„Power Ballad – Der Song meines Lebens“ bekommt von mir 6,8 von 10. Paul Rudd spielt den Hochzeitssänger Rick in den leisen Momenten so genau, dass man ihm den Kampf um seinen Song abnimmt, und John Carney weiß weiterhin, wie man Musik als Handlung erzählt. Aber das Drehbuch braucht eine Dreiviertelstunde, bis sein Kernkonflikt überhaupt beginnt, und am Ende will es sich nicht entscheiden, was es seinem Helden eigentlich wünscht.
Seit dem 25. Juni 2026 läuft die Musikkomödie im Verleih von Leonine in den deutschen Kinos, 98 Minuten lang und ab 6 Jahren freigegeben. Wer Carneys „Once“ oder „Sing Street“ mochte und Rudd gern zusieht, bekommt einen warmen, etwas zu bequemen Film. Wer eine bissige Satire über das Musikgeschäft erwartet, eher nicht.
Quellen & Einordnung
Beitrag aus dem Archiv. Die bisherige Note und der Text sind noch nicht nach unserem seit 10. Oktober 2026 geltenden Quellenverfahren überprüft. Die Kinokreis-Stimme ist eine fiktive Figur; ihre Ich-Formulierungen belegen keine persönliche Filmsichtung. Die bisherige Note bleibt bis zur Einzelprüfung als Archivwertung erkennbar.
Trailer
Unsere Einordnung
von WatchGuide-RedaktionDer Konflikt kommt spät
Fangen wir mit dem Aufbau an, denn daran hängt fast alles. Rick Power steht mit seiner Mietband The Bride And The Groove auf Hochzeiten, und die Nachricht, dass Popstar Danny Wilson Gast auf einer dieser Hochzeiten sein soll, bringt die beiden Männer zusammen. Aus einer nächtlichen Session der beiden wird später Dannys Comeback-Hit, und zwar mit Ricks Song. Das ist die Prämisse, mit der der Film beworben wird, und sie ist gut.
Nur dauert es, bis sie greift. Michael Bendix schreibt bei Filmstarts von einer „ziemlich zähen ersten Dreiviertelstunde mit Bandauftritten und Songwriting-Montagen“. Ganz so hart sehe ich es nicht, die Bandszenen haben Witz, und Carney nimmt sich Zeit, damit wir Ricks Stolz verstehen, bevor er gekränkt wird. Aber strukturell ist das ein Film, dessen zweiter Akt dort beginnt, wo andere schon in der Mitte sind. Für eine Komödie ist das zu spät.
Rudd spielt die Zwischentöne
Was den Film trägt, ist Paul Rudd, und zwar nicht in den Auftritten, sondern davor und danach. Rick kann nicht beweisen, dass er den Song geschrieben hat, es gibt keine Aufnahme. Weder seine Frau Rachel, gespielt von Marcella Plunkett, noch seine Tochter glauben ihm so recht. Rudd spielt diesen Mann nicht als Opfer, sondern als jemanden, der merkt, dass er sich lächerlich macht, und trotzdem weitermacht. Diese Entscheidung ist verdient, weil der Film sie vorbereitet hat.
Michael Kienzl beschreibt beim Filmdienst, dass der Film das Dilemma seiner Figuren „mit präzisen Zwischentönen“ vermittelt. Das trifft es. Carney war selbst einmal Bassist bei The Frames, und man sieht, dass er weiß, wie sich ein Musiker fühlt, dessen große Zeit nicht gekommen ist.
Nick Jonas muss zu viel tragen
Nick Jonas als Danny Wilson ist das naheliegende Casting: ein ehemaliger Boyband-Star spielt einen ehemaligen Boyband-Star. Das funktioniert in den Szenen, in denen Danny spürt, dass er etwas genommen hat, das ihm nicht gehört. Die stärkste Szene des Films ist für mich die, in der Danny den Song zu Hause spielt und seine Freundin Marcia, gespielt von Havana Rose Liu, zu Tränen gerührt ist. Da stellt der Film kurz die Frage, ob Echtheit überhaupt hörbar ist.
Leider bleibt es bei dieser Frage. Bendix sagt bei Filmstarts, Dannys Figur müsse „zu viel Agenda schultern“, und handwerklich ist das der Punkt. Danny ist gleichzeitig Dieb, schlechtes Gewissen und Beispiel für eine Industrie, in der Manager Mac, gespielt von Jack Reynor, und die Plattenfirma entscheiden. Eine Figur mit drei Funktionen hat selten Platz für eine eigene Entscheidung.
Das Ende weiß nicht, was es will
Ohne zu viel zu verraten: Der Schluss sagt, echter Reichtum sei, authentisch zu bleiben und von der Familie geliebt zu werden, und zeigt gleichzeitig, dass Geld auch ganz angenehm ist. Bendix nennt das „süßlich und etwas unentschlossen“, André Pitz wirft Carney bei kino-zeit.de vor, dass sich die Spannung am Ende in Genügsamkeit auflöst. Ich sehe das ähnlich. Das Drehbuch hat tragende Wände, aber im letzten Stockwerk fehlt die Entscheidung.
Und dann ist da der Song selbst. Ein Film, der einen Welthit behauptet, muss ihn hörbar machen. Bendix hält das Stück für „austauschbar“ und für unwahrscheinlich als globales Phänomen. So weit gehe ich nicht, er funktioniert als Powerballade. Aber man versteht nicht ganz, warum ausgerechnet dieses Lied die Welt erobert.
Zwischen deutscher und internationaler Kritik
Die internationale Kritik ist deutlich freundlicher als die deutsche. Bei Rotten Tomatoes sind 88 Prozent von 192 Kritiken positiv, das Publikum liegt bei 84 Prozent, Metacritic kommt auf 67 von 100. Filmstarts vergibt dagegen nur 1,5 von 5 Sternen. Stand der Werte: 30. September 2026.
Meine 6,8 liegen dazwischen, und ich kann beide Seiten nachvollziehen. Wer vor allem auf Carneys Haltung zur Popmusik schaut, findet sie altmodisch. Wer auf Rudds Spiel und die Figurenführung in den ruhigen Szenen achtet, bekommt einen ordentlich gebauten Film mit einem schwachen Anfang und einem unentschlossenen Ende. Unsere WatchGuide-Empfehlung für „Power Ballad“: für Carney- und Rudd-Fans ein guter Kinoabend, für alle anderen eher etwas für den späteren Streaming-Abend.
Wer danach mehr über Menschen sehen will, die sich an Songs festhalten, findet bei uns Song Sung Blue. Weitere Titel stehen in unserer Rubrik Musikfilme.
Wer in „Power Ballad“ mitspielt
- Paul Rudd als Rick Power
- Nick Jonas als Danny Wilson
- Marcella Plunkett als Rachel
- Jack Reynor als Mac
- Havana Rose Liu als Marcia
- Peter McDonald als Sandy
Peter McDonald hat mit Carney auch das Drehbuch geschrieben.
Bewertung
Bisherige EinschätzungArchivwertung: Quellenbasis und Gewichtung noch nicht nach dem neuen Verfahren geprüft. Quellen & Einordnung
Dafür
- Paul Rudd spielt Rick in den leisen Momenten, nicht in den Auftritten
- Carney erzählt Musik als Handlung, nicht als Dekoration
- Die Szene, in der Danny den Song zu Hause für Marcia spielt, stellt die richtige Frage
- Die Frage nach der Urheberschaft ist klar und sofort verständlich
Dagegen
- Der Kernkonflikt beginnt erst nach rund 45 Minuten
- Dannys Figur muss Dieb, Gewissen und Industriebeispiel zugleich sein
- Das Ende ist süßlich und unentschlossen
- Der zentrale Song klingt nicht zwingend nach Welthit
Das Drehbuch hat tragende Wände. Im letzten Stockwerk fehlt die Entscheidung.Aus der Wertung von WatchGuide-Redaktion
Wer streamt Power Ballad - Der Song meines Lebens?
Verfügbarkeit DEStand 23.10.2026: Power Ballad - Der Song meines Lebens ist derzeit in keinem Streaming-Abo enthalten, lässt sich aber ab 5,99 € leihen oder kaufen (z. B. bei Apple TV+).
Stand 23.10.2026 · Streaming-Daten: JustWatch (via TMDB), Movie of the Night · ohne Gewähr
Besetzung
5 Rollen- Rick PowerPaul Rudd
- Danny WilsonNick Jonas
- SandyPeter McDonald
- RachelMarcella Plunkett
- BinzerRory Keenan


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