Die Kritik
von NordNoirThe Nun II von Michael Chaves kam 2023 ins Kino, und ich sage das direkt: Der Film ist besser als sein Vorgänger.
Taissa Farmiga als Sister Irene, Jonas Bloquet als Maurice, Storm Reid als die Novizin Debra, und Bonnie Aarons als Valak – der Dämon mit dem Nonnengesicht, der mich seit Conjuring 2 verfolgt. 38,5 Millionen Dollar Budget, 269 Millionen eingespielt, und diesmal stimmt die Atmosphäre. 7.0 von mir. Nicht perfekt, aber Michael Chaves hat dazugelernt. Gänsehaut inklusive.
Valak in Frankreich. Und plötzlich riecht der Film nach etwas.
Der erste Nun-Film spielte in Rumänien, in einer Abtei, und er sah aus wie ein gut beleuchtetes Haunted House. Jump Scares rein, Jump Scares raus, 365 Millionen Dollar an der Kasse, fertig. The Nun II nimmt seinen Dämon und setzt ihn nach Frankreich, 1956. Eine Klosterschule. Weinberge. Steinmauern die nach Jahrhunderten riechen. Und plötzlich hat der Film eine Textur, die dem Vorgänger komplett fehlte.
Vielleicht bilde ich mir das ein. Vielleicht ist es nur die Kamera von Tristan Nyby, die mehr mit natürlichem Licht arbeitet als beim ersten Teil. Aber die Szenen in der Schule – die langen Gänge, die Kapelle bei Nacht, das Licht das durch Buntglasfenster fällt – das fühlt sich an wie ein Film der weiß, wo er spielt. Nicht wie ein Set. Wie ein Ort. Für mich fühlt sich das an wie der Unterschied zwischen einem Bild und einem Foto.
Taissa Farmiga ist nicht Vera. Und das ist okay.
Ich weiß, der Vergleich ist unfair. Vera Farmiga als Lorraine Warren in den Conjuring-Hauptfilmen hat die Messlatte so hoch gelegt, dass ihre jüngere Schwester Taissa – ja, die sind wirklich Schwestern – dagegen immer etwas blass wirkt. Aber hier, im zweiten Nun-Film, passiert etwas. Taissa Farmiga findet ihre Sister Irene.
Im ersten Film war Irene eine Novizin mit Visionen. Nett, aber dünn. Hier ist sie eine Frau, die sich ihrer Gabe bewusst ist und davor weglaufen will. Sie versteckt sich in einem Kloster in Italien, arbeitet im Garten, versucht zu vergessen. Und dann zieht Valak sie zurück. Farmiga spielt das mit einer stillen Verzweiflung, die mich an die nordischen Heldinnen erinnert – an Noomi Rapace in den Millennium-Filmen, an diese Weigerung aufzugeben, selbst wenn alles dagegen spricht. Det var godt, Taissa.
Storm Reid. Warum kennt die nicht jeder?
Storm Reid spielt Sister Debra, eine junge Novizin die Irene zur Seite gestellt wird. Reid war vorher in Euphoria, in The Invisible Man, in A Wrinkle in Time. Sie ist 20 Jahre alt und hat mehr Filmografie als manche Leute mit 40. Und hier bringt sie etwas in den Film, das der Nun-Reihe vorher gefehlt hat: Wärme.
Die Szenen zwischen Irene und Debra sind die menschlichsten im ganzen Film. Zwei Frauen, eine erfahren und verängstigt, eine jung und neugierig, die zusammen gegen etwas kämpfen, das größer ist als sie beide. Stefan würde sagen, die Dynamik ist „sauber konstruiert.“ Ich sage: Sie fühlt sich echt an. Und im Horror ist echt alles was zählt.
Die Zeitungskiosk-Szene. Darüber müssen wir reden.
Es gibt eine Szene in der Mitte des Films – Maurice, gespielt von Jonas Bloquet, steht an einem Zeitungskiosk. Hinter ihm bewegen sich die Zeitschriftencover. Gesichter verändern sich. Augen folgen ihm. Und die Kamera bleibt drauf, still, geduldig, lässt dir Zeit es zu bemerken bevor Maurice es bemerkt. Das ist Horror auf einem Niveau, das der erste Nun-Film nie erreicht hat.
Meine Nackenhaare standen. Im Ernst. Ich saß im Kino – Cinenova, Reihe 8, Dienstagabend – und meine Nackenhaare standen hoch und blieben oben. Weil Michael Chaves hier macht, was James Wan in den Conjuring-Filmen perfektioniert hat: Er zeigt dir die Bedrohung, bevor der Charakter sie sieht. Du weißt, dass etwas falsch ist. Der Charakter nicht. Und diese Lücke – dieses Wissen, das du hast und er nicht – das ist Dread. Echte uhygge.
Bonnie Aarons als Valak. Seit 2016 mein liebster Albtraum.
Bonnie Aarons spielt Valak seit Conjuring 2. Das Nonnengesicht, das aus dem Gemälde steigt. Die Szene, die mich damals im Kino so erschreckt hat, dass ich mein Popcorn fallen ließ. Sieben Jahre später macht sie das immer noch. Aarons hat eine physische Präsenz – die Art wie sie sich bewegt, langsam, fließend, als wäre Schwerkraft optional – die kein CGI ersetzen könnte.
Was Chaves hier richtig macht: Er zeigt Valak sparsam. Nicht in jeder zweiten Szene. Nicht als Monster, das durch den Film marschiert. Sondern als Präsenz, die man eher fühlt als sieht. Ein Schatten im Buntglasfenster. Eine Reflexion, die nicht stimmt. Ein Flüstern. Das ist Horror wie ich ihn mag – nicht der Schrei, sondern die Stille davor. Kalt wie ein Morgen am Flensburger Hafen, wenn der Nebel noch über dem Wasser liegt.
269 Millionen. Und die Verbindung am Ende.
Ich will nicht spoilern, aber das Ende von The Nun II macht etwas, das das gesamte Conjuring-Universum verbindet. Wer Annabelle gesehen hat, wird verstehen. Wer die Conjuring-Reihenfolge durchgeschaut hat, wird es lieben. Es ist einer dieser Momente, in denen ein Franchise beweist, dass es einen Plan hatte – oder zumindest so tut, als hätte es einen.
38,5 Millionen Budget, 269 Millionen Einspielergebnis. Rotten Tomatoes gibt 51 Prozent bei den Kritikern, 72 beim Publikum. Das ist besser als der erste Teil, und das Publikum weiß es. Die Kritiker nicht immer. Manchmal sind die Kritiker auch falsch. Vielleicht bilde ich mir das ein, aber ich glaube dieser Film wird in zehn Jahren besser dastehen als heute.
Frankreich, 1956. Die Schwestern und der Dämon.
- Taissa Farmiga als Sister Irene – findet ihre Rolle. Nicht Vera, aber genug Farmiga um zu zählen.
- Jonas Bloquet — Maurice/Frenchie. Der Mann lebt mit Valak in seinem Körper und weiß es nicht. Bloquet spielt das mit einer tragischen Ahnungslosigkeit.
- Storm Reid als Sister Debra. 20 Jahre alt, Filmografie wie ein Veteran. Bringt Wärme in einen kalten Film.
- Bonnie Aarons als Valak, die dämonische Nonne. Sieben Jahre. Immer noch mein liebster Albtraum.
- Katelyn Rose Downey als Sophie – das Kind in der Schule, das zu viel sieht
- Anna Popplewell als Kate, Sophies Mutter. Ja, Susan aus Narnia. In einem Horrorfilm. Die Ironie.
Synchronstudio: RC Production, Potsdam
Jahr: 2023
Dialogregie: Tobias Meister
Taissa Farmiga|Sister Irene|Luisa Wietzorek
Jonas Bloquet|Maurice|Jannik Endemann
Storm Reid|Sister Debra|Derya Akyol
Katelyn Rose Downey|Sophie|Saskia Glück
Quelle: Synchronkartei.de
Was danach kommt. Und was davor lag.
Der erste The Nun von 2018 hatte mehr Budget-Gefühl und weniger Seele. Corin Hardy inszenierte Jump Scares wie am Fließband, und der Film machte 365 Millionen Dollar, weil Valak ein ikonisches Design hat und das Conjuring-Branding funktioniert. The Nun II ist der bessere Film. Nicht der erfolgreichere. Aber der bessere.
Wer den Conjuring-Horror mag und nach mehr sucht: Annabelle: Creation ist das andere Spin-off, das seinen Vorgänger übertrifft. The Conjuring selbst bleibt der Goldstandard. Und außerhalb des Universums: The Wailing (2016) macht mit religiösem Horror und ländlicher Atmosphäre das, was die besten Conjuring-Filme anstreben – einen Ort erschaffen, der sich real anfühlt, und ihn dann langsam vergiften.
Bewertung
Watcher-Score · redaktionelle EinzelwertungBewertet von NordNoir — eine Person, ein begründetes Urteil.
Dafür
- Zeitungskiosk-Szene ist großartiger Horror
- Taissa Farmiga findet ihre Rolle
- Bessere Atmosphäre als Teil 1
Dagegen
- Mittlerer Akt hat Durchhänger
- Manche Jump Scares sind vorhersehbar
- Finale wird etwas zu laut
You are not safe.— aus der Wertung von NordNoir
Wer streamt The Nun II?
Verfügbarkeit DEStand 18.08.2026: The Nun II läuft im Abo bei Netflix, Prime Video und Max – mit deutscher Synchronfassung. Leihen oder Kaufen geht ab 3,99 €.
Verfügbarkeit Deutschland · Stand 18.08.2026 · Streaming-Daten: JustWatch (via TMDB) · Detaildaten: Movie of the Night · ohne Gewähr, keine bezahlte Kooperation.
Schnelle Antworten
Antworten Schnelle Antworten zu The Nun II
Wo kann ich The Nun II streamen?
The Nun II läuft aktuell im Abo bei Netflix, Prime Video und Max; zum Leihen oder Kaufen bei Apple TV+, Amazon, maxdome, MagentaTV und freenet Video. Stand September 2026, Angaben für Deutschland ohne Gewähr.
Ab welchem Alter ist The Nun II freigegeben?
The Nun II ist in Deutschland ab FSK 16 freigegeben. Für jüngere Zuschauer ist den Film damit nicht freigegeben.
Wie lange dauert The Nun II?
The Nun II hat eine Laufzeit von rund 110 Minuten (1 Stunde und 50 Minuten).
Lohnt sich The Nun II?
Unsere Redaktion vergibt The Nun II einen Watcher-Score von 7,0 von 10. The Nun II hat mich überrascht. Und ich lasse mich ungern überraschen, weil das bedeutet dass meine Erwartungen falsch waren. Nach dem dürftigen ersten Teil und Lloronas Fluch hatte ich Michael Chaves abgeschrieben. Fehler meinerseits. Die Zeitungskiosk-Szene allein – diese stille, geduldige Kamera die dir zeigt was du nicht sehen willst – ist mehr Horror als der gesamte Vorgänger. Taissa Farmiga findet endlich ihre Sister Irene. Storm Reid bringt Wärme. Bonnie Aarons als Valak ist seit sieben Jahren mein liebster Albtraum und hört nicht auf. Das Finale ist etwas zu laut, der mittlere Akt hat
Für wen ist The Nun II geeignet?
The Nun II ist vor allem etwas für Horror-Fans und alle, die solide Genre-Unterhaltung suchen. Wegen der Freigabe ab FSK 16 ist den Film nichts für jüngere Zuschauer.
Trailer
Besetzung
FAQ zu The Nun II: Valak in Frankreich. Und diesmal stimmt die Atmosphäre.
Ist The Nun 2 besser als der erste Teil?
Muss man den ersten Nun-Film gesehen haben?
Wie hängt der Film mit dem Conjuring-Universum zusammen?
Wer ist Valak?
Gibt es einen dritten Nun-Film?
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