dafür
- Quicksilver Sweet Dreams Szene ist legendary
- Fassbender liefert in jeder einzelnen Sekunde
- McAvoy-Glatze-Moment hat emotionalen Punch
- Kodi Smit-McPhee als Nightcrawler ist ein Highlight
Dagegen
- Apocalypse als Villain nicht bedrohlich genug
- Zu viele Charaktere für zu wenig Laufzeit
- CGI-Finale sieht heute schlecht aus
- Jennifer Lawrence offensichtlich unmotiviert
Alles was sie aufgebaut haben wird zu Asche. – ApocalypseAus der Wertung von WatchGuide-Redaktion
Wer streamt X-Men: Apocalypse?
Verfügbarkeit DEStand 27.10.2026: X-Men: Apocalypse läuft im Abo bei Disney+, mit deutscher Synchronfassung. Leihen oder Kaufen geht ab 3,99 €.
Stand 27.10.2026 · Streaming-Daten: JustWatch (via TMDB), Movie of the Night · ohne Gewähr
Besetzung
5 Rollen- Professor Charles XavierJames McAvoy
- Erik Lehnsherr / MagnetoMichael Fassbender
- Raven / MystiqueJennifer Lawrence
- Hank McCoy / BeastNicholas Hoult
- En Sabah Nur / ApocalypseOscar Isaac


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