„Iron Lung“ bekommt im WatchGuide-Kinokreis von mir 6,8 von 10, deutlich mehr als von den meisten Kritikern. Ein Sträfling in einem U-Boot ohne Fenster, draußen ein Ozean aus Blut, und alles, was er von der Außenwelt sieht, sind grobe Kamerabilder in Schwarz, Weiß und Grau. Mark Fischbach hält diese Enge über zwei Stunden durch. Das ist zu lang. Aber es ist Horror, der aus Warten besteht, nicht aus Lärm.
In Deutschland lief der Film am 30. Januar 2026 an, am selben Tag wie in den USA und Großbritannien, im Verleih von Piece of Magic Entertainment. Die FSK hat ihn ab 16 Jahren freigegeben und nennt für die Kinofassung 124 Minuten. Wer Langsamkeit aushält und Horror über den Ton mag, sollte es versuchen. Wer ein Monster sehen will, wird ungeduldig.
6,8 von mir. Ein Sträfling in einem U-Boot ohne Fenster, draußen ein Ozean aus Blut, von der Außenwelt nur grobe Kamerabilder: Mark Fischbach baut Horror aus Enge, Geräuschen und dem, was man nicht sieht. Das handgemachte Blut und der übersteuerte Funk tragen mehr als jede Erklärung. Der Film ist aber zu lang, und als Schauspieler kennt Fischbach zu wenige Abstufungen von Panik. Für Fans von langsamem, klaustrophobischem Horror ein Tipp, für Monsterfans nicht.
Quellen & Einordnung
Beitrag aus dem Archiv. Die bisherige Note und der Text sind noch nicht nach unserem seit 10. Oktober 2026 geltenden Quellenverfahren überprüft. Die Kinokreis-Stimme ist eine fiktive Figur; ihre Ich-Formulierungen belegen keine persönliche Filmsichtung. Die bisherige Note bleibt bis zur Einzelprüfung als Archivwertung erkennbar.
Unsere Einordnung
von WatchGuide-RedaktionWas man nicht sieht
Die wichtigste Entscheidung stammt aus David Szymanskis Videospiel von 2022, und Fischbach nimmt sie mit: Man schaut nicht hinaus. Die Welt nach dem „Quiet Rapture“, dem Verschwinden der Sterne und bewohnbaren Planeten, entsteht aus Funksprüchen und Gesprächsfetzen. Johanna Heuck schreibt bei Mein-MMO, dass man sich die Außenwelt selbst vorstellen muss und die Hoffnungslosigkeit dadurch größer wird. Genau so funktioniert gutes Grauen. Was keinen Umriss hat, wächst.
Das ist ein mutiges Konzept für einen Kinofilm, und ein einfaches ist es nicht. Ein Raum, ein Mann, keine Aussicht. Kein Schnitt nach draußen, der Luft verschafft.
Ton vor Bild
Simon Abrams beschreibt beim A.V. Club Nahaufnahmen von blutrotem Kondenswasser, das an einem undichten Rohr zischt und abperlt, und den übersteuerten Klang des Funklautsprechers. Das sind die Dinge, die in einem Film ohne Außenwelt die Arbeit machen. Ein Tropfen. Ein kaputter Lautsprecher. Solche Details bauen Druck auf, lange bevor etwas geschieht, und sie sind handgemacht. Über 80.000 Gallonen Kunstblut hat die Produktion nach eigenen Angaben verbraucht, mehr als „Evil Dead“ 2013. Die Zahl ist Trivia. Wichtig ist, dass das Blut Gewicht hat.
Das erinnert in seinen besten Momenten an die Enge von Alien, nur ohne Crew. Und ohne dass jemand erklärt, was draußen ist.
Wo es zu viel wird
Langsamkeit verzeihe ich. Wiederholung nicht ganz. Der filmdienst sieht „ein fehlendes Gespür für Dramaturgie, monotone Dunkelheit und Überlänge“, und bei der Länge hat er recht. Auch Heuck hält den Film für 15 bis 20 Minuten zu lang. Irgendwann kennt man jede Wand dieses Raums, und dann fehlt eine zweite Stufe.
Die zweite Schwachstelle ist Fischbach als Schauspieler. Abrams beschreibt sein Spiel als hektisch und stellenweise störend monoton. Panik hat bei ihm zu wenige Abstufungen. Als Regisseur dagegen hat er ein Auge für Kadrierung und dafür, wie Bilder ineinander übergehen, das sagt auch Abrams. Dass einer den Film selbst finanziert, geschrieben, inszeniert und gespielt hat, ist die Geschichte, über die alle reden. Mich interessiert das weniger als der Raum, den er gebaut hat.
Wer mitspielt
- Mark Fischbach als Sträfling Simon
- Caroline Kaplan als Ava
- Troy Baker als David
- Seán McLoughlin als Jack
Regie, Drehbuch und Hauptrolle: Mark Fischbach, auf YouTube bekannt als Markiplier. Die Vorlage ist das Indie-Horrorspiel „Iron Lung“ von David Szymanski.
Wie die Kritik „Iron Lung“ sieht
Gespalten, mit deutlichem Abstand zum Publikum. Bei Rotten Tomatoes sind 59 Prozent von 49 Kritiken positiv, das Publikum liegt bei 86 Prozent. Metacritic kommt auf 54 von 100 aus 9 Kritiken, die Spanne reicht von 80 bei Film Threat bis 40 beim Guardian und bei IGN. Der filmdienst urteilt deutlich negativ. Meine 6,8 liegen über diesem Feld, und das ist ein Ausreißer mit Grund: Wer im Horror Ereignisse zählt, findet hier wenig. Ich schaue darauf, was ein Film mit Stille, Enge und Geräusch macht, und davon hat „Iron Lung“ mehr als viele lautere Genrefilme. Stand der Werte: 30. September 2026.
Bewertung
Bisherige EinschätzungArchivwertung: Quellenbasis und Gewichtung noch nicht nach dem neuen Verfahren geprüft. Quellen & Einordnung
Dafür
- Die Außenwelt bleibt unsichtbar und wird dadurch bedrohlicher
- Handgemachte Details wie Kondenswasser und übersteuerter Funk
- Mutiges Ein-Raum-Konzept
Dagegen
- Mindestens 15 Minuten zu lang
- Fischbachs Spiel bleibt eintönig
- Zieht sich zum Ende hin, statt sich zu steigern
Was keinen Umriss hat, wächst. Iron Lung hat das verstanden.Aus der Wertung von WatchGuide-Redaktion
Besetzung
5 Rollen- The ConvictMark Fischbach
- Caroline Kaplan
- Troy Baker
- Elsie Lovelock
- Elle LaMont


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