Poster zur Serie The Terror: Eis, Hunger und das Ding auf dem Packeis

The Terror: Eis, Hunger und das Ding auf dem Packeis (2018)

Serie · Mystery, Drama · 2018 · 2 Staffeln

Von , aktualisiert am 18. Juni 20269 Minuten LesezeitSo arbeiten wir

The Terror ist AMCs historische Horror-Anthologie nach Dan Simmons‘ Roman, gestartet am 26. März 2018, produziert von Ridley Scott. Staffel 1 erzählt in 10 Folgen vom realen Verschwinden der Franklin-Expedition im arktischen Eis, und sie gehört zum Besten, was das Genre im Fernsehen je hatte.

Ich habe diese Serie 2018 angefangen, weil mich das Setting interessierte, und sie beendet, weil ich nicht mehr wegkam. Das hier ist Handwerk auf einem Niveau, das im Horror-Fernsehen selten vorkommt: Drehbuch, Ausstattung, Besetzung, alles sitzt. 8,5 von 10 für die Gesamtserie, die erste Staffel allein wäre höher.

Quellen & Einordnung

Beitrag aus dem Archiv. Die bisherige Note und der Text sind noch nicht nach unserem seit 10. Oktober 2026 geltenden Quellenverfahren überprüft. Die Kinokreis-Stimme ist eine fiktive Figur; ihre Ich-Formulierungen belegen keine persönliche Filmsichtung. Die bisherige Note bleibt bis zur Einzelprüfung als Archivwertung erkennbar.

Unsere Arbeitsweise und der Einsatz von KI

Unsere Einordnung

von WatchGuide-Redaktion
1

Zwei Schiffe, ein Eis, keine Illusionen

1845 verlassen die HMS Erebus und die HMS Terror England, um die Nordwestpassage zu finden, 129 Männer unter dem Kommando von Sir John Franklin. Die Serie setzt ein, als beide Schiffe im Packeis festfrieren, und erzählt dann über 10 Folgen, was Kälte, Hunger, verdorbene Konserven und Hierarchie-Eitelkeit mit einer Expedition machen, die für zwei Sommer ausgerüstet war. Dazu kommt etwas, das draußen auf dem Eis jagt und kein Eisbär ist. Die Prämisse klingt nach Creature-Feature, aber die Serie behandelt das Wesen als Verstärker, der eigentliche Gegner ist die Arroganz eines Imperiums, das glaubte, die Arktis mit Tischmanieren besiegen zu können. Die Machtfrage ist dabei von der ersten Folge an entschieden: hier das Eis, geduldig und ohne Eile, dort zwei Schiffe voller Männer, die ihre Ausrüstung für überlegen halten. Den Ausgang ahnt man nach zehn Minuten, das Zusehen beim Vollzug dauert zehn Stunden, und keine davon ist verschenkt.

2

Das hier ist Handwerk

David Kajganich hat die erste Staffel mit Soo Hugh als Showrunner-Duo gebaut, und man merkt jeder Folge an, dass hier ein Drehbuch existiert, das seine zehn Stunden verdient. Keine Füller-Episode, keine künstlich verlängerten Konflikte, kein Erklär-Monolog, der dem Publikum misstraut. Informationen kommen über Verhalten: wie ein Offizier sein Besteck hält, während die Mannschaft hungert, sagt mehr als drei Seiten Dialog. Die Serie nimmt sich Zeit, und ich meine das als Lob, die ersten zwei Folgen bauen Druck auf, der ab Folge 3 nie wieder nachlässt. Wer bei Slow-Burn an Langeweile denkt, bekommt hier die Gegenthese: Es brennt von Anfang an, nur eben unter der Oberfläche.

3

Jared Harris, endlich ganz vorne

Harris hat jahrelang die zweite Reihe veredelt, von Mad Men bis Chernobyl ein Mann für tragende Nebenrollen. Hier trägt er als Captain Francis Crozier die ganze Staffel, ein irischer Trinker im Schatten des feinen Herrn Franklin, der einzige an Bord, der die Lage von Anfang an realistisch einschätzt. Was Harris mit dieser Figur macht, ist eine Lehrstunde in unterspieltem Drama: Crozier wird vom verbitterten Zyniker zum einzigen moralischen Zentrum der Expedition, und der Wandel passiert in Blicken, nicht in Reden. Daneben Tobias Menzies als Commander Fitzjames, dessen Fassade aus Anekdoten und Orden langsam Risse bekommt, und Ciarán Hinds als Franklin, ein Kapitän, dessen Frömmigkeit gefährlicher ist als jedes Wesen auf dem Eis.

  • Jared Harris als Captain Francis Crozier, Kommandant der HMS Terror und das Herz der ersten Staffel.
  • Tobias Menzies spielt Commander James Fitzjames, den Mann mit den polierten Geschichten und der bröckelnden Fassade.
  • Ciarán Hinds als Sir John Franklin, Expeditionsleiter mit gottgefälligem Sturkopf.
  • Paul Ready als Schiffsarzt Harry Goodsir, die menschlichste Figur der Serie und mein heimlicher Favorit.
  • Adam Nagaitis als Cornelius Hickey, über den ich nichts weiter sage, außer: im Gedächtnis bleibt er.
  • Nive Nielsen als Lady Silence, die Inuk-Frau, die mehr über das Eis weiß als die ganze Royal Navy zusammen.
4

Das Ding auf dem Eis, sparsam serviert

Das Wesen heißt Tuunbaq und stammt aus Dan Simmons‘ Romanvorlage von 2007, die Motive der Inuit-Mythologie verarbeitet. Die Serie zeigt es selten, und das ist eine bewusste Drehbuch-Entscheidung, keine Budget-Ausrede: Je länger die Staffel läuft, desto klarer wird, dass die Männer einander gefährlicher werden als jedes Monster. Ab der Staffelmitte verschiebt sich der Horror von draußen nach drinnen, Meuterei, Bleivergiftung, Hunger, und die Folge, in der ein Karnevalsfest auf dem Eis eskaliert, gehört zu den am besten gebauten Horror-Stunden der letzten Dekade. Wer Kreaturen-Horror mit Belagerungsgefühl mag, findet die Kino-Verwandtschaft in Frank Darabonts Der Nebel, und die ganze Monster-Schiene sortiert unser Überblick über Monster- und Creature-Horror.

5

Goodsir, oder wie man Nebenfiguren schreibt

Wenn ich Drehbuch-Seminare geben müsste, würde ich die Figur des Schiffsarztes Harry Goodsir als Lehrbeispiel nehmen. Paul Ready spielt über die 10 Folgen den einzigen Mann der Expedition, der den Inuit mit echter Neugier statt mit imperialem Besitzdenken begegnet, und das Drehbuch belohnt ihn dafür kein einziges Mal, denn diese Serie verteilt keine Gerechtigkeit. Genau das macht ihn unvergesslich. Dasselbe gilt für Nive Nielsen als Lady Silence, eine Figur, die in schwächeren Produktionen als mystische Eingeborenen-Schablone geendet wäre und hier eine eigene Tragödie mit eigener Logik bekommt, großteils ohne Worte. Selbst die fünfte Reihe ist besetzt, als ginge es um Hauptrollen, vom Eismeister bis zum Schiffsjungen, und wenn die Staffel in ihrer zweiten Hälfte anfängt, diese Gesichter wegzunehmen, eines nach dem anderen, hat jedes Fehlen Gewicht. Das ist der Unterschied zwischen Body-Count und Verlust, und kaum eine Genre-Serie der letzten zehn Jahre hat ihn so sauber herausgearbeitet.

6

Wie man diese Serie am besten schaut

Zwei praktische Empfehlungen aus zwei Durchgängen. Erstens die Sprachfrage: Die deutsche Synchro ist ordentlich gearbeitet, aber die erste Staffel lebt von den Stimmen, von Harris‘ müdem irischen Tonfall bis zu den Klassen-Akzenten zwischen Offiziersmesse und Mannschaftsdeck, die im Original soziale Landkarten zeichnen. Wer halbwegs sattelfest ist, schaut englisch mit Untertiteln. Zweitens das Tempo: Diese 10 Folgen sind kein Binge-Material. Die Serie arbeitet mit Erschöpfung, mit Dunkelheit, mit dem Gefühl, dass die Zeit selbst gefriert, und dieser Effekt braucht Pausen zwischen den Folgen, sonst stumpft er ab. Ich habe beim zweiten Durchgang zwei Folgen pro Woche geschaut, im Winter, abends, und die Staffel hat dadurch noch einmal zugelegt. Es gibt Serien, die man konsumiert, und Serien, denen man sich aussetzt. The Terror gehört in die zweite Kategorie, und sie belohnt jeden, der ihr die Bedingungen zugesteht.

7

Die echte Geschichte unter dem Eis

Die Franklin-Expedition ist real verschwunden, alle 129 Männer, und blieb über 150 Jahre eines der großen Rätsel der Polarforschung. Die Wracks wurden erst kürzlich gefunden, die Erebus 2014, die Terror 2016, beide erstaunlich gut erhalten auf dem Grund der kanadischen Arktis. Die Serie nutzt den Stand der Forschung, von den Bleilot-Theorien um die Konservennahrung bis zu den Knochenfunden auf King William Island, und füllt die Lücken mit Simmons‘ Fiktion statt mit Geschichtsklitterung. Genau diese Mischung macht für mich den Reiz: Man schaut eine Geistergeschichte und lernt nebenbei, warum die Royal Navy im 19. Jahrhundert an ihrer eigenen Selbstgewissheit erstickte. Die englische Wikipedia dokumentiert die Produktionsgeschichte ausführlich.

8

Anthologie mit Höhen, Tälern und 2026er-Comeback

Nach der ersten Staffel wurde The Terror zur Anthologie. Staffel 2, Infamy von 2019, wechselt zu Geister-Horror in einem Internierungslager für japanischstämmige Amerikaner im Zweiten Weltkrieg, mit Derek Mio in der Hauptrolle und George Takei als Ältestem der Gemeinde. Der Ansatz ist mutig, die Ausführung schwankt, 80 Prozent bei Rotten Tomatoes gegenüber 94 für die erste Staffel beschreiben den Abstand ehrlich. Danach lag die Marke jahrelang auf Eis, bis AMC sie wiederbelebte: Seit dem 7. Mai 2026 läuft die dritte Staffel Devil in Silver auf AMC+ und Shudder, nach Victor LaValles Roman von 2012, mit Dan Stevens in der Hauptrolle und Judith Light, CCH Pounder und Stephen Root im Ensemble. Sechs Folgen, Horror in einer psychiatrischen Anstalt, und die ersten Wertungen liegen mit 95 Prozent sogar über der Franklin-Staffel. Die Anthologie lebt also wieder, und das freut mich mehr als die meisten Serien-Comebacks der letzten Jahre.

9

Wo es knirscht

Drei ehrliche Einschränkungen. Erstens braucht die erste Staffel zwei Folgen Anlauf, bevor die Maschine greift, wer nach 40 Minuten Spektakel erwartet, steigt zu früh aus. Zweitens sieht das Wesen in einigen Totalen nach 2018er-Fernseh-CG aus, die Serie weiß das und versteckt es klug, aber zwei, drei Einstellungen fallen durch. Drittens die zweite Staffel: Infamy hat starke Momente und ein wichtiges Thema, verliert aber im Mittelteil den Fokus zwischen Familiendrama und Yurei-Horror, und wer nach der Franklin-Staffel nahtlos weiterschaut, spürt den Qualitätsabfall deutlich. Mein Rat: Staffel 1 als abgeschlossenes Meisterstück schauen, Staffel 2 mit angepasster Erwartung, Staffel 3 nach aktuellem Stand mit Vorfreude.

10

Wo The Terror im Genre steht

Historischer Horror ist im Serienformat dünn besät, und The Terror Staffel 1 ist sein Maßstab. Die nächste Verwandtschaft im Bestand: Kingdom macht mit seiner Joseon-Zombie-Politik etwas Ähnliches für Korea, historische Machtkritik im Genre-Gewand. The Shining als Miniserie teilt das Motiv der Isolation, die Menschen zerlegt, und wer das psychologische Ende dieses Spektrums sucht, wird bei unseren Filmen wie Shutter Island fündig, Isolation und Wahnsinn in Reinform. In der Horror-Serien-Übersicht steht The Terror mit 8,5 weit oben, und wäre die erste Staffel allein der Maßstab, stünde sie noch höher.

Bewertung

Bisherige Einschätzung

Archivwertung: Quellenbasis und Gewichtung noch nicht nach dem neuen Verfahren geprüft. Quellen & Einordnung

Bewertet von , die Wertung steht oben.

Dafür

  • Staffel 1 als geschlossenes Meisterstück
  • Jared Harris trägt die Expedition
  • Reale Geschichte als Fundament statt Kulisse

Dagegen

  • Staffel 2 fällt deutlich ab
  • Zwei Folgen Anlauf nötig
  • Vereinzelt sichtbares 2018er-CG
Das Monster ist das kleinste Problem dieser Expedition.Aus der Wertung von WatchGuide-Redaktion
The Terror Staffel 1 ist für mich der Maßstab für historischen Horror im Fernsehen: ein Drehbuch, das seine zehn Stunden verdient, Jared Harris in der Rolle seines Lebens, und ein Wesen, das klug sparsam bleibt, weil die Menschen einander längst gefährlicher sind. Die reale Franklin-Expedition gibt der Fiktion ein Fundament, das nachhallt, die Wracks wurden erst 2014 und 2016 gefunden. Staffel 2 fällt spürbar ab, deshalb 8,5 für die Gesamtserie statt der glatten 9, die die Franklin-Staffel allein wert wäre. Dass die Anthologie 2026 mit Devil in Silver und starken ersten Kritiken zurück ist, macht Hoffnung auf mehr.

Wer streamt The Terror?

Verfügbarkeit DE

Stand 25.10.2026: The Terror läuft im Abo bei MagentaTV.

Stand 25.10.2026 · Streaming-Daten: JustWatch (via TMDB), Movie of the Night · ohne Gewähr

Staffeln & Folgen

aus der WatchGuide-Datenbank
S1Staffel 1· 10 Folgen · ab März 2018▾
E01Alles auf eine Karte26.03.18
E02Gefangen im Packeis26.03.18
E03Die Rache des Tuunbaq02.04.18
E04Dreißig Peitschenhiebe09.04.18
E05Der erste Schuss muss sitzen16.04.18
E06Mitgefühl und Gnadenakt23.04.18
E07Der lange Marsch der dunklen Gedanken30.04.18
E08Das Kriegsgericht07.05.18
E09Nach Süden14.05.18
E10Tot und verloren21.05.18
S2Infamy· 10 Folgen · ab Aug. 2019▾
E01Ein Spatz im Schwalbennest12.08.19
E02Die Dämonen sind noch in der Hölle19.08.19
E03Gaman26.08.19
E04Die Schwachen haben verloren02.09.19
E05Tod vor Unehre09.09.19
E06Taizo16.09.19
E07Meine perfekte Welt23.09.19
E08Mein süßer Junge30.09.19
E09Komm und hol mich07.10.19
E10Ins Jenseits14.10.19

Besetzung

5 Rollen
  • Chester NakayamaDerek Mio
  • Luz OjedaCristina Rodlo
  • Yuko TanabeKiki Sukezane
  • Henry NakayamaShingo Usami
  • Asako NakayamaNaoko Mori

FAQ zu The Terror: Eis, Hunger und das Ding auf dem Packeis

Muss ich die Staffeln in Reihenfolge schauen?
Nein. The Terror ist eine Anthologie, jede Staffel erzählt eine komplett eigene Geschichte mit eigenem Ensemble: Staffel 1 die Franklin-Expedition von 1845, Staffel 2 ein Internierungslager im Zweiten Weltkrieg, Staffel 3 eine psychiatrische Anstalt. Du kannst also überall einsteigen, meine klare Empfehlung bleibt trotzdem der Start mit der Franklin-Staffel von 2018.
Wo kann ich The Terror in Deutschland streamen?
The Terror läuft aktuell im Abo bei MagentaTV; zum Leihen oder Kaufen bei Apple TV+ und Amazon. Stand 25.10.2026, Angaben für Deutschland ohne Gewähr.
Beruht die Serie auf einer wahren Geschichte?
Staffel 1 ja, im Kern: Die Franklin-Expedition mit der Erebus und der Terror verschwand ab 1845 wirklich, alle 129 Männer starben, die Wracks wurden erst 2014 und 2016 gefunden. Das Wesen und viele Figurenschicksale stammen aus Dan Simmons' Roman von 2007, der die Lücken der Geschichte mit Fiktion füllt.
Wie viel Monster steckt wirklich drin?
Weniger, als das Genre-Label vermuten lässt, und das ist die Stärke. Das Tuunbaq taucht über 10 Folgen vielleicht eine Handvoll Mal voll auf, dazwischen tragen Hunger, Kälte und Meuterei den Schrecken. Wer ein reines Creature-Feature mit Dauerpräsenz sucht, ist hier falsch, wer langsam wachsende Belagerungs-Spannung schätzt, genau richtig.
Lohnt sich Staffel 2?
Mit angepasster Erwartung. Infamy von 2019 hat ein wichtiges Thema und starke Bilder, erreicht aber die Dichte der Franklin-Staffel nicht, 80 gegen 94 Prozent bei Rotten Tomatoes fassen es gut zusammen. Ich würde sie nicht überspringen, aber auch nicht direkt hintereinander schauen.
Was ist mit der neuen Staffel von 2026?
Devil in Silver läuft seit dem 7. Mai 2026, sechs Folgen nach Victor LaValles Roman, mit Dan Stevens in der Hauptrolle. Die ersten Kritiken sind mit 95 Prozent bemerkenswert stark. Sobald die Staffel komplett hier verfügbar ist, bekommt sie ihre eigene Besprechung.

Diskutiere mit

1 Kommentar

Varagard
Varagard ★ 8.0

Ich kann jetzt nur für Staffel 1 sprechen, denn die Zweite habe ich noch nicht gesehen, aber damals die Erste und die habe ich als sehr gut in Erinnerung. Ja die brauch etwas mehr Anlauf, aber die ist so gut gemacht und spannend erzählt, ich hatte da meinen Spaß mit. Ist auch eine der Serie, wo ich sagen würde, die würde ich mir gerne nochmal ansehen wollen.






0 / 500

Der erste Kommentar wird kurz geprüft. Keine Links, keine Werbung, Spoiler bitte ankündigen. Kommentarregeln · Datenschutz · Mit Konto? Anmelden

Ähnliche Serien

aus derselben Kammer
Cookie Consent mit Real Cookie Banner