X-Men: Dark Phoenix ist der Film der eine Ära beendet hat. Nicht mit einem Knall, nicht mit einem Wimmern, sondern mit einem müden Schulterzucken. 200 Millionen Dollar Budget, ein kompletter dritter Akt der umgeschrieben und neu gedreht wurde, und am Ende steht ein Film der an den Kinokassen 133 Millionen Dollar Verlust macht und damit die Fox-X-Men-Ära nicht mit Würde beerdigt sondern im Regen stehen lässt.
5.5 von 10. Und das ist, ich sags direkt, die Bewertung die ich nach dem zweiten Schauen gebe. Nach dem ersten war ich bei 4. Aber beim zweiten Mal sieht man Dinge die beim ersten Mal im Rauschen untergehen. Dazu gleich mehr.
Ich sag euch wie es war. Juni 2019, Cinedom Köln, Stefan neben mir, und nach fünfzig Minuten sagt Stefan: Die haben aufgegeben. Und er hatte recht. Dark Phoenix fühlt sich an wie ein Film den niemand mehr fertig machen wollte aber musste. Die Disney-Übernahme machte ihn irrelevant, der dritte Akt wurde komplett umgeschrieben, und ein Budget von 200 Millionen Dollar steht am Ende 252 Millionen Einspielergebnis gegenüber – minus 133 Millionen für Fox. Sophie Turner gibt ihr Bestes und hat Momente die zeigen was hätte sein können, besonders die Straßenszene mit McAvoy. Aber das Drehbuch
Quellen & Einordnung
Beitrag aus dem Archiv. Die bisherige Note und der Text sind noch nicht nach unserem seit 10. Oktober 2026 geltenden Quellenverfahren überprüft. Die Kinokreis-Stimme ist eine fiktive Figur; ihre Ich-Formulierungen belegen keine persönliche Filmsichtung. Die bisherige Note bleibt bis zur Einzelprüfung als Archivwertung erkennbar.
Trailer
Unsere Einordnung
von WatchGuide-RedaktionSophie Turner als Phoenix und warum sie nicht schuld ist
Leute, ich muss Sophie Turner verteidigen. Das Internet hat sie zerrissen für diesen Film und das ist nicht fair. Turner spielt Jean Grey als junge Frau die eine kosmische Kraft absorbiert die sie nicht kontrollieren kann, die ihre Erinnerungen zurückbekommt, die Xavier ihr genommen hat, und die langsam, oder eigentlich ziemlich schnell, durchdreht. Das ist eine krasse Prämisse. Das Problem ist nicht Turner. Das Problem ist das Drehbuch das ihr keine Zeit gibt irgendetwas davon emotional zu verarbeiten.
In den Comics erstreckt sich die Dark Phoenix Saga über Monate. Hier hat Jean einen kosmischen Powerboost, tötet innerhalb von dreißig Filmminuten jemanden, wechselt die Seiten, wechselt nochmal die Seiten, und dann ist der Film vorbei. Das ist, und ich benutze die Gaming-Metapher bewusst, als würde man die Charakterentwicklung speedrunnen. Level 1 direkt zu Final Boss ohne Zwischensequenzen. Funktioniert in Spielen nicht und funktioniert in Filmen erst recht nicht.
Was funktioniert: die Szene auf der Straße, wo Jean Xavier konfrontiert. „Du hast mir meine Erinnerungen genommen.“ McAvoy spielt Schuld wie niemand sonst und Turner spielt Wut die aus Verletztheit kommt. Drei Minuten in denen der Film zeigt was er hätte sein können. Und dann geht er zurück zu Aliens auf einem Zug und die drei Minuten verpuffen.
22 Prozent auf Rotten Tomatoes und der dritte Akt den niemand wollte
Ich muss über den Elefanten im Raum reden. 22% Critics Score auf Rotten Tomatoes. Zweiundzwanzig. Das ist niedriger als Fantastic Four 2015. Niedriger als Morbius. Niedriger als so ziemlich alles was Marvel oder Fox je rausgebracht haben. Und 252 Millionen Dollar Einspielergebnis bei 200 Millionen Budget – das bedeutet nach Marketing-Kosten einen Verlust von mindestens 133 Millionen. Fox hat den Film als finanzielles Desaster eingestuft bevor Disney die Übernahme abgeschlossen hat.
Was ist passiert? Der gesamte dritte Akt wurde umgeschrieben und neu gedreht. Ursprünglich sollte das Finale in einer außerirdischen Welt spielen, mit Skrulls als Antagonisten. Dann kam Captain Marvel mit Skrulls und Fox musste umplanen. Das neue Finale: ein Zug. Ein Zug mit Mutanten drin der von gesichtslosen Aliens angegriffen wird. Statt kosmischer Endschlacht kriegst du Zuggefecht. Und man merkt es. Der ganze dritte Akt fühlt sich an wie ein anderer Film – weil er es buchstäblich ist.
Simon Kinberg hat sein Regie-Debüt hier gegeben. Und das klingt böse aber: man merkt es auch. Kinberg hat jahrelang X-Men-Drehbücher geschrieben, manche gut, manche nicht. Aber einen 200-Millionen-Dollar-Film inszenieren ist ein anderer Job und die visuellen Entscheidungen hier sind, diplomatisch gesagt, unauffällig. Kein Shot der im Gedächtnis bleibt. Kein Moment wo du denkst: DAS war Kino. Außer der Straßenszene. Die eine Szene.
McAvoy und Fassbender verdienen einen besseren Abschied
Hier wird es emotional für mich und ich geb zu: ein bisschen Fanboy-Alarm. McAvoy und Fassbender haben seit Erste Entscheidung eine der besten Rivalitäten der Comicfilm-Geschichte gespielt. Xavier und Magneto, der Optimist und der Realist, zwei Seiten derselben Münze. Und Dark Phoenix gibt ihnen – nichts. Kein echtes Finale. Kein Moment der an die Strand-Szene aus First Class rankommt oder an das Stadion-Finale in Days of Future Past.
Fassbender wirkt müde. McAvoy gibt alles was er kann aber das Drehbuch gibt ihm Schuld-Dialoge die sich wiederholen statt sich zu entwickeln. Und Jennifer Lawrence (die am Ende von Apocalypse schon sichtbar genug hatte) kriegt hier den frühesten Exit den ein Hauptcharakter in einer Franchise haben kann. Ich sag nicht was passiert für die die es noch nicht gesehen haben, aber – es passiert früh und es passiert schnell und es fühlt sich an wie ein Vertrag der ausgelaufen ist. Nicht wie Storytelling.
Nicholas Hoult als Beast hat einen interessanten Arc, Trauer die in Wut umschlägt, der in einem besseren Film eine eigene Storyline verdient hätte. Jessica Chastain als Vuk, die Anführerin der Aliens, ist so unterkühlt dass man vergisst dass sie im Film ist. Chastain ist eine der besten Schauspielerinnen die es gibt. Hier spielt sie ein CGI-Kostüm.
Der letzte Fox-X-Men-Film vor der 71-Milliarden-Dollar-Übernahme
Das ist der Kontext den man braucht. Dark Phoenix kam im Juni 2019 raus. Im März 2019 hatte Disney Fox für 71,3 Milliarden Dollar übernommen. Der Film war quasi schon irrelevant bevor er in die Kinos kam. Jeder wusste: die X-Men kommen ins MCU, diese Version ist Geschichte, warum soll ich mir das im Kino ansehen?
Und trotzdem, ich habs getan. Im Cinedom, mit Stefan. Und Stefan, der sonst bei schlechten Filmen nicht redet, hat nach fünfzig Minuten gesagt: „Die haben aufgegeben.“ Und ich wusste was er meinte. Der Film fühlt sich an wie ein Projekt das mitten in der Produktion seine Existenzberechtigung verloren hat. Nicht weil die Menschen dahinter schlecht sind. Sondern weil die Umstände den Film gekillt haben bevor er fertig war.
Trotzdem gibts Dinge die ich respektiere. Hans Zimmer hat den Score geschrieben. Hans Zimmer. Und es ist ein guter Score – besser als der Film ihn verdient. Die Zugangriff-Sequenz, wenn man sie isoliert betrachtet, ist handwerklich okay. Nicht gut, okay. Und Sophie Turners Performance in den ruhigen Momenten – bevor die CGI-Maschine anspringt – zeigt echtes Talent. Sie hat den SciFi-Teil nicht vergeigt. Der Film hat sie vergeigt.
Ein Cast der besseres verdient hat als das was er gekriegt hat
- Sophie Turner als Jean Grey / Dark Phoenix: gibt alles, bekommt zu wenig zurück vom Drehbuch
- James McAvoy: Charles Xavier, zum vierten und letzten Mal. Man sieht ihm an dass er weiß: das war’s.
- Michael Fassbender als Erik Lehnsherr / Magneto (auch Steve Jobs, Shame, 12 Years a Slave)
- Jennifer Lawrence: Mystique. Letzter Auftritt. Kurzer Auftritt. Vertrag erfüllt.
- Jessica Chastain als Vuk: eine der besten Schauspielerinnen Hollywoods, hier leider verschenkt
- Nicholas Hoult als Beast / Hank McCoy, mit dem einzigen Arc der funktioniert
- Tye Sheridan als Cyclops, Kodi Smit-McPhee als Nightcrawler
- Evan Peters als Quicksilver: diesmal ohne eigene Slow-Mo-Szene, was ein Verbrechen ist
- Alexandra Shipp als Storm
Es gibt bessere Abschiede und es gibt bessere X-Men-Filme
Wenn ihr sehen wollt wie man die Dark Phoenix Story richtig erzählt – die Comics. Im Ernst. Oder wartet auf das MCU. Für bessere X-Men: Erste Entscheidung ist der Goldstandard der McAvoy-Fassbender-Ära. Deadpool & Wolverine ist der Film der die Fox-X-Men-Ära würdiger verabschiedet hat als dieser Film es je konnte. Und wenn ihr gute Action mit emotionalem Punch wollt: Civil War macht alles richtig was Dark Phoenix falsch macht – Freunde die zu Feinden werden, mit echten Konsequenzen.
Bewertung
Bisherige EinschätzungArchivwertung: Quellenbasis und Gewichtung noch nicht nach dem neuen Verfahren geprüft. Quellen & Einordnung
Bewertet von WatchGuide-Redaktion, die Wertung steht oben.
Dafür
- Sophie Turner hat echtes Talent in ruhigen Momenten
- Hans Zimmer Score ist besser als der Film verdient
- Straßenszene Xavier vs Jean ist emotional stark
- McAvoy spielt Schuld überzeugend
Dagegen
- Dritter Akt komplett umgeschrieben und es merkt man
- 22% Rotten Tomatoes Critics Score sprechen für sich
- Jessica Chastain als Villain komplett verschenkt
- 133 Millionen Dollar Verlust an den Kinokassen
Wenn du kämpfst, kämpfst du dagegen wer du wirklich bist. – Jean GreyAus der Wertung von WatchGuide-Redaktion
Wer streamt X-Men: Dark Phoenix?
Verfügbarkeit DEStand 27.10.2026: X-Men: Dark Phoenix läuft im Abo bei Disney+, mit deutscher Synchronfassung. Leihen oder Kaufen geht ab 3,99 €.
Stand 27.10.2026 · Streaming-Daten: JustWatch (via TMDB), Movie of the Night · ohne Gewähr
Besetzung
5 Rollen- Jean Grey / Dark PhoenixSophie Turner
- Charles Xavier / Professor XJames McAvoy
- Hank McCoy / BeastNicholas Hoult
- Scott Summers / CyclopsTye Sheridan
- Erik Lensherr / MagnetoMichael Fassbender


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