X-Men: Erste Entscheidung ist der Film der eine tote Franchise wiederbelebt hat. Kein Witz. Nach Origins: Wolverine, dem Film den wir nicht mehr erwähnen, hatte Fox ein Problem und die Lösung hieß: alles zurück auf Anfang. Sechziger Jahre. Kubakrise. Mutanten im Kalten Krieg. Und zwei Hauptdarsteller die so gut zusammen funktionieren dass ich nach dem Abspann dachte: Warum hat das nicht sofort jemand gemacht?
8.3 von 10. Ja, ich weiß. Manche werden sagen das ist zu hoch für einen Film der technisch gesehen die fünfte Comicverfilmung einer Franchise ist. Aber real talk – dieser Film fühlt sich an wie der erste. Wie ein Reset-Button für Action-Filme die vergessen haben dass man auch ein Gehirn haben darf.
Okay, ich lege die Karten auf den Tisch. Als Erste Entscheidung 2011 rauskam war ich 14 und hatte gerade Origins: Wolverine gesehen und dachte: X-Men ist durch. Fertig. Franchise tot. Und dann sitze ich im CineStar Kiel, die Lichter gehen aus, und Fassbender jagt Nazis durch Argentinien und ich denke – wait, DAS ist ein X-Men-Film? Die McAvoy-Fassbender-Dynamik allein hätte gereicht für einen guten Film, aber Vaughn packt noch die Kubakrise obendrauf, Kevin Bacon als charmanten Psychopathen, und den besten Cameo der Filmgeschichte. Die Sechziger-Ästhetik slaps, die Musik passt, und das Ende
Quellen & Einordnung
Beitrag aus dem Archiv. Die bisherige Note und der Text sind noch nicht nach unserem seit 10. Oktober 2026 geltenden Quellenverfahren überprüft. Die Kinokreis-Stimme ist eine fiktive Figur; ihre Ich-Formulierungen belegen keine persönliche Filmsichtung. Die bisherige Note bleibt bis zur Einzelprüfung als Archivwertung erkennbar.
Trailer
Unsere Einordnung
von WatchGuide-RedaktionMcAvoy und Fassbender. Die Bromance die keiner erwartet hat.
Ich muss das direkt ansprechen weil es der Kern des Films ist. James McAvoy als junger Charles Xavier und Michael Fassbender als junger Erik Lehnsherr, Magneto, spielen eine Beziehung die sich anfühlt wie das beste Buddy-Movie das nie als Buddy-Movie vermarktet wurde. Fassbender allein ist den Kinobesuch wert. Der Mann spielt einen Holocaust-Überlebenden der Nazis jagt und dabei so kontrolliert wütend ist dass jede Szene mit ihm sich anfühlt wie eine Bombe kurz vor der Detonation.
Die Bar-Szene in Argentinien. Leute. Fassbender betritt die Bar, setzt sich hin, bestellt ein Bier, und dann – drei Tote in unter zwei Minuten. Kein CGI-Overkill, kein epischer Soundtrack. Nur ein Mann, ein Messer, und eine Münze die durch Fleisch geht. Das ist Thriller-Filmmaking auf einem Level das ich in einem Superhelden-Film nicht erwartet hätte. Matthew Vaughn kommt von Kick-Ass und Layer Cake, der Mann weiß wie man Gewalt inszeniert ohne sie zu verherrlichen.
Und daneben McAvoy als Xavier der noch Haare hat und Frauen in Bars mit genetischen Pickup-Lines anmacht. Der noch nicht im Rollstuhl sitzt, noch nicht diese Schwere trägt. Wenn man sieht wie diese zwei Figuren sich finden, zusammenarbeiten, und dann Stück für Stück auseinanderdriften – Leute, das ist Charakter-Arbeit die manche Drama-Serien nicht in zehn Staffeln hinkriegen. Hier passiert das in 132 Minuten.
Kevin Bacon als Nazi-Bösewicht und warum das funktioniert
Sebastian Shaw. Gespielt von Kevin Bacon. Ein Mutant der Energie absorbiert und in den Sechzigern die Kubakrise auslöst um einen Atomkrieg zu starten. Klingt auf dem Papier wie ein Bond-Villain aus der B-Kategorie. Ist es aber nicht. Bacon spielt Shaw mit dieser gelangweilten Eleganz eines Mannes der seit Jahrzehnten der mächtigste Typ im Raum ist und es weiß. Keine Monologe über Weltherrschaft (na gut, ein paar) aber die Art wie er das spielt erinnert mich an Christoph Waltz in Inglourious Basterds. Diese höfliche Grausamkeit.
January Jones als Emma Frost ist, und ich muss da ehrlich sein, der schwache Punkt. Nicht weil sie schlecht spielt, sondern weil das Drehbuch ihr nichts gibt. Sie steht da, sieht gut aus in Weiss, und sagt ab und zu was Gemeines. Das wars. Bei einem Film der sonst so stark mit seinen Figuren arbeitet fällt das auf. Rose Byrne als Moira MacTaggert kriegt mehr zu tun und nutzt es besser.
Jennifer Lawrence als Mystique: das war bevor sie zum größten Filmstar der Welt wurde. Hier spielt sie eine junge Frau die mit ihrem Aussehen kämpft, zwischen zwei Männern steht die zwei verschiedene Visionen der Zukunft vertreten. Und Nicolas Hoult als Beast – lowkey einer der besten Performances im Film. Der schüchterne Wissenschaftler der sich buchstäblich in ein Monster verwandelt. Setup und Payoff. Genau das.
160 Millionen Budget und es sieht aus wie ein Spionage-Thriller
Das ist das Ding mit Erste Entscheidung. 352 Millionen Dollar Einspielergebnis weltweit, was sich solide anhört aber gegenüber den 160 Millionen Budget erstmal durchatmen lässt. Für Fox war das okay, aber kein Blockbuster. Und trotzdem, trotzdem, ist dieser Film besser gealtert als fast alle anderen X-Men-Filme zusammen. 86% auf Rotten Tomatoes von den Critics, 87% vom Publikum. Das ist selten dass beide Seiten sich so einig sind bei einem Superhelden-Film.
Matthew Vaughn hat sich geweigert, den Film wie einen normalen CBM zu drehen. Er wollte einen Sechziger-Jahre-Spionagethriller mit Mutanten. Die Sets, die Kostüme, die Farbpalette – alles schreit Mad Men trifft James Bond trifft Stan Lee. Stefan – unser FilmSchneider – hat mal gesagt, das sei der einzige X-Men-Film den er als „gut gemacht“ bezeichnen würde. Coming from him ist das ein Ritterschlag.
Fun Fact der mich komplett zerlegt hat: Hugh Jackman hat einen Cameo. Wolverine sitzt in einer Bar, Xavier und Magneto kommen rein um ihn zu rekrutieren, und er sagt, ich zitiere, „Go fuck yourself.“ Bester Cameo aller Zeiten? No cap, bester Cameo aller Zeiten. Eine Szene, drei Wörter, und das Kino hat gebrannt. Ich war 14 als der Film rauskam und hab die Szene meinem Kumpel Jan dreimal vorgespielt.
Die Kubakrise als Superhelden-Finale und warum das based ist
Der dritte Akt spielt während der tatsächlichen Kubakrise. Raketen, Schlachtschiffe, Kennedy im Hintergrund. Und mittendrin Mutanten die eine Flotte aufhalten. Normalerweise würde ich sagen: das ist zu viel, das ist over the top. Aber hier funktioniert es. Weil der Film die ganze Zeit darauf aufgebaut hat. Die Spannung zwischen Charles und Erik, die Frage ob Mutanten und Menschen koexistieren können – das alles mündet in diesem einen Moment am Strand von Kuba wo Erik sich entscheidet.
Die Münze. Die Münze die Shaw am Anfang des Films benutzt hat um Eriks Mutter zu bedrohen. Die Münze die Erik durch Shaws Kopf schiebt während Charles telepathisch mit Shaw verbunden ist und den Schmerz spürt. Das ist – okay, ich sags: peak storytelling. Ein Requisit das die gesamte emotionale Reise von zwei Figuren in sich trägt. Mein Kollege Dennis aus dem Kino hat mich gefragt warum ich so laut werde wenn ich über diese Szene rede. Weil sie verdient hat dass man laut wird, Dennis.
Und dann das Ende. Erik setzt den Helm auf. Charles liegt am Boden, gelähmt. Die Mutanten spalten sich. Es ist kein Happy End und kein Sad End, es ist ein, plietsch gemacht, es ist ein Anfang. Der Anfang einer Rivalität die das gesamte X-Men-Universum definiert. Und du weißt als Zuschauer: diese zwei Männer werden sich nie wieder so nah sein wie in diesem Film. Das tut weh.
Mutanten, Menschen und ein Kevin Bacon der sich amüsiert
- James McAvoy als Charles Xavier: der charmanteste Telepath seit Patrick Stewart, nur mit mehr Haaren und schlechteren Anmachsprüchen
- Michael Fassbender: Erik Lehnsherr / Magneto. Die Performance die mich zum Fassbender-Fan gemacht hat. Punkt.
- Kevin Bacon als Sebastian Shaw (auch Footloose, ja DER Kevin Bacon)
- Jennifer Lawrence: Mystique, bevor sie Katniss war. Hier kämpft sie mit blauer Haut statt mit Pfeil und Bogen.
- Rose Byrne als CIA-Agentin Moira MacTaggert
- Nicolas Hoult als Hank McCoy / Beast: vom Nerd zum blauen Tier, und beides glaubwürdig
- January Jones als Emma Frost
- Oliver Platt als Man in Black (buchstäblich)
- Zoë Kravitz als Angel Salvadore, Lucas Till als Havok
- Hugh Jackman: 10 Sekunden, 3 Wörter. Bester Cameo ever.
Wenn euch der Anfang gefallen hat wartet bis ihr das Ende seht
X-Men: Erste Entscheidung ist der Film nach dem man Deadpool & Wolverine anders sieht. Weil man versteht woher das alles kommt. Wer mehr McAvoy-Fassbender-Dynamik will: X-Men: Apocalypse ist der direkte Nachfolger, auch wenn er nicht an dieses Level rankommt. Captain America: The First Avenger für einen ähnlichen Retro-Superhelden-Vibe. Und wenn ihr einfach gute SciFi mit Herz wollt – Guardians of the Galaxy ist emotional auf einem ähnlichen Level, nur lustiger.
Bewertung
Bisherige EinschätzungArchivwertung: Quellenbasis und Gewichtung noch nicht nach dem neuen Verfahren geprüft. Quellen & Einordnung
Bewertet von WatchGuide-Redaktion, die Wertung steht oben.
Dafür
- McAvoy und Fassbender sind absolute Weltklasse
- Sechziger-Ästhetik die sich anfühlt wie Bond trifft Marvel
- Wolverine-Cameo ist legendary
- Emotional intelligenter als 90% aller Superhelden-Filme
Dagegen
- January Jones als Emma Frost völlig verschwendet
- Manche Nebencharaktere unterbeleuchtet
- 352 Mio Box Office war knapp für 160 Mio Budget
Ich habe immer gesagt, Frieden war nie eine Option. – Erik LehnsherrAus der Wertung von WatchGuide-Redaktion
Wer streamt X-Men: Erste Entscheidung?
Verfügbarkeit DEStand 26.10.2026: X-Men: Erste Entscheidung läuft im Abo bei Disney+, mit deutscher Synchronfassung. Leihen oder Kaufen geht ab 3,99 €.
Stand 26.10.2026 · Streaming-Daten: JustWatch (via TMDB), Movie of the Night · ohne Gewähr
Besetzung
5 Rollen- Charles XavierJames McAvoy
- Erik LehnsherrMichael Fassbender
- Raven / MystiqueJennifer Lawrence
- Moira MacTaggertRose Byrne
- Sebastian ShawKevin Bacon


2 Kommentare
Soso Du hattest also Bock auf Jennifer Lawrence. Huahhh. Alles klar. Aber ernsthaft sie war hier schon sehr gut, auch wenn ich kein großer Fan bin. Bei mir hätte der 7,5 bekommen, aber Du bist ja generell strenger als ich. Werde ich mir aber irgendwann nochmal anschauen. War mal was anderes bzw. aus einem anderen Blickwinkel.
Danke für Deine Review!
😀 Ja sie ist toll. Ich schau sie wirklich gerne.
Vielleicht bin ich ein bisschen strenger, aber alles ab 6.0 ist „gut“ bei mir. Bin auch schon am überlegen, ob ich nicht mal eine Übersicht zu meinem Bewertungssystem gebe. Dann sind die Wertungen vielleicht auch besser nachvollziehbar.
Kann man auch durchaus schauen. Ich schau die jetzt in chronologischer Reihenfolge und mal gucken was das wird. Ich kenn bisher nur die alten Teile und bin gespannt wie die Anderen sind.