Poster zur Serie Der Untergang des Hauses Usher: Flanagans böses Finale

Der Untergang des Hauses Usher: Flanagans böses Finale (2023)

Serie · Mystery, Drama · 2023 · 1 Staffel

Von , aktualisiert am 16. Juni 20269 Minuten LesezeitSo arbeiten wir

Der Untergang des Hauses Usher ist Mike Flanagans Poe-Miniserie, seit dem 12. Oktober 2023 komplett auf Netflix, 8 Folgen über eine Pharma-Dynastie, deren Erben einer nach dem anderen sterben. Es ist sein letztes Netflix-Projekt und sein bösestes.

Nach Hill House und Midnight Mass dachte ich, ich kenne Flanagans Register. Usher hat mich dann mit etwas erwischt, das ich von ihm nicht kannte: purem Zynismus. Acht Folgen lang seziert er eine Familie, für die man keine einzige Träne übrig hat, und genau daraus entsteht der Reiz. 8,4 von 10, mit kaltem Lächeln.

Quellen & Einordnung

Beitrag aus dem Archiv. Die bisherige Note und der Text sind noch nicht nach unserem seit 10. Oktober 2026 geltenden Quellenverfahren überprüft. Die Kinokreis-Stimme ist eine fiktive Figur; ihre Ich-Formulierungen belegen keine persönliche Filmsichtung. Die bisherige Note bleibt bis zur Einzelprüfung als Archivwertung erkennbar.

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von WatchGuide-Redaktion
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Eine Dynastie stirbt, und wir gucken zu

Roderick Usher ist Chef des Pharmakonzerns Fortunato, sein Schmerzmittel hat ein Land süchtig gemacht, und die Justiz beißt sich seit Jahrzehnten an ihm die Zähne aus. Dann sterben innerhalb von zwei Wochen alle sechs seiner Kinder. Die Serie beginnt nach der letzten Beerdigung: Roderick lädt den Staatsanwalt C. Auguste Dupin in sein verfallendes Elternhaus und gesteht. Alles. Die 8 Folgen erzählen in Rückblenden, was mit den Erben passiert ist und welchen Pakt die Geschwister Usher 1979 in einer Silvesternacht geschlossen haben. Wer bei Pharma-Dynastie mit Opioid-Vermögen an reale Vorbilder denkt, denkt richtig, die Serie versteckt ihre Wut auf diese Sorte Familie keine Sekunde. Das fiktive Wundermittel heißt Ligodone, es macht nach Konzernlesart angeblich nicht abhängig, und allein wie beiläufig die Figuren diesen Satz wiederholen, erzählt mehr über das System Usher als jede Gerichtsszene. Flanagan hat seine Poe-Adaption also in der Gegenwart verankert, ohne sie zur Doku zu machen, und diese Balance hält die Serie acht Folgen lang.

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Poe als Baukasten, nicht als Vorlage

Flanagan hat schon bei Bly Manor aus mehreren Henry-James-Erzählungen eine Staffel gebaut, hier macht er dasselbe mit Edgar Allan Poe und dreht es eine Stufe weiter. Die Folgen 2 bis 8 tragen Titel wie Die Maske des Roten Todes, Das verräterische Herz, Die Grube und das Pendel oder Der Rabe, und jede übersetzt ihre Poe-Geschichte in eine moderne Todesart für ein Usher-Kind. Das ist als Konstruktionsprinzip ziemlich einzigartig im Serien-Horror: eine Anthologie der Todesfälle, zusammengehalten von einer Rahmenerzählung aus der titelgebenden Kurzgeschichte von 1839. Man kann jede Folge als eigenes Poe-Quiz schauen, von den Figurennamen bis zu den Zitaten, oder einfach als bitterböse Abrechnung mit einer Familie, die sich für unsterblich hielt.

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Carla Gugino spielt hier alle an die Wand

Gugino war in Hill House die Mutter Olivia, hier ist sie Verna, eine Frau, die in jeder Episode in anderer Gestalt auftaucht und an deren Auftritte man sich noch Wochen später erinnert. Mehr über die Figur zu verraten, würde den Mechanismus der Serie kaputtmachen, nur so viel: Der Name ist ein Anagramm, und wer Poe kennt, löst es nach zwei Folgen. Daneben Bruce Greenwood als alter Roderick, eine Besetzung mit Geschichte, denn Frank Langella war ursprünglich gecastet und wurde nach einer internen Untersuchung 2022 entlassen, Greenwood hat die Rolle übernommen und macht aus dem Konzernpatriarchen ein müdes Monster. Und dann ist da Mark Hamill als Familienanwalt Arthur Pym, grau, knurrend, komplett gegen jedes Skywalker-Bild besetzt. Seine Szenen gehören zu den trockensten der Serie.

Auffällig auch, wie die Serie klingt und endet. Die Newton Brothers, Flanagans Stammkomponisten seit Jahren, sind wieder an Bord, und der Rabe, Poes berühmtestes Bild aus dem Gedicht von 1845, zieht sich als Motiv durch die Staffel bis in den Titel der Schlussfolge. Wer die Serie im englischen Original schaut, bekommt zusätzlich Gugino in den verschiedenen Registern ihrer Verna-Auftritte und Hamills tiefes Knurren, beides allein den Sprachwechsel wert.

  • Carla Gugino als Verna, die Frau mit den vielen Gesichtern und das Zentrum des ganzen Mechanismus.
  • Bruce Greenwood spielt den alten Roderick Usher, nachbesetzt für Frank Langella, und trägt die Rahmenhandlung.
  • Mary McDonnell als Madeline Usher, die kalkulierende Schwester und heimliche Architektin des Aufstiegs.
  • Mark Hamill als Anwalt Arthur Gordon Pym, ein Auftritt wie aus Granit.
  • Zach Gilford und Willa Fitzgerald spielen Roderick und Madeline in den 1979er-Rückblenden.
  • Dazu das Flanagan-Ensemble: Henry Thomas, Kate Siegel, Rahul Kohli, Samantha Sloyan und T’Nia Miller als die Usher-Erben.
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Das Flanagan-Universum, Abteilung Endgegner

Usher ist nach Hill House 2018, Bly Manor 2020, Midnight Mass 2021 und The Midnight Club 2022 die fünfte und letzte Flanagan-Serie für Netflix, danach ist er zu Amazon weitergezogen. Wer die Reihe kennt, erkennt das Repertoire sofort wieder: Henry Thomas, Kate Siegel, Rahul Kohli, Samantha Sloyan, alle schon in Hill House oder Midnight Mass dabei, hier in neuen Rollen. Der Unterschied liegt im Ton. Hill House hatte Trauer, Midnight Mass hatte Glauben, Usher hat Verachtung. Flanagans übliche Monologe über Tod und Erinnerung gibt es wieder, aber diesmal kommen sie aus Mündern, denen man nichts glaubt, und das ist der Punkt. Die Serie liebt ihre Figuren nicht, sie verurteilt sie, und für Flanagan-Verhältnisse ist das ein radikaler Wechsel.

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1979, die Nacht im Keller der Zeitebenen

Die Serie läuft auf zwei Schienen. In der Gegenwart von 2023 sitzt der alte Roderick dem Staatsanwalt gegenüber und erzählt, draußen regnet es auf ein Viertel, das die Ushers längst hätten abreißen lassen. In den Rückblenden von 1979 spielen Zach Gilford und Willa Fitzgerald die jungen Geschwister, zwei Ehrgeizige am unteren Ende des Fortunato-Konzerns, die in einer Silvesternacht eine Entscheidung treffen, deren Preis die Serie bis zur letzten Folge zurückhält. Diese Doppelstruktur ist Flanagans bestes Werkzeug hier. Die Erben-Tode der Gegenwart liefern das Spektakel, aber die eigentliche Spannung wohnt im Jahr 1979, weil man von Anfang an weiß, dass dort etwas Unumkehrbares passiert ist, und die Serie die Information in Tropfen ausgibt. Gilford, in Midnight Mass noch die zerknirschte Hauptfigur, spielt den jungen Roderick als Mann, der seine Skrupel Stück für Stück abtrainiert, und Fitzgerald ist als junge Madeline so präzise kalt, dass die Übergabe an Mary McDonnell nahtlos wirkt. Ohne diese Ebene wäre Usher eine Splatter-Anthologie. Mit ihr ist es eine Tragödie mit fünfzig Jahren Anlauf.

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Wie hart die Sache wird

Deutlich härter als alles davor. Die Maske-des-Roten-Todes-Folge enthält eine Sequenz, die zum Drastischsten gehört, was Netflix im Horror-Bereich produziert hat, und auch danach bleibt die Serie bei ihrer Linie: Jeder Usher-Tod wird als kleines Splatter-Setpiece inszeniert: erst die Ankündigung über die Poe-Referenz im Folgentitel, dann ein langes Hinauszögern, am Ende die Vollstreckung. Mir liegt diese Gangart eigentlich nicht, ich bin bei Horror auf der Stimmungs-Seite zu Hause. Dass es hier trotzdem funktioniert, liegt an der Moralität-Spiel-Struktur: Diese Tode sind keine Schocks, sie sind Urteile. Auf Rotten Tomatoes steht die Serie bei 91 Prozent aus 116 Kritiken, Metacritic vergibt 73 Punkte, und die Kritik lobte vor allem Gugino, Greenwood und Hamill, während die Werktreue-Frage die Poe-Leserschaft spaltete. Details sammelt die englische Wikipedia.

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Wo der Lack Risse hat

Zwei Dinge halten die Serie unter Hill-House-Niveau. Erstens die Erben selbst: Sechs Usher-Kinder in acht Folgen heißt, manche bleiben Skizzen mit Ablaufdatum, und bei mindestens zweien hatte ich beim Tod schon vergessen, was sie eigentlich wollten. Zweitens die Wiederholung im Bauplan. Ab Folge 4 kennt man den Rhythmus, neuer Erbe, neue Poe-Referenz, neue Eskalation, und die Spannung verlagert sich vom Ob zum Wie. Das Wie ist fast immer stark, aber die Struktur nimmt der zweiten Hälfte etwas Druck. Und wer mit keinem der Ushers auch nur eine Minute mitfühlen kann, was Absicht ist, dem fehlt am Ende der emotionale Anker, den Flanagans bessere Serien immer hatten. Familien-Fluch-Geschichten mit echtem Herz erzählt das Genre woanders, unsere Auflösung zum Hereditary-Ende zeigt das Gegenmodell.

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Für wen sich Usher lohnt

Mein Sortier-Vorschlag nach zwei kompletten Durchgängen. Wer Flanagan wegen der Wärme liebt, wegen der Monologe über Trauer und der Familien, die man ins Herz schließt, sollte mit angepasster Erwartung reingehen, denn diese 8 Folgen sind als Abrechnung gebaut und bleiben es bis zum Schlussbild. Wer Poe im Regal stehen hat, bekommt das Beste aus beiden Welten und darf Folge für Folge Motive abhaken, vom Mauerwerk aus dem Amontillado-Stoff bis zum Raben am Ende. Wer empfindlich auf drastische Gewalt reagiert, macht um Folge 2 besser einen Bogen oder gleich um die ganze Serie. Und wer einfach wissen will, ob die 91 Prozent bei Rotten Tomatoes gerechtfertigt sind: für das Handwerk ja, für die emotionale Wucht früherer Flanagan-Serien nein. Ich habe Usher beim zweiten Durchgang mehr geschätzt als beim ersten, weil ich aufgehört habe, Hill House darin zu suchen, und angefangen habe, die Präzision der Konstruktion zu genießen. Das ist eine andere Sorte Vergnügen, aber es ist eines.

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Einordnung im Gothic-Regal

Im seriellen Gothic-Horror steht Usher zwischen den Stühlen, und das ist als Beschreibung gemeint, nicht als Urteil. Es ist opulenter als Penny Dreadful, das seine Literatur-Figuren über drei Staffeln ernster nahm, und kälter als alles aus der Haunting-Reihe. Wer von Flanagan kommt, sollte die Erwartung justieren: Das hier ist eine Rachetragödie mit Horror-Werkzeug. Wer von Poe kommt, bekommt das dichteste Referenz-Netz, das je eine Serie aus seinem Werk gebaut hat. Und wer einfach guten Geister-Horror sucht, findet in unserem Überblick über Geister- und übernatürlichen Horror die ganze Bandbreite, von leise bis grell. In der Horror-Serien-Übersicht sortiert sich Usher mit 8,4 hinter Hill House ein, deutlich vor dem Durchschnitt des Genres.

Bewertung

Bisherige Einschätzung

Archivwertung: Quellenbasis und Gewichtung noch nicht nach dem neuen Verfahren geprüft. Quellen & Einordnung

Bewertet von , die Wertung steht oben.

Dafür

  • Carla Gugino als Verna
  • Poe-Baukasten als einzigartiges Konstruktionsprinzip
  • Mark Hamill gegen jedes Image besetzt

Dagegen

  • Sechs Erben bleiben teils Skizzen
  • Todes-Rhythmus wird ab Folge 4 vorhersehbar
  • Bewusst kalt, ohne emotionalen Anker
Flanagan kann also auch hassen. Gut zu wissen.Aus der Wertung von WatchGuide-Redaktion
Der Untergang des Hauses Usher ist Flanagans Abschied von Netflix und sein kältestes Werk, eine Rachetragödie in acht Poe-Kapiteln über eine Pharma-Dynastie, die ihre Rechnung bezahlt. Carla Gugino spielt als Verna alle an die Wand, Bruce Greenwood macht aus Roderick ein müdes Monster, und Mark Hamill knurrt sich als Anwalt Pym in mein Gedächtnis. Dass sechs Erben in acht Folgen teils Skizzen bleiben und der Todes-Rhythmus ab der Hälfte vorhersehbar wird, kostet den Anschluss an Hill House. Trotzdem: 8,4 von 10, weil böse selten so präzise gebaut ist. Stimmungs-Horror ist das nicht, ein Urteil mit Stil schon.

Wer streamt Der Untergang des Hauses Usher?

Verfügbarkeit DE

Stand 25.10.2026: Der Untergang des Hauses Usher läuft im Abo bei Netflix, mit deutscher Synchronfassung.

Stand 25.10.2026 · Streaming-Daten: JustWatch (via TMDB), Movie of the Night · ohne Gewähr

Staffeln & Folgen

aus der WatchGuide-Datenbank
S1Staffel 1· 8 Folgen · ab Okt. 2023▾
E01Mitternacht, von Gram umschattet12.10.23
E02Die Maske des Roten Todes12.10.23
E03Mord in der Rue Morgue12.10.23
E04Der schwarze Kater12.10.23
E05Das verräterische Herz12.10.23
E06Der Goldkäfer12.10.23
E07Die Grube und das Pendel12.10.23
E08Der Rabe12.10.23

Besetzung

5 Rollen
  • VernaCarla Gugino
  • Roderick UsherBruce Greenwood
  • Madeline UsherMary McDonnell
  • Frederick UsherHenry Thomas
  • Camille L'EspanayeKate Siegel

FAQ zu Der Untergang des Hauses Usher: Flanagans böses Finale

Wie viele Folgen hat Der Untergang des Hauses Usher?
Acht Folgen, alle am 12. Oktober 2023 gleichzeitig erschienen, zusammen rund siebeneinhalb Stunden. Die Geschichte ist als Miniserie komplett abgeschlossen, eine zweite Staffel gibt es nicht und braucht es nicht. Für den Durchlauf empfehle ich drei bis vier Abende, die Folgen wirken stärker mit Pausen dazwischen.
Muss ich Poe gelesen haben?
Nein. Die Serie funktioniert komplett ohne Vorkenntnis, macht mit ihr aber doppelt Spaß. Sieben der acht Folgen tragen Titel von Poe-Erzählungen und übersetzen deren Motive in die Gegenwart. Wer nach dem Schauen die Kurzgeschichten liest, viele davon unter 30 Seiten, erkennt den Baukasten.
Wo kann ich die Serie streamen?
Der Untergang des Hauses Usher läuft aktuell im Abo bei Netflix. Stand 25.10.2026, Angaben für Deutschland ohne Gewähr.
Wie brutal ist die Serie?
Die härteste Flanagan-Produktion mit Abstand. Vor allem Folge 2 enthält eine Massenszene, die nichts für empfindliche Mägen ist, und die Todesfälle danach bleiben drastisch inszeniert. Hill House und Bly Manor sind dagegen Kammermusik, hier regiert das Setpiece.
Ist das eine wahre Geschichte über die Opioid-Krise?
Die Ushers sind erfunden, ihr Vorbild ist trotzdem unverkennbar: eine Pharma-Dynastie, die mit einem süchtig machenden Schmerzmittel Milliarden verdient hat. Die Serie nutzt Poe von 1839 als Rahmen, zielt aber auf eine sehr reale Sorte Familie der Gegenwart.
In welcher Reihenfolge schaue ich die Flanagan-Serien?
Nach Erscheinen: Hill House 2018, Bly Manor 2020, Midnight Mass 2021, The Midnight Club 2022, dann Usher 2023. Inhaltlich sind alle eigenständig, aber der Ton entwickelt sich, und Usher wirkt am stärksten, wenn man weiß, wie warm Flanagan vorher erzählt hat.

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