Der Seriencheck
von CineTomAm 9. Juli 2026 startet auf Crunchyroll „Smoking Behind the Supermarket with You“, ein Anime über zwei Menschen, die hinter dem Supermarkt heimlich eine rauchen und sich dabei näherkommen.
Ein ausgebrannter Angestellter, eine Kassiererin mit einem Geheimnis und ein Aschenbecher als unwahrscheinlicher Ort für Romantik. Klingt nach fast nichts, hat mich im Trailer aber sofort gepackt.
Slice of Life ist sonst nicht meine erste Wahl.
Ich bin der Typ für große Leinwand, für Villeneuve und Watanabe, für Anime, die die Wand einreißen. Eine ruhige Romanze über Rauchpausen ist ungefähr das Gegenteil davon. Trotzdem lande ich seit dem ersten Teaser immer wieder auf dieser Serie, und das will bei mir etwas heißen.
Der Grund ist der Ton. Die Vorlage von Jinushi hat einen ganz eigenen, trockenen Humor, der nie in Kitsch kippt. Genau diese Sorte leiser Anime hat zuletzt bewiesen, dass sie ein Millionenpublikum finden kann, siehe Frieren. Groß muss eben nicht laut heißen, und manchmal ist die kleine Geschichte die mutigere.
Der Trick heißt Gap Moe.
Das Herz der Geschichte ist ein simpler, gemeiner Twist. Tagsüber ist Yamada die höfliche, unscheinbare Kassiererin in Sasakis Lieblingssupermarkt. Nach Feierabend, hinter dem Laden, wird aus ihr eine junge Frau mit Piercings und Zigarette, die Sasaki zum Mitrauchen einlädt. Beide sind dieselbe Person, und er merkt es lange nicht.
Dieser Kontrast, im Anime-Sprech Gap Moe, trägt die ganze Prämisse. Es geht um zwei überarbeitete Erwachsene, die im Rauch eine kleine Pause vom Leistungsdruck finden. Das ist keine Teenie-Schwärmerei vom Schulhof. Das ist eine Romanze für Leute, die den Job-Frust am eigenen Nacken kennen, und genau deshalb hat der Manga auf X seit 2022 so eingeschlagen. Es ist diese Mischung aus Alltagsmüdigkeit und einem kleinen, fast verbotenen Glücksmoment, die den Nerv trifft. Fast jeder kennt das Gefühl, sich am Feierabend für fünf Minuten aus der Welt zu stehlen, und der Anime baut seine ganze Zärtlichkeit genau darauf.
Asahi Production und ein Webcomic, der explodierte.
Die Serie kommt von Asahi Production, Regie führen Tadato Suzuki und Aoi Mori. Die Vorlage stammt von Jinushi, der die Geschichte im März 2022 als Webcomic auf Twitter startete. Der Erfolg war so groß, dass Square Enix sie ab August 2022 im Magazin Monthly Big Gangan in Serie nahm. Aus einem Nebenbei-Projekt wurde ein Phänomen.
Zwölf Folgen sind für die erste Staffel angesetzt, Crunchyroll bringt sie international, in Japan läuft sie auf TBS und dessen Sendern. Wer nicht bis zum 9. Juli warten wollte, konnte schon ab dem 3. Juni zwölf Zehn-Minuten-Mini-Episoden sehen, die die ersten sechs vollen Folgen abdeckten. Ich habe da natürlich sofort reingeschaut.
Die Stimmen. Da wird es für mich interessant.
Bei einem so ruhigen Stoff steht und fällt alles mit der Sprecherleistung, und die Besetzung macht Hoffnung. Takuya Satō spricht Sasaki, Seena Hoshiki die doppelgesichtige Yamada. Der eigentliche Hingucker sind für mich aber die Nebenrollen mit echten Veteraninnen des Fachs.
Megumi Toyoguchi zum Beispiel, die schon Revy in „Black Lagoon“ ihre raue Stimme gab, oder Yoko Hikasa, die für eine ganze Generation die Mio aus „K-On!“ ist. Solche Namen setzt man nicht in eine Serie, an die ein Studio nicht glaubt. Wer Anime an seinen Synchronstimmen misst, so wie ich das tue, wird hier von allein hellhörig. Interessant ist auch, dass die deutsche Fangemeinde bei Crunchyroll wohl auf japanischen Originalton mit Untertiteln setzen wird, denn eine deutsche Synchro ist bei so einem Nischentitel selten von Tag eins an dabei. Für mich kein Nachteil, ich schaue Anime ohnehin am liebsten im Original.
Was mich skeptisch macht.
Jetzt der ehrliche Teil. Eine Vier-Panel-Idee von Twitter auf zwölf Folgen zu strecken, ist ein Risiko. Was als knapper Gag zündet, kann in Serienlänge dünn werden, wenn die Figuren nicht wachsen. Und das Rauchen als Dauermotiv wird nicht jedem schmecken, auch wenn es hier eher Metapher für Pause und Nähe ist als Reklame für die Kippe.
Dazu kommt die ewige Frage bei ruhigen Anime, ob das Tempo trägt oder einschläfert. Ein Cowboy Bebop lebt von Stimmung statt von Tempo und funktioniert trotzdem grandios. Ob dieser hier den gleichen Sog entwickelt, muss er über zwölf Wochen erst einmal beweisen.
Warum ich am 9. Juli trotzdem einschalte.
Weil das Konzept so klein und so ehrlich ist, dass es mich neugierig macht. Kein Weltuntergang, keine Turniere, nur zwei müde Menschen, ein Feuerzeug und die Frage, ob daraus mehr wird. Nach einer Saison voller lauter Kracher wie DanDaDan ist so ein leiser Gegenentwurf fast schon erholsam.
Und die Wärme, die schon der Manga hatte, erinnert mich an das, was Spy x Family so beliebt gemacht hat, nur eine Nummer erwachsener und müder. Bewerten kann ich nichts, gesehen hat den vollen Anime noch niemand. Aber die Vorfreude ist da. Mehr aus dem Genre gibt es jederzeit in unserer Anime-Ecke.
Leise Anime haben gerade ihren Moment.
Interessant ist, wie gut dieser Titel in seine Zeit passt. Nach Jahren, in denen vor allem Shonen-Spektakel die Charts füllte, ziehen ruhige Erwachsenen-Anime immer mehr Publikum. Das Zauberwort heißt Iyashikei, Heilungs-Anime, die einen nach einem harten Tag runterbringen statt aufzudrehen. Genau in diese Lücke stößt eine Rauchpausen-Romanze für müde Büromenschen.
Für die Animation ist so ein Stoff paradoxerweise anspruchsvoll. Es gibt keine Actionszene, hinter der man Schwächen verstecken kann. Alles hängt an kleinen Gesten, an einem Blick über die Zigarette, an der Art, wie jemand den Rauch ausatmet. Wenn Asahi Production diese Feinheiten trifft, wird aus einer simplen Idee echtes Kino im Kleinen.
Die Stimmen hinter den Rauchpausen
- Takuya Satō spricht Sasaki, den ausgebrannten Angestellten, um den sich alles dreht.
- Seena Hoshiki gibt Yamada, die Kassiererin mit dem Doppelleben. Auf ihr ruht der ganze Gap-Moe-Effekt.
- Megumi Toyoguchi als Ōno. Wer Revy aus „Black Lagoon“ kennt, weiß, welche Bandbreite die Frau hat.
- Yoko Hikasa als Maezawa, für viele bis heute die Stimme von Mio aus „K-On!“.
- Dazu Toa Yukinari als Gotō, Rikuya Yasuda als Obata und Shinya Takahashi als Suzuki.
Bewertung
Watcher-Score · redaktionelle EinzelwertungBewertet von CineTom — eine Person, ein begründetes Urteil.
Dafür
- Gap-Moe-Prämisse mit trockenem, erwachsenem Humor
- Seiyū-Aufgebot mit Toyoguchi und Hikasa
- Leiser Gegenentwurf zur lauten Anime-Saison
Dagegen
- Eine Vier-Panel-Idee auf zwölf Folgen zu strecken ist riskant
- Ruhiges Tempo kann kippen, wenn die Figuren nicht wachsen
Wer streamt Smoking Behind the Supermarket with You?
Verfügbarkeit DEStand 17.08.2026: Smoking Behind the Supermarket with You läuft im Abo bei Crunchyroll und Prime Video.
Verfügbarkeit Deutschland · Stand 17.08.2026 · Streaming-Daten: JustWatch (via TMDB) · Detaildaten: Movie of the Night · ohne Gewähr, keine bezahlte Kooperation.
Staffeln & Folgen
aus der WatchGuide-DatenbankS1Staffel 1· 12 Folgen · ab Juli 2026▾
Trailer
Besetzung
FAQ zu Smoking Behind the Supermarket with You: Rauchpausen werden zur Romanze
Wann startet Smoking Behind the Supermarket with You?
Worauf basiert der Anime?
Wo kann ich die Serie sehen?
Was ist der Haken an der Prämisse?
Ist das ein Romance-Anime?
Welches Studio steckt dahinter?
Der Saal
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