Die Kritik
von FilmSchneiderNeunzehn Jahre nach dem ersten Teil sitzt Miranda Priestly wieder in ihrem Büro, nur ist das Magazin darunter kein Machtinstrument mehr, sondern ein Sanierungsfall. Genau daraus zieht „Der Teufel trägt Prada 2“ seine besten Momente. David Frankel und Drehbuchautorin Aline Brosh McKenna kommen mit demselben Team zurück, das 2006 den Ton gesetzt hat, und sie erzählen diesmal vom Absturz statt vom Aufstieg. Das funktioniert immer dann, wenn der Film seiner Hauptfigur beim Nachdenken zusieht. Es funktioniert weniger, wenn er glaubt, er müsse den Medienwandel erklären.
Runway ist pleite, und Miranda muss ausgerechnet Emily fragen
Die Ausgangslage ist schnell erzählt und trotzdem die stärkste Idee des Films: Das gedruckte Modemagazin verliert Anzeigenkunden, Miranda Priestly braucht Geld, und das Geld sitzt bei Emily Charlton. Ihre ehemalige Zweitassistentin führt heute eine Luxusmarke mit einem Werbebudget, von dem Runway nur träumen kann. Wer wen braucht, hat sich umgedreht.
Diese Konstellation trägt den ganzen Film, weil sie eine echte Machtfrage stellt, statt sie zu behaupten. Meryl Streep spielt Miranda nicht als gebrochene Frau, sondern als jemanden, der genau weiß, wie wenig Spielraum noch bleibt, und der trotzdem in jeder Verhandlung so auftritt, als wäre er im Vorteil. Die interessanten Stellen liegen dazwischen: wenn sie zwei Sekunden zu lang auf eine Zahl schaut, bevor sie antwortet.
Anne Hathaway kehrt als Andy Sachs zurück, und der Film löst das klüger, als der Trailer vermuten ließ. Sie ist nicht die Praktikantin von damals, die noch einmal durch dieselbe Lernkurve muss. Sie steht auf der anderen Seite des Tischs und muss entscheiden, ob sie eine Frau rettet, die sie einmal fertiggemacht hat. Dass diese Entscheidung nicht in einer großen Rede aufgelöst wird, rechne ich dem Drehbuch hoch an.
Emily Blunt bekommt endlich den Raum, den sie 2006 nicht hatte
Emily Blunt war im ersten Teil die beste Nebenfigur und hatte vielleicht zwölf Minuten Leinwandzeit. Hier bekommt sie eine eigene Handlungsachse, und sie nutzt jede davon. Ihre Emily ist niemand, der sich für den Aufstieg entschuldigt.
Blunt spielt die Rolle mit einer Härte, die der Film sich nicht traut zu bewerten, und das ist die richtige Entscheidung. Man sieht ihr an, dass sie die Jahre bei Runway nicht als Ausbildung erinnert, sondern als etwas, das sie überstanden hat. In den Szenen mit Streep entsteht dadurch eine Spannung, die über das übliche Wiedersehen hinausgeht: Zwei Menschen verhandeln miteinander, die sich gegenseitig sehr genau kennen und beide wissen, wer damals wem geschadet hat.
Stanley Tucci als Nigel bleibt der Punkt, an dem der Film sich erdet. Er hat weniger zu tun als 2006, aber seine Szenen sitzen. Kenneth Branagh kommt als Stuart dazu und hält sich angenehm zurück, statt die Bühne zu übernehmen. Aus dem größeren Ensemble bleiben Justin Theroux als Benji und Lucy Liu als Sasha am ehesten hängen; Simone Ashley als Amari bekommt eine Figur, die im Schnitt spürbar Federn gelassen hat.
Frankel inszeniert Gespräche, und das ist hier die richtige Entscheidung
David Frankel macht nichts, was auffällt, und genau darin liegt die Qualität. Der Film besteht zum größten Teil aus Menschen, die in Räumen miteinander reden, und er ist so geschnitten, dass man diesen Gesprächen folgen kann, ohne dass die Kamera einem dabei etwas beweisen will.
Zwei Dinge fallen mir auf, wenn ich auf das Handwerk achte. Erstens setzen die Szenen spät ein. Man kommt oft mitten in eine Verhandlung hinein, die schon läuft, und muss sich die ersten Sekunden selbst zusammenreimen. Das hält das Tempo hoch und traut dem Publikum etwas zu. Zweitens bleibt die Kamera bei Streep und Blunt länger stehen, als es üblich wäre, gerade wenn keiner von beiden spricht. In diesen Pausen passiert die eigentliche Arbeit des Films.
Das Gegenstück dazu sind die Modeschauen. Sie sind aufwendig ausgestattet, sauber fotografiert und für die Handlung fast bedeutungslos. Man merkt, dass sie im Film sein müssen, weil das Publikum sie erwartet. Mich haben sie nicht interessiert, und ich glaube, den Film auch nicht besonders. Die Kostümarbeit dagegen erzählt mit: Wie Miranda sich im Lauf der Handlung anzieht, verrät mehr über ihren Zustand als mancher Dialog darüber.
Beim Ton hält sich der Film ähnlich zurück. Es gibt keine Musik, die einem vorschreibt, was man fühlen soll, sondern lange Passagen, in denen nur der Raum zu hören ist. Für eine Komödie mit diesem Budget ist das ungewöhnlich diszipliniert.
Wo der Film sich selbst im Weg steht
Die Schwäche liegt nicht beim Ensemble, sondern beim Thema. Immer wenn „Der Teufel trägt Prada 2“ die Krise der Printmedien nicht spielt, sondern erklärt, verliert er an Tempo. Es gibt mehrere Szenen, die im Grunde Vorträge über Reichweite, Klickzahlen und Influencer-Budgets sind, gehalten von Figuren, die sich das gegenseitig gar nicht erzählen müssten.
Das ist ärgerlich, weil der Film es besser kann. Die eine Einstellung auf eine halbleere Anzeigenliste sagt mehr über den Zustand der Branche als drei Dialoge darüber. Frankel weiß das offensichtlich, sonst gäbe es diese Einstellung nicht. Trotzdem schiebt das Drehbuch immer wieder eine Erklärung hinterher, als traue es dem eigenen Bild nicht.
Dazu kommt ein Problem, das viele späte Fortsetzungen haben: Der Film muss bedienen. Es gibt Rückgriffe auf den ersten Teil, die keinen Zweck erfüllen außer dem Wiedererkennen, und mindestens einer davon bremst eine gerade laufende Szene aus. Bei 119 Minuten fällt das auf. Zehn Minuten weniger Nostalgie hätten dem Ganzen gutgetan.
Und noch etwas: Die Auflösung des Konflikts zwischen Miranda und Emily kommt zu glatt. Nach anderthalb Stunden, in denen der Film sorgfältig zeigt, dass hier zwei Interessen unvereinbar sind, biegt er auf einen Kompromiss ein, den ich ihm nicht ganz abnehme. Das ist die Stelle, an der ich beim Verlassen des Kinos hängen geblieben wäre.
Die Zahlen zeigen eine Spaltung, die im Film wirklich angelegt ist
Ein Befund, der mich beim Nachlesen überrascht hat und der besser zum Film passt als jede Einzelbewertung: Die Kritik ist deutlich freundlicher als das Publikum. Rotten Tomatoes weist 84 Prozent positive Kritiken aus, das Publikum dort liegt bei 78 Prozent. Bei Metacritic klafft die Lücke weiter auseinander, dort steht ein Metascore von 63 gegen einen Nutzerschnitt von 5,9 von 10. Bei TMDB kommen aus 2.010 Stimmen 7,1 zusammen.
Das ist kein Zufall und auch kein Fehler in den Daten. Wer den ersten Teil als Wohlfühlfilm im Gedächtnis hat, bekommt hier etwas anderes: eine Geschichte über eine Frau, deren Machtbasis wegbricht. Das ist der Film, den Kritiker gern besprechen und den ein Teil des Publikums so nicht bestellt hat. Ich halte die Enttäuschung für nachvollziehbar und den Film trotzdem für den ehrlicheren Weg. Eine Fortsetzung, die 2026 einfach so tut, als sei Runway noch die Instanz von 2006, wäre die deutlich billigere Lösung gewesen.
Wirtschaftlich ist die Sache ohnehin entschieden. Bei rund 100 Millionen Dollar Produktionskosten stehen weltweit etwa 691 Millionen Dollar Einspiel, also fast das Siebenfache. Der erste Teil hatte 2006 aus 35 Millionen rund 327 Millionen gemacht. Beide Filme funktionieren also nach derselben Logik, nur eine Größenordnung höher.
Wenn ich das mit anderen Filmen über Branchen im Umbruch vergleiche, landet „Der Teufel trägt Prada 2“ im soliden Mittelfeld. Babylon ist wütender und riskanter, The Menu präziser in seiner Verachtung für die eigene Blase. Prada 2 will beides nicht sein und bleibt lieber bei seinen Figuren. Für diesen Stoff ist das die richtige Wahl.
Wer vor der Kamera steht
Das Ensemble ist der Grund, warum der Film trägt. Die vier Rückkehrer aus dem Original bekommen echte Aufgaben statt bloßer Erinnerungsauftritte, und die Neuzugänge ordnen sich der Konstellation unter, statt sich in den Vordergrund zu drängen. Regie und Drehbuch stammen von denselben Leuten wie 2006.
- Meryl Streep als Miranda Priestly – für die Rolle gewann sie 2007 den Golden Globe und war für den Oscar nominiert. Hier spielt sie eine Frau, die zum ersten Mal verhandeln muss, statt anzuordnen.
- Emily Blunt als Emily Charlton – vom Nebenpart zur zweiten Hauptrolle, und die stärkste Veränderung gegenüber 2006.
- Anne Hathaway als Andy Sachs – zurück im Zentrum, diesmal mit Entscheidungsgewalt statt Lernkurve.
Dazu kommen Stanley Tucci als Nigel Kipling, Kenneth Branagh als Stuart, Justin Theroux als Benji, Lucy Liu als Sasha, Tracie Thoms als Lily, B. J. Novak als Jay und Simone Ashley als Amari. Regie führte wieder David Frankel, das Drehbuch schrieb erneut Aline Brosh McKenna nach den Figuren von Lauren Weisberger.
Wo der Film aktuell läuft
Nach dem Kinostart am 30. April 2026 ist der Film inzwischen im Abo verfügbar. Wer ihn kaufen oder leihen möchte, findet ihn bei den üblichen Anbietern; die aktuelle Übersicht steht direkt darunter und aktualisiert sich automatisch.
Was am Ende bleibt
„Der Teufel trägt Prada 2“ ist besser, als eine Fortsetzung nach neunzehn Jahren sein müsste, und schwächer, als das Ensemble hergeben würde. Die Konstellation stimmt, die drei Hauptdarstellerinnen spielen auf einem Niveau, das den Film jederzeit über Wasser hält, und die Entscheidung, vom Abstieg statt vom Aufstieg zu erzählen, ist mutiger als erwartet.
Was fehlt, ist Vertrauen ins eigene Material. Der Film erklärt zu viel, verbeugt sich zu oft vor dem Original und löst seinen zentralen Konflikt zu freundlich auf. Das kostet ihn den Platz unter den wirklich guten Fortsetzungen. Sehenswert bleibt er trotzdem, vor allem wegen Emily Blunt, die hier zwanzig Jahre später einlöst, was 2006 nur angedeutet war.
Mehr in dieser Richtung gibt es in unseren Komödien und im Drama-Archiv. Wer Filme über Aufstieg und Absturz mag, findet mit The Wolf of Wall Street und Barbie zwei sehr unterschiedliche Gegenstücke.
Bewertung
Watcher-Score · redaktionelle EinzelwertungDafür
- Emily Blunt bekommt endlich eine eigene Handlungsachse
- Streep spielt Machtverlust ohne Larmoyanz
- Die Grundidee dreht das Machtverhältnis wirklich um
- Andy kehrt zurück, ohne dieselbe Lernkurve zu wiederholen
Dagegen
- Erklärt den Medienwandel, statt ihn zu spielen
- Rückgriffe aufs Original bremsen laufende Szenen
- Der Hauptkonflikt löst sich zu glatt auf
- Bei 119 Minuten fehlt der straffere Schnitt
Der Film ist am besten, wenn er Miranda beim Rechnen zusieht, und am schwächsten, wenn er dem eigenen Bild nicht traut.— aus der Wertung von FilmSchneider
Wer streamt Der Teufel trägt Prada 2?
Verfügbarkeit DEStand 17.07.2026: Der Teufel trägt Prada 2 läuft im Abo bei Disney+ – mit deutscher Synchronfassung.
Verfügbarkeit Deutschland · Stand 17.07.2026 · Streaming-Daten: JustWatch (via TMDB) · Detaildaten: Movie of the Night · ohne Gewähr, keine bezahlte Kooperation.
Schnelle Antworten
Antworten Schnelle Antworten zu Der Teufel trägt Prada 2
Wo kann ich Der Teufel trägt Prada 2 streamen?
Der Teufel trägt Prada 2 läuft aktuell im Abo bei Disney+; zum Leihen oder Kaufen bei Apple TV+, Amazon, maxdome, MagentaTV, Videoload und freenet Video. Stand August 2026, Angaben für Deutschland ohne Gewähr.
Wie lange dauert Der Teufel trägt Prada 2?
Der Teufel trägt Prada 2 hat eine Laufzeit von rund 119 Minuten (1 Stunde und 59 Minuten).
Lohnt sich Der Teufel trägt Prada 2?
Unsere Redaktion vergibt Der Teufel trägt Prada 2 einen Watcher-Score von 7,6 von 10. Das ist eine klare Empfehlung, besonders für Drama-Fans.
Für wen ist Der Teufel trägt Prada 2 geeignet?
Der Teufel trägt Prada 2 ist vor allem etwas für Drama und Komödie-Fans und alle, die solide Genre-Unterhaltung suchen.
Besetzung
FAQ zu Der Teufel trägt Prada 2
Muss ich den ersten Teil noch einmal sehen?
Ist der Film auch etwas für Leute, denen Mode gleichgültig ist?
Ist Meryl Streep noch einmal so gut wie 2006?
Wie viel Emily Blunt steckt wirklich drin?
Lohnt sich das im Kino oder reicht der Stream?
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