Die Kritik
von FilmSchneider„Ballad of a Small Player“ bekommt im WatchGuide-Kinokreis von mir 5,0 von 10. Colin Farrell spielt einen falschen Lord, der sich in den Casinos von Macau um Kopf und Kragen spielt, und er spielt ihn so körperlich, dass jede Runde am Baccarat-Tisch wie ein Entzug aussieht. Edward Berger aber inszeniert jede Szene in derselben Lautstärke, und als der Film am Ende leise werden will, hört man ihm nicht mehr richtig zu.
Die Netflix-Produktion lief in Deutschland ab dem 16. Oktober 2025 in ausgewählten Kinos, seit dem 29. Oktober 2025 steht sie bei Netflix. Freigegeben ab 12 Jahren, 102 Minuten. Wer Farrell in Bestform sehen will, bekommt ihn. Wer nach „Im Westen nichts Neues“ und „Konklave“ den nächsten großen Berger erwartet, wird enttäuscht.
Ein Mann, der nicht aufhören kann
Lord Doyle ist kein Lord. Der Mann hat in Großbritannien Geld veruntreut, sich nach Macau abgesetzt und spielt dort unter falschem Titel Baccarat, während seine Hotelschulden wachsen. Die Privatermittlerin Cynthia Blithe (Tilda Swinton) spürt ihn auf und setzt ihm eine knappe Frist, das Geld zurückzuzahlen. Die Kreditvermittlerin Dao Ming (Fala Chen) bietet an, in sein Spiel einzusteigen, und für eine Weile scheint sich das Glück zu drehen.
Vorlage ist der Roman von Lawrence Osborne aus dem Jahr 2014, das Drehbuch schrieb Rowan Joffe. Die Anlage ist stark, weil sie keine Gaunerkomödie sein will, in der sich alle geschickt übers Ohr hauen. Christoph Petersen denkt in seiner Filmstarts-Kritik eher an Suchtfilme wie „Trainspotting“ als an einen Casino-Thriller. Das ist der richtige Schlüssel: Doyle will nicht gewinnen, er will weiterspielen.
Farrell trägt den Film
Farrell ist der Grund, diesen Film anzusehen. Seine Figur achtet auf den korrekten Sitz der Seidenkrawatte und schwitzt trotzdem, bevor die erste Karte liegt. Er spielt einen Süchtigen, der sich für einen Gentleman hält, und das erzählen Gesicht und Körper, ohne dass jemand es aussprechen muss. Genau diese Art Spiel suche ich in einem Drama, und hier bekomme ich sie.
Fala Chen spielt Dao Ming mit einer Schwermut, die erst gegen Ende ihren Sinn bekommt und dem Film eine zweite Ebene gibt. Mehr verrate ich nicht. Tilda Swinton dagegen wirkt mit ihrer Perücke und ihren Manierismen wie aus einem anderen Film. Filmstarts denkt dabei an Wes Anderson, und der Vergleich liegt nahe.
Alles in derselben Lautstärke
Mein Problem liegt in der Inszenierung. Berger arbeitet wieder mit Kameramann James Friend und Komponist Volker Bertelmann, die beide für Im Westen nichts Neues einen Oscar gewonnen haben. Zusammen liefern sie Überwältigung am laufenden Band, Licht, Glitzer und Blinken, darüber ein Score, der kaum Pause macht. Eine Szene, die ihren Punkt gemacht hat, wird bei Berger nicht beendet, sondern noch einmal lauter gedreht.
Man kann das als Absicht lesen: Ein Casino hält seine Gäste genau so fest. Petersen spricht bei Filmstarts von hochglänzenden Oberflächenreizen, auf die der Film von Beginn an setzt. Nur verliert der Film dabei seinen Zuschauer. Als Berger zum Schluss unter die glänzende Oberfläche will, ist man so übersättigt, dass die Wendung kaum trifft. Nach Konklave, der seine Spannung aus Zurückhaltung gewonnen hat, ist das für mich ein Rückschritt.
Wie die Kritik „Ballad of a Small Player“ sieht
Überwiegend skeptisch. Bei Rotten Tomatoes sind 49 Prozent von 150 Kritiken positiv, das Publikum liegt bei 50 Prozent. Metacritic kommt auf 46 von 100 aus 29 Kritiken. Filmstarts vergibt 2 von 5 Sternen. Der Konsens bei Rotten Tomatoes lobt Farrell und das opulente Macau und bemängelt, dass der Film seine Stärken im Exzess verspielt. Meine 5,0 liegen leicht über dem Schnitt, und das liegt allein an Farrell. Stand der Werte: 1. Oktober 2026.
Wer mitspielt
- Colin Farrell als Lord Doyle
- Fala Chen als Dao Ming
- Tilda Swinton als Cynthia Blithe
- Deanie Ip als „Grandma“
- Alex Jennings als Adrian Lippett
- Jason Tobin als Mr. Huang
Regie: Edward Berger. Drehbuch: Rowan Joffe nach dem Roman von Lawrence Osborne. Kamera: James Friend. Musik: Volker Bertelmann.
Bewertung
Watcher-Score · redaktionelle EinzelwertungDafür
- Colin Farrell in einer starken, sehr körperlichen Rolle
- Fala Chen als Dao Ming
- Macau als opulente Kulisse
Dagegen
- Jede Szene in derselben Lautstärke
- Musik fast ohne Pause
- Die Wendung am Ende verpufft
Doyle will nicht gewinnen, er will weiterspielen. Berger inszeniert, als wollte er das auch.Aus der Wertung von FilmSchneider
Wer streamt Ballad of a Small Player?
Verfügbarkeit DEStand 17.07.2026: Ballad of a Small Player läuft im Abo bei Netflix, mit deutscher Synchronfassung.
Stand 17.07.2026 · Streaming-Daten: JustWatch (via TMDB), Movie of the Night · ohne Gewähr
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