Die Kritik
von NordNoirAm 10. April 2026 kommt Faces of Death ins Kino – und nein, das ist nicht der Mondo-Film von 1978, an den sich mein Vater bis heute erinnert.
Daniel Goldhaber hat den Titel genommen und was komplett anderes draus gemacht. Content-Moderation als Horrorfilm. Barbie Ferreira, Dacre Montgomery, Charli XCX. Ich hab den Red-Band-Trailer dreimal geschaut und Stefan hat gefragt ob mit mir alles okay ist.
Mein Vater und diese verdammte VHS
Jens Larsen, mein Vater, der Däne aus Sønderborg mit dem milden Lächeln und der fragwürdigen Filmsammlung – der hat mir irgendwann in den Neunzigern erzählt, dass er Faces of Death mal auf einer kopierten VHS gesehen hat. In einer WG in Kopenhagen. 1982 oder so. Er meinte nur: „Det var for meget, Anke.“ Und dann hat er gelacht.
Das Original von 1978 war dieser berüchtigte Pseudo-Dokumentarfilm. Mondo-Kino. Angeblich echte Todesszenen, die meisten davon natürlich gefaked, aber das wusste in den Achtzigern keiner so genau. Der Film wurde in 46 Ländern verboten. 46. Das muss man sich erstmal verdienen.
Und jetzt – vierzig Jahre später – macht jemand ein Remake. Aber nicht so wie man denkt.
Charli XCX in einem Horrorfilm. Ja, wirklich.
Goldhaber und Isa Mazzei haben zusammen schon Cam gemacht, 2018, diesen Netflix-Film über eine Cam-Streamerin die von ihrem eigenen Doppelgänger ersetzt wird. Der Film war gut. Nicht perfekt, aber die beiden verstehen das Internet als Horrorschauplatz. Und genau da setzt Faces of Death an.
Barbie Ferreira spielt Margot Romero – und ja, der Nachname ist Absicht, Romero wie George A. Romero – eine Content-Moderatorin bei einer YouTube-artigen Plattform. Ihr Job: Videos löschen, in denen Menschen sterben. Oder so tun als ob. Oder beides. Irgendwann stößt sie auf eine Gruppe die Todesszenen aus dem Original von 1978 nachstellt. Und die Frage ist: Sind die echt?
Dacre Montgomery – Billy aus Stranger Things, mit der Mullet-Frisur die Tom immer nachmachen wollte – spielt Arthur Spevak. Und dann ist da Charli XCX als Gabby. Ihr erstes großes Filmdebüt. Josie Totah als Samantha Gravinsky, Jermaine Fowler als Josh. Die Besetzung ist – ich sag mal so: ungewöhnlich. Nicht das typische Horror-Casting.
7,4 Millionen Dollar. Drei Jahre Schublade.
Der Film wurde schon 2023 gedreht. April bis Mai, New Orleans. 7,4 Millionen Budget. Und dann – nichts. Drei Jahre lang. Kein Release, keine Ankündigungen, Stille. Legendary Entertainment und Angry Films haben produziert, aber es hat gedauert bis sich IFC Films und Shudder den Verleih geschnappt haben.
Der erste Teaser wurde von YouTube runtergenommen. Wegen Verstoß gegen die Richtlinien für gewalttätige Inhalte. Ein Film über Content-Moderation, dessen Trailer von der Content-Moderation gelöscht wird. Das kann man sich nicht ausdenken. Goldhaber hat das wahrscheinlich gefeiert.
Die Kinoplakate wurden als „zu verstörend für öffentliche Aushänge“ eingestuft. Mein Giallo-Herz schlägt höher.
Was mich reinzieht – und was mich nervös macht
Reinziehen tut mich das Konzept. Content-Moderation als Horror ist genial weil es real ist. Es gibt tausende Menschen die den ganzen Tag Videos von echten Todesfällen, Gewalt und Missbrauch sichten müssen, damit wir auf unseren Plattformen hübsche Katzenvideos sehen. Die PTSD-Raten unter Moderatoren sind brutal. Daraus einen Film zu machen, der gleichzeitig das Original referenziert – das hat Substanz. Das ist nicht einfach ein Remake mit neuem Anstrich.
Nervös macht mich, dass der Film drei Jahre rumlag. Das ist selten ein gutes Zeichen. Manchmal heißt es „wir wussten nicht wohin damit“, manchmal heißt es „der Markt war nicht bereit“. Bei einem Film der Faces of Death heißt und dessen Trailer von YouTube gelöscht wurde – vielleicht Letzteres. Vielleicht aber auch nicht.
Und dann die Sache mit Barbie Ferreira. Ich mag sie. Euphoria war nicht mein Ding, aber Ferreira hat was. Ob sie einen Horrorfilm tragen kann – über 97 Minuten – das muss sie mir erst zeigen.
Cam war gut. Das hier könnte besser sein.
Goldhaber und Mazzei haben mit Cam bewiesen, dass sie Internet-Horror können. Nicht den billigen „der Bildschirm flackert und dann kommt ein Jumpscare“-Horror. Sondern den, der unter die Haut geht weil du weißt: Das passiert wirklich, irgendwo, gerade jetzt. Meta-Horror im besten Sinne.
Tagline: „You can’t unsee it.“ Und das ist das Ding mit Content-Moderation. Die Leute die diesen Job machen – die können das tatsächlich nicht ungesehen machen. Silicon Valley behandelt sie wie Verbrauchsmaterial. Wenn Faces of Death DAS anpackt – nicht nur als Kulisse, sondern als echten Kern des Films – dann könnte das einer der wichtigsten Horrorfilme des Jahres werden.
Wenn nicht, dann ist es ein R-Rated Gorefest mit einem cleveren Titel. Auch okay. Aber schade.
Kein deutscher Kinostart. Natürlich nicht.
Bisher kein deutscher Verleih bestätigt. Was mich nicht überrascht, wenn ich ehrlich bin. Das Original ist in Deutschland seit Jahrzehnten auf dem Index. Und ein Remake das so kontrovers ist, dass YouTube den Trailer löscht – da fasst kein deutscher Verleih freiwillig hin. Bleibt wahrscheinlich bei einem Shudder-Release. Ich hab Shudder. Geht also klar.
Die Gesichter hinter Faces of Death
- Barbie Ferreira als Margot Romero – Euphoria-Star im Horror-Debüt, muss den ganzen Film tragen
- Dacre Montgomery als Arthur Spevak (ja, Billy aus Stranger Things, ohne Mullet diesmal)
- Josie Totah als Samantha Gravinsky
- Charli XCX — als Gabby. Pop-Star im Horrorfilm. Ich bin skeptisch und neugierig gleichzeitig.
- Jermaine Fowler als Josh
- Aaron Holliday als Ryan
- Jared Bankens als Tom
- J.D. Evermore
Was schaust du wenn du das Warten nicht aushältst
Wer bis zum 10. April nicht stillsitzen kann – und ich kann es nicht – der sollte sich Scream nochmal anschauen. Meta-Horror, bevor Meta-Horror cool war. Wes Craven hat das erfunden. Außerdem: The Blair Witch Project für Found-Footage-Nostalgie, Get Out für Horror-mit-Haltung, und Talk to Me weil der Film einfach verdammt gut ist. Und wer Goldhaber und Mazzeis Handschrift kennenlernen will: Cam auf Netflix.
Das Urteil
Watcher-Score · redaktionelle EinzelwertungBewertet von NordNoir — eine Person, ein begründetes Urteil.
Dafür
- Content-Moderation als echtes Horror-Thema
- Goldhaber/Mazzei nach Cam
- Meta-Horror Konzept mit Substanz
- Kontroverse als Qualitätssignal
Dagegen
- Drei Jahre in der Schublade
- Barbie Ferreira als Horror-Lead ungetestet
- Kein deutscher Kinostart
Besetzung
FAQ zu Faces of Death: Content-Moderation als Albtraum
Ist Faces of Death 2026 ein Remake vom Original?
Wann kommt Faces of Death in die deutschen Kinos?
Wer spielt in Faces of Death mit?
Ist der Film ab 18?
Hat Faces of Death echte Todesszenen?
Wer hat Faces of Death produziert?
Der Saal
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