Die Kritik
von NordNoirHalloween: Resurrection lief in den USA im Juli 2002 und kam am 7. November 2002 zu uns, tötet in der ersten Viertelstunde die wichtigste Figur der Reihe und schickt danach eine Webcam-Show ins Myers-Haus. 4,5 von mir, und die sind weich gerundet.
Tag acht im Marathon. Drei Leute aus dem Kinokreis hatten mich unabhängig voneinander gewarnt, ich war also vorbereitet, dachte ich zumindest. Ich war nicht vorbereitet. Es gibt schlechte Horrorfilme, die trotzdem Spaß machen, und es gibt diesen hier, der einem sogar das Lästern zur Arbeit macht.
Die ersten fünfzehn Minuten sind ein Abriss mit Ansage
H20 endete 1998 mit dem endgültigsten Bild der Reihe, ich habe es gestern gefeiert. Resurrection braucht eine Vorspann-Länge, um dieses Ende per Dialog-Erklärung rückabzuwickeln: Der Mann, den Laurie damals erwischt hat, war demnach gar nicht Michael, sondern ein Sanitäter mit vertauschter Maske. Laurie sitzt deshalb mit Schuldgefühlen in einer psychiatrischen Klinik, wo ihr Bruder sie in der Eröffnungssequenz besucht. Wie diese Begegnung ausgeht, ist seit 2002 das meistgegoogelte Detail des Films, und ich sage nur so viel: Jamie Lee Curtis ist nach einer Viertelstunde aus dem Film, und mit ihr jede Verbindung zu allem, was diese Reihe mal war.
Man kann einer Horror-Reihe viel verzeihen. Was ich nicht verzeihe: eine über zwei Jahrzehnte aufgebaute Figur als Vorspann-Verbrauchsmaterial zu entsorgen, damit die eigentliche Geschichte über Menschen laufen kann, deren Namen ich beim Abspann schon wieder nachschlagen musste. Curtis selbst wirkt in ihren Minuten übrigens großartig und komplett fehl am Platz zugleich, wie ein Gast aus einem besseren Film, der kurz die Miete abwohnt. Das 2018er-Halloween hat diese Eröffnung später komplett ignoriert, und das war die richtige Entscheidung.
Dangertainment. Das Internet von 2002 dreht eine Horror-Show.
Die eigentliche Handlung: Ein Internet-Unternehmer castet sechs Studenten für eine Livestream-Show namens Dangertainment. Die Gruppe soll eine Nacht im verlassenen Myers-Haus in Haddonfield verbringen, verkabelt mit Körperkameras, während das Publikum online zuschaut. Was als inszenierter Grusel geplant ist, wird ernst, weil der Hausherr nach Hause kommt. Auf dem Papier ist das eine brauchbare Idee, Big Brother war 2002 das große Ding, Found-Footage-Horror lag in der Luft, und ein Film über Grusel als Content hätte etwas erzählen können.
In der Praxis heißt es: Der halbe Film besteht aus matschigen Webcam-Bildern in Auflösungen, die schon 2002 nach Anstrengung aussahen, geschnitten im Musikvideo-Stakkato. Die Regeln des Hauses ändern sich nach Bedarf, Türen sind offen oder verschlossen, je nachdem, was die nächste Verfolgung braucht, und die Show-Mechanik wird nach der Hälfte schlicht vergessen. Der einzige Streaming-Zuschauer mit Funktion ist ein Schüler auf einer Halloween-Party, der die Kids per SMS durchs Haus lotst. Das ist tatsächlich der innovativste Einfall des Films, und er wird in ungefähr vier Szenen abgehandelt.
Dabei liegt das Versäumnis auf dem Silbertablett: Ein Publikum, das nicht weiß, ob es Inszenierung oder echten Mord sieht, und deshalb johlend zuschaut, während Menschen sterben. Diese eine Idee trägt komplette Filme, das Genre hat es später mehrfach bewiesen. Resurrection streift sie in einer einzigen Partyszene, in der die Zuschauer die Morde für Special Effects halten und Beifall klatschen, und hakt sie dann ab, als wäre ihm selbst nicht aufgefallen, was es da in der Hand hielt. Es ist der frustrierendste Moment des Films: Man sieht den guten Film im schlechten kurz aufblitzen und dann wieder verschwinden.
Und dann macht Busta Rhymes Kung-Fu
Über eine Szene führt kein Weg herum, sie ist das Erbe dieses Films: Rapper Busta Rhymes, als Show-Betreiber Freddie Harris im Ninja-Kostüm unterwegs, stellt sich Michael Myers und verpasst dem Boogeyman eine Runde Martial-Arts-Tritte samt Kampfschrei. Es folgt später noch ein Einzeiler in Richtung des Killers, den ich hier aus Jugendschutzgründen nicht zitiere, jeder kennt ihn ohnehin. In diesem Moment stirbt die letzte Restwürde einer Reihe, die 1978 mit der unheimlichsten Reduktion des Genres angefangen hat.
Das Verrückte: Busta Rhymes ist gleichzeitig das Unterhaltsamste am Film. Er spielt mit einer Energie, als wüsste er genau, in was für einem Projekt er steckt, und hat beschlossen, wenigstens seinen eigenen Spaß zu haben. Ich habe zweimal gelacht, beide Male seinetwegen, beide Male gegen den Film, nie mit ihm. Für einen Halloween-Teil ist das ein vernichtender Befund, für einen Trash-Abend mit Freunden immerhin ein Verkaufsargument.
- Jamie Lee Curtis als Laurie Strode, zum dritten und kürzesten Mal, ein bezahlter Abschied
- Busta Rhymes spielt Show-Macher Freddie, tritt Michael Myers und stiehlt dem Film die Reste
- Bianca Kajlich als Sara, das Final Girl, dem der Film kaum eine Eigenschaft gönnt
- Katee Sackhoff als Jen, zwei Jahre bevor sie mit Battlestar Galactica durchstartete
- Tyra Banks als Produzentin Nora, hauptsächlich mit Headset am Monitor
- Brad Loree als Michael Myers, stämmig und erstaunlich unbedrohlich fotografiert
Eine Zeitkapsel aus dem Jahr 2002, unfreiwillig komisch
Was den Film heute halbwegs anschaubar macht, ist ausgerechnet sein Alter: Resurrection ist ein makelloses Museum der frühen Zweitausender. Klapphandys mit Stummelantennen, ein PDA mit Eingabestift als High-Tech-Requisite, Webcams von der Größe einer Faust, dazu Dialoge, in denen das Wort Internet noch mit hörbarer Ehrfurcht ausgesprochen wird. Die Studenten tragen Cargohosen und Trägertops wie Uniformen, und der Soundtrack pumpt Nu-Metal, wann immer jemand eine Tür öffnet.
Als Horror ist das alles wertlos, als Zeitreise hat es einen gewissen Charme. Ich habe beim Schauen mehrmals an die Big-Brother-Hysterie jener Jahre gedacht, die Container-Debatten, die Sondersendungen über den Untergang des Abendlandes per Live-Kamera. Resurrection ist die Horror-Antwort auf genau diesen Moment, gedreht von Leuten, die das Phänomen sichtbar nur aus Zeitungsartikeln kannten. So altert ein Film nicht in Würde, aber immerhin interessant.
Und noch eine Zahl fürs Protokoll: Zwischen dem Original und diesem Film liegen 24 Jahre und acht Einträge. Kein anderer Slasher-Reihen-Marathon, den ich je gemacht habe, fällt auf so kurzer Strecke so tief, von einer 9,4 auf eine 4,5. Selbst die Freddy-Reihe hält ihre Talsohle eleganter.
Rick Rosenthal. Ausgerechnet Rick Rosenthal.
Die bittere Ironie am Regiestuhl: Rick Rosenthal hat 1981 Halloween II gedreht, den Krankenhaus-Teil mit seinen langen, leeren Fluren, und kehrte einundzwanzig Jahre später für Resurrection zurück. Derselbe Mann, zwei Epochen: Damals Carpenter-Schule mit geduldiger Kamera, jetzt Frühzweitausender-Hektik mit Kabelbrand-Schnitt. Ich habe beide Filme nun im Abstand von sechs Tagen gesehen, und der Vergleich tut richtig weh. Es ist, als würde ein Architekt sein eigenes Haus mit dem Bagger umgestalten.
Fairerweise: Ein, zwei Momente alter Schule sind noch da. Eine Kellerszene mit Nachtsicht-Optik baut kurz echte Enge auf, und die allerletzte Einstellung des Films ist ein ordentlicher Schlussakkord, der eine Fortsetzung ankündigt, die dann nie kam. Es sind vielleicht vier gute Minuten in sechsundachtzig. Die Quote spricht für sich.
Metacritic 19, Letterboxd 1,6. Die Zahlen lügen nicht.
Resurrection ist nach fast allen messbaren Kriterien der Tiefpunkt der Reihe: 24 Prozent bei den Kritikern, 10 Prozent beim Publikum von Rotten Tomatoes, 19 von 100 bei Metacritic, 3,9 bei IMDb und miserable 1,6 von 5 bei Letterboxd. Zum Vergleich: Selbst der Kult-des-Dorns-Teil von 1995 steht überall messbar besser da.
Eingespielt hat der Film trotzdem 37,7 Millionen Dollar bei 13 Millionen Budget, der Marken-Name zog auch 2002 noch. Es war ein Pyrrhussieg: Nach Resurrection lag die Reihe fünf Jahre brach, bis Rob Zombie 2007 mit seinem Komplett-Remake bei null anfing. Kein einziger späterer Film hat je wieder an Resurrection angeknüpft, keine Zeitlinie führt hier weiter. Der Film ist eine Sackgasse im wörtlichsten Sinn, und die Reihe tat gut daran, den Rückwärtsgang einzulegen.
Der eine Gedanke, der hätte tragen können
Ganz will ich den Film nicht ohne Guthaben entlassen, also hier der eine Punkt zu seinen Gunsten: Die Grundidee, dass ein realer Tatort zur Unterhaltungs-Kulisse wird und ein Publikum live zuschaut, während echtes Leid als Content verkauft wird, ist zwanzig Jahre später erschreckend aktuell geworden. True-Crime-Tourismus, Lost-Place-Streams, Tragödien als Reaction-Futter: Resurrection hat 2002, vermutlich ohne es zu merken, an einem Thema gekratzt, das heute ganze Dokumentationen füllt. Ein besserer Film hätte daraus Satire gemacht. Dieser hier wollte einfach nur billige Kills im Nachtsicht-Filter.
Genau deshalb bin ich bei 4,5 statt tiefer: Es gibt eine Idee, es gibt Busta Rhymes als unfreiwilliges Entertainment, und es gibt vier gute Minuten. Das ist mehr, als der Ruf vermuten lässt, und trotzdem viel zu wenig. Wer den Film übrigens als Gruppenerlebnis mit Getränken und Kommentarspur schaut, addiert gefühlt zwei Punkte dazu, das ist die einzige Abspielart, die ich ehrlich empfehlen kann. Allein auf dem Sofa, an Tag acht eines Marathons, gibt es diese Gnade nicht.
Marathon-Einordnung: nur fürs Protokoll
Chronologisch ist Resurrection das Ende der H20-Zeitlinie: Original von 1978, Halloween II, H20, dann dieser Nachschlag. Mein ehrlicher Rat: Beende die Zeitlinie mit H20 und tu so, als hätte es diesen Epilog nie gegeben, du bist damit in bester Gesellschaft, das Halloween von 2018 macht es genauso. Resurrection ist ausschließlich für Komplettisten, Trash-Runden und Menschen wie mich, die einen Marathon versprochen haben.
Wo die H20-Timeline im Gesamtbild endet, zeigt unsere Halloween-Reihenfolge. Wer sehen will, wie man dieselbe Reality-TV-Idee mit Verstand umsetzt, wird im Genre mehrfach fündig, unsere Slasher-Ecke und die Horror-Übersicht helfen beim Sortieren. Und die Scream-Reihe hat mit Staffel-3-Ideen bewiesen, dass Meta-Horror auch klug geht.
Das Urteil
Watcher-Score · redaktionelle EinzelwertungDafür
- Busta Rhymes als unfreiwilliges Entertainment
- Die SMS-Lotsen-Idee
- Vier Minuten echte Kellerspannung
Dagegen
- Laurie als Vorspann-Verbrauchsmaterial
- Webcam-Matsch und Stakkato-Schnitt
- Show-Regeln nach Belieben
- Kung-Fu gegen den Boogeyman
Eine Reihe, die 1978 mit Stille Angst machte, endet hier mit einem Kampfschrei im Ninja-Kostüm.— aus der Wertung von NordNoir
Schnelle Antworten
Antworten Schnelle Antworten zu Halloween: Resurrection
Wie lange dauert Halloween: Resurrection?
Halloween: Resurrection hat eine Laufzeit von rund 86 Minuten (1 Stunde und 26 Minuten).
Lohnt sich Halloween: Resurrection?
Unsere Redaktion vergibt Halloween: Resurrection einen Watcher-Score von 4,5 von 10. Vor allem etwas für Genre-Fans, besonders für Horror-Fans.
Für wen ist Halloween: Resurrection geeignet?
Halloween: Resurrection ist vor allem etwas für Horror-Fans, die auch über Schwächen hinwegsehen.
Worum geht es in Halloween: Resurrection?
Sechs junge Studenten lassen sich für das Projekt "Dangertainment" anwerben, um für eine Internet-Aktion spezielle Schockeffekte zu inszenieren.
Trailer
Besetzung
FAQ zu Halloween: Resurrection killt Laurie und meine Geduld gleich mit
Wo kann ich Halloween: Resurrection streamen?
Stirbt Laurie Strode wirklich in Resurrection?
Wie erklärt der Film das Ende von H20?
Ist Resurrection wirklich der schlechteste Halloween-Film?
Wer spielt in Resurrection eigentlich mit?
Gibt es eine Fortsetzung von Resurrection?
Der Saal
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