„Cyberpunk Romance“ bekommt von mir 6,6 von 10. Joscha Douma baut mit wenig Geld eine Zukunft, die man anfassen möchte: analoge Hacker-Kulissen statt Rechnereffekte, ein klares Regelwerk für das Leben im Kopf und ein Score, der klassische arabische Musik mit Elektro verbindet. Was fehlt, ist die Romanze aus dem Titel. Mona und Milo bleiben als Paar blass, und der Film erklärt öfter, als er zeigt.
Seit dem 18. Juni 2026 läuft der deutsch-österreichische Science-Fiction-Film im Verleih von Salzgeber in den deutschen Kinos, 98 Minuten lang und ab 12 Jahren freigegeben. Uraufgeführt wurde er im Oktober 2025 bei den Internationalen Hofer Filmtagen. Für alle, die deutsches Genrekino sehen wollen, das sich etwas traut, lohnt sich der Film. Wer eine große Liebesgeschichte erwartet, wird enttäuscht.
Quellen & Einordnung
Beitrag aus dem Archiv. Die bisherige Note und der Text sind noch nicht nach unserem seit 10. Oktober 2026 geltenden Quellenverfahren überprüft. Die Kinokreis-Stimme ist eine fiktive Figur; ihre Ich-Formulierungen belegen keine persönliche Filmsichtung. Die bisherige Note bleibt bis zur Einzelprüfung als Archivwertung erkennbar.
Trailer
Unsere Einordnung
von WatchGuide-RedaktionEine Welt mit Regeln
Das Setup ist sofort klar. In einer nahen Zukunft verbinden Ports am Kopf das Gehirn direkt mit Computern und mit anderen Gehirnen. Sprachen, Wissen, Rausch: alles per Upload. Milo und seine Hackercrew probieren das begeistert aus, Mona hält Abstand. Dann fällt Milo in ein neurotechnisches Koma, und ausgerechnet Mona lässt sich einen Port setzen, um in seinen Kopf zu kommen.
Was ich an diesem Film mag: Die digitale Welt hat Regeln, und der Film sagt sie klar an. Im eigenen Kopf gibt es zwei Türen, eine führt ins Unterbewusstsein, die andere ins Netz, und beide soll man nicht öffnen. Karsten Munt beschreibt das beim Filmdienst genau so. Das ist simples Worldbuilding, aber es funktioniert, weil man in jeder Szene weiß, was auf dem Spiel steht. Real talk: Viele deutlich teurere Filme schaffen das nicht.
Jannek Suhr schreibt bei epd Film, dass Douma seine technischen Erklärungen mit so viel Selbstbewusstsein vorträgt, dass man nicht hinterfragt. Da gehe ich mit. Ganz sauber ist die Mechanik nicht immer, aber der Film bricht seine Regeln nicht, um sich aus einer Ecke zu befreien.
Wo das Geld hingegangen ist
Hier ist der Film am stärksten. Statt digitale Neonstädte zu simulieren, setzt das Set-Design auf echte, detailreich eingerichtete Räume. Suhr nennt die Welt der Hacker und Prepper bei epd „sympathisch abgerockt“, und dem gegenüber steht ein cleanes, dunkles Interface für das Innere von Monas und Milos Kopf. Dieser Kontrast ist die Idee des Films in einem Bild: draußen Kabelsalat, drinnen kalte Ordnung.
Gedreht wurde laut Wikipedia in Stuttgart, Bietigheim-Bissingen und Kornwestheim, produziert von Zum Goldenen Lamm mit der österreichischen Wega Film, dazu SWR, WDR, BR und Arte. Man sieht jedem Raum an, dass er gebaut wurde und nicht gerendert. Für deutsches Science-Fiction-Kino ist das die richtige Entscheidung, weil der Film gar nicht erst versucht, Hollywood nachzubauen.
Dazu kommt die Musik von Bamdad Afshar. Klassische arabische Musik trifft auf Elektro, und das treibt die Szenen im Kopf richtig an. Der Soundtrack slaps, anders kann ich es nicht sagen. Kameramann Sebastian Thaler findet für Monas Reise in ihr eigenes Bewusstsein Bilder, die André Pitz bei kino-zeit.de „faszinierend und originell“ nennt. Stark ist vor allem die zweite Mona, die in Monas Kopf aus dem Keller kriecht, eine Horrorfigur für alles, was sie an sich selbst verdrängt.
Die Romanze bleibt Behauptung
Und dann der Titel. „Cyberpunk Romance“ verspricht eine Liebesgeschichte, und die trägt nicht. Milo liegt lange im Koma, das Paar existiert vor allem in Erinnerungsschnipseln. Munt vergleicht das Gruppenleben beim Filmdienst sinngemäß mit dem wöchentlichen Treffen einer Studenten-WG, Pitz sieht die Beziehung bei kino-zeit.de als Kern der Geschichte, der trotzdem unterentwickelt bleibt. Ich hätte Mona gern um Milo kämpfen sehen, nicht nur um die Kontrolle über ihren Port.
Das zweite Problem ist die These. Der Film stellt spannende Fragen: Welche Risiken nehme ich für Fortschritt in Kauf, wer kontrolliert die Technik in meinem Kopf, welche Gefühle sind noch echt? Aber er beantwortet sie zu früh mit „Technik trennt uns“. Munt nennt das beim Filmdienst treffend eine Thesenhaftigkeit, die der Film nicht abschütteln kann. Und immer wieder unterbrechen erklärende Dialoge die Spannung.
Für wen sich das Kino lohnt
Naemi Florez trägt den Film als Mona, sie spielt Angst vor Kontrollverlust nicht als Schwäche, sondern als Haltung. Jannik Schümann hat als Milo wenig zu tun, weil seine Figur lange im Koma liegt.
Unser WatchGuide-Urteil zu „Cyberpunk Romance“: ein deutscher Genrefilm mit starker Ausstattung, klaren Weltregeln und einem richtig guten Soundtrack, dem die Figuren nicht hinterherkommen. Wer Cyberpunk im Kopf liebt, sollte das zum Vergleich mit Matrix sehen. Wer die Körperseite des Genres sucht, ist bei Cyberpunk: Edgerunners richtig. Und wer schon lange sagt, deutsches Kino solle sich mehr trauen: Hier traut es sich was.
Wer in „Cyberpunk Romance“ mitspielt
- Naemi Florez als Mona
- Jannik Schümann als Milo
- Thomas Mraz als Kosmo
- Paula Hans als Jules
Regie führte Joscha Douma, das Drehbuch schrieb Belo Schwarz. Kamera: Sebastian Thaler, Schnitt: Melisa Krasniqi, Musik: Bamdad Afshar.
Wie die Kritik „Cyberpunk Romance“ sieht
Die deutsche Kritik ist gespalten. epd Film vergibt 4 von 5 Sternen und lobt Ausstattung, Musik und das Selbstbewusstsein der Inszenierung. Der Filmdienst hält den Film für thesenhaft und zu schnell mit seinen Antworten, kino-zeit.de lobt die Bilder und vermisst Tiefe bei Figuren und Themen. Meine 6,6 liegen in der Mitte. Stand: 30. September 2026.
Bewertung
Bisherige EinschätzungArchivwertung: Quellenbasis und Gewichtung noch nicht nach dem neuen Verfahren geprüft. Quellen & Einordnung
Dafür
- Analoges Set-Design statt Rechnereffekte, jeder Raum ist gebaut
- Klare Regeln für die Welt im Kopf, der Film hält sich daran
- Bamdad Afshars Score aus arabischer Klassik und Elektro
- Die zweite Mona als Horrorfigur für das Verdrängte
Dagegen
- Die Liebesgeschichte bleibt Behauptung
- Erklärende Dialoge bremsen die Spannung
- Der Film beantwortet seine eigenen Fragen zu früh
- Jannik Schümann hat als Milo kaum etwas zu spielen
Draußen Kabelsalat, drinnen kalte Ordnung. Die Welt stimmt, nur das Paar darin nicht.Aus der Wertung von WatchGuide-Redaktion
Besetzung
5 Rollen- MiloJannik Schümann
- MonaNaemi Florez
- Marta ScaranczaJarah Maria Anders
- KosmoThomas Mraz
- LuzieAnna Magdalena Wagner


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