Ach, diese Lücke, diese entsetzliche Lücke bekommt von mir im WatchGuide-Kinokreis 7,6 von 10. Simon Verhoeven hat Joachim Meyerhoffs Roman über ein Jahr an der Münchner Schauspielschule und im Haus der Großeltern so verfilmt, dass die Komik aus der Trauer kommt und nicht gegen sie arbeitet. Getragen wird das von drei Leuten: Bruno Alexander, Senta Berger und Michael Wittenborn. Was mich unter der Acht hält, ist die Form. Der Film ist eine Folge von Anekdoten, die sich in 137 Minuten mehr aneinanderreihen als aufeinander aufbauen.
Seit dem 29. Januar 2026 im Kino, Verleih Warner Bros. Pictures Germany, FSK 6. Seit Juni 2026 gibt es den Film auf DVD und Blu-ray sowie digital zum Leihen und Kaufen. Regie und Drehbuch stammen von Simon Verhoeven, produziert haben Komplizen Film, Warner Bros. Filmproduktion, Doll Filmproduktion und Sentana Filmproduktion. Wer tragikomisches Erzählkino mit großartigem Schauspiel sucht, sollte ihn sehen. Wer einen straff gebauten Film erwartet, braucht Geduld.
Quellen & Einordnung
Beitrag aus dem Archiv. Die bisherige Note und der Text sind noch nicht nach unserem seit 10. Oktober 2026 geltenden Quellenverfahren überprüft. Die Kinokreis-Stimme ist eine fiktive Figur; ihre Ich-Formulierungen belegen keine persönliche Filmsichtung. Die bisherige Note bleibt bis zur Einzelprüfung als Archivwertung erkennbar.
Trailer
Unsere Einordnung
von WatchGuide-RedaktionWorum es geht
Joachim (Bruno Alexander) ist zwanzig, sein Bruder ist gerade gestorben, und völlig unerwartet nimmt ihn die Otto-Falckenberg-Schule in München auf. Er zieht zu seinen Großeltern in deren großbürgerliche Villa: Inge (Senta Berger), einst Schauspielerin, und Hermann (Michael Wittenborn), emeritierter Philosophieprofessor. Ihre Tage folgen festen Ritualen, in denen Alkohol eine tragende Rolle spielt. Tagsüber zerlegt die Schauspielschule Joachims Selbstbewusstsein, abends sitzt er zwischen zwei alten Menschen, die ihre eigene Leere mit Routine füllen. Laura Tonke und Devid Striesow spielen die Eltern, wie schon in Wann wird es endlich wieder so, wie es nie war (2023), der ersten Meyerhoff-Verfilmung von Sonja Heiss. Man muss sie nicht kennen, um diesen Film zu verstehen.
Wo der Film sitzt: in den ruhigen Momenten
Fangen wir mit dem an, was mich überzeugt hat. Die besten Szenen sind nicht die großen Nummern, sondern die Abende im Haus der Großeltern, wenn nichts passiert außer dem nächsten Glas und dem nächsten Satz, der eine Spur zu förmlich ist. Senta Berger spielt Inge als Frau, die ihre Bühnenjahre nie ganz abgelegt hat, und lässt trotzdem erkennen, wie viel Mühe das Aufrechterhalten kostet. Michael Wittenborn macht aus dem strengen Hermann einen Mann, dessen Würde fast ausschließlich aus Gewohnheit besteht. Dass beide beim Deutschen Filmpreis 2026 ausgezeichnet wurden, Berger als beste Hauptdarstellerin und Wittenborn als bester Nebendarsteller, ist für mich die richtige Entscheidung.
Bruno Alexander hat die schwierigste Aufgabe, weil er zwischen den beiden alten Profis nicht untergehen darf und in der Schauspielschule ständig scheitern muss, ohne dass es zur Nummer wird. Das gelingt ihm. Britta Schmeis nennt sein Spiel bei epd Film ausgesprochen nuanciert, und genau das ist der Punkt: Die Trauer um den Bruder spielt er nie aus, sie steht in den Pausen.
Dazu kommt ein Tonfall, den das deutsche Kino selten trifft. Kamil Moll schreibt bei Filmstarts, der Film habe „viel Gespür und Feinsinn für das Komische, aber niemals wirklich Lächerliche“. Die Übungen an der Schauspielschule sind komisch, weil sie für Joachim ernst sind. Niemand macht sich über ihn lustig, außer er selbst.
Wo das Drehbuch nachgibt
Jetzt die Einschränkung, und sie ist struktureller Natur. Meyerhoffs Roman ist eine Erinnerung in Episoden, und Verhoeven übernimmt diese Form fast unverändert. Jede Episode hat ihre Pointe, aber kaum eine verändert die nächste. Das Haus der Großeltern und die Schauspielschule laufen nebeneinander her, statt sich gegenseitig unter Druck zu setzen. Britta Schmeis bringt es bei epd Film auf den Punkt: Das alles sei, wie der Roman, „ein wenig eine Nabelschau“, allerdings eine sehr hübsch anzusehende. Sie vergibt 3 von 5 Sternen, und ihr Einwand trifft.
Daraus folgt die Länge. 137 Minuten sind für diese Geschichte zu viel, denn wenn Episoden nicht aufeinander aufbauen, verlängert jede weitere den Film, ohne ihn weiterzubringen. Eine halbe Stunde weniger hätte keine der guten Szenen gekostet. Axel Timo Purr merkt bei artechock an, das große Ensemble bekannter Gesichter wirke stellenweise ablenkend. Das sehe ich ähnlich: Tom Schilling, Karoline Herfurth und Friedrich von Thun sind schön anzusehen, aber ihre Auftritte sind Besuche, keine Figuren.
Wie die Kritik den Film sieht
Die meisten sind begeisterter als ich. Filmstarts vergibt 4,5 von 5 Sternen und nennt ihn eine der lustigsten deutschen Komödien der letzten Jahre. Der Filmdienst lobt die gelungene Mischung aus Coming-of-Age-Film, Familiendrama, Milieukomödie und Erinnerungsbuch, Lukas Hoffmann bei kino-zeit die Balance zwischen Komik und existenzieller Suche. epd Film liegt mit 3 von 5 Sternen am unteren Ende. Beim Deutschen Filmpreis 2026 gab es neben den beiden Darstellerpreisen die Lola in Bronze für den besten Spielfilm. Stand der Werte: 30. September 2026.
Meine 7,6 liegen zwischen Filmstarts und epd. Das Schauspiel verdient mehr, das Drehbuch weniger.
Für wen sich der Film lohnt
Für alle, die Meyerhoffs Bücher mögen, und für alle, die gern zwei alten Schauspielern beim Arbeiten zusehen. Wer wissen will, wie Verhoeven mit Gesellschaftskomödie umgeht, wenn er keine Romanvorlage hat, schaut Alter weißer Mann. Mehr sammelt unsere Drama-Übersicht.
Bewertung
Bisherige EinschätzungArchivwertung: Quellenbasis und Gewichtung noch nicht nach dem neuen Verfahren geprüft. Quellen & Einordnung
Dafür
- Senta Berger und Michael Wittenborn als Großeltern
- Bruno Alexander spielt die Trauer in den Pausen
- Komik, die aus dem Ernst der Figuren kommt
- Die Abende im Haus der Großeltern
Dagegen
- Episoden stehen nebeneinander statt aufeinander aufzubauen
- 137 Minuten sind zu lang
- Prominente Nebenrollen bleiben Besuche
- Schauspielschule und Großelternhaus berühren sich zu selten
Die Trauer um den Bruder spielt Bruno Alexander nie aus. Sie steht in den Pausen.Aus der Wertung von WatchGuide-Redaktion
Wer streamt Ach, diese Lücke, diese entsetzliche Lücke?
Verfügbarkeit DEStand 15.10.2026: Ach, diese Lücke, diese entsetzliche Lücke läuft im Abo bei Prime Video und Max, mit deutscher Synchronfassung. Leihen oder Kaufen geht ab 5,99 €.
Stand 15.10.2026 · Streaming-Daten: JustWatch (via TMDB), Movie of the Night · ohne Gewähr
Besetzung
5 Rollen- Joachim MeyerhoffBruno Alexander
- Inge BrinkmannSenta Berger
- Hermann KringsMichael Wittenborn
- Joachims MutterLaura Tonke
- Joachims VaterDevid Striesow


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