Poster zum Film Mother Mary: David Lowerys dunkelster A24-Film wurde in Köln gedreht

Mother Mary: David Lowerys dunkelster A24-Film wurde in Köln gedreht (2026)

Film · Musik, Thriller · 2026 · 112 Min.

Von , aktualisiert am 30. September 20265 Minuten LesezeitSo arbeiten wir

Mother Mary ist der Film, den viele Kritiken zu vage finden, und genau diese Vagheit hat mich gehalten. Anne Hathaway tanzt in einer Szene ohne hörbare Musik, und in dieser Stille kippt eine Choreografie in etwas, das wie Besessenheit aussieht. Dafür verzeihe ich David Lowery manche gestelzte Zeile. Meine WatchGuide-Wertung: 7,4 von 10, deutlich über dem Schnitt der Kritik.

Seit dem 21. Mai 2026 im Kino, Verleih Leonine, 112 Minuten, FSK 12. Buch und Regie David Lowery, produziert von A24 zusammen mit der Kölner augenschein Filmproduktion. Gedreht wurde in Köln, Bonn und auf Burg Adendorf in Wachtberg, die Deutschlandpremiere lief am 5. Mai in Köln. Für mich ist das ein Film aus der eigenen Stadt.

Quellen & Einordnung

Beitrag aus dem Archiv. Die bisherige Note und der Text sind noch nicht nach unserem seit 10. Oktober 2026 geltenden Quellenverfahren überprüft. Die Kinokreis-Stimme ist eine fiktive Figur; ihre Ich-Formulierungen belegen keine persönliche Filmsichtung. Die bisherige Note bleibt bis zur Einzelprüfung als Archivwertung erkennbar.

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von WatchGuide-Redaktion
1

Worum es geht

Mother Mary (Anne Hathaway) ist ein Popstar, auf der Bühne glamourös, dahinter erschöpft und allein. Für ihr Comeback sucht sie Sam Anselm (Michaela Coel) auf, die Modedesignerin, die ihren Stil einst geprägt hat und mit der sie seit Jahren nicht mehr spricht. Sam soll das Kostüm für den großen Auftritt entwerfen. Während das Kleid entsteht, kommen die alten Wunden wieder hoch. Hunter Schafer, Sian Clifford, FKA twigs, Jessica Brown Findlay und Kaia Gerber spielen in Nebenrollen.

2

Der Tanz ohne Musik

Ein Film über eine Sängerin, und seine stärkste Szene ist die, in der man nichts hört. Mary tanzt allein, ohne Musik. Mir wurde dabei kalt. Nicht, weil etwas passiert, sondern weil man zu lange hinschauen muss und nicht weiß, ob diese Frau gerade übt oder etwas in ihr übernimmt. Andreas Köhnemann beschreibt die Szene bei kino-zeit als Pendel zwischen experimenteller Choreografie und dämonischer Besessenheit, Michael Bendix nennt sie bei Filmstarts Hathaways physisch intensivsten Moment. Beide beschreiben dieselbe Minute, und es ist die Minute, wegen der ich diesen Film weiterempfehle.

Lowery hat mit A Ghost Story schon gezeigt, dass er Zeit dehnen kann, bis sie unheimlich wird. Hier macht er das mit einem Körper statt mit einem Laken.

3

Licht, Räume und ein Kleid

Die Räume, in denen Mary und Sam sich wiederbegegnen, sind dunkel und weitläufig, Köhnemann beschreibt sie als höhlenartig mit gotischem Einschlag. Man sieht nie ganz, was in den Ecken ist. Das ist kein Horrorfilm, aber er benutzt die Mittel eines Horrorfilms, und er benutzt sie richtig: Das Unbehagen entsteht aus dem, was nicht ausgesprochen wird. Die Konzertszenen dagegen sind groß, Lowery nutzt das Breitbild, und Filmstarts sieht dort zu Recht den sichtbaren Aufwand. Die Songs stammen von Jack Antonoff, Charli xcx und FKA twigs, den Score schrieb Daniel Hart, der schon A Ghost Story vertont hat.

Michaela Coel spielt Sam kontrolliert, fast abweisend, und gerade dadurch entsteht die Spannung. Hathaway ist verletzlich, manchmal verloren, und sie singt ihre Lieder selbst. Man nimmt ihr den Star ab.

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Wo es mich verliert

Die Dialoge. Die beiden Frauen sprechen oft in Metaphern und Andeutungen, und irgendwann hört man den Satz statt der Figur. Das Magazin queer.de weist trocken darauf hin, dass Mary selbst im Film sagt, diese Metaphern seien anstrengend. Stimmt. Dort steht auch, dass die Spannung zwischen Mary und Sam angedeutet, aber nie ausgespielt wird. Den Vorwurf teile ich zur Hälfte: Mir reicht die Andeutung, anderen wird sie zu wenig sein.

Zur Mitte hin wird der Film deutlicher, als ihm guttut. Bendix spricht vom Kippen ins übermäßig Offensichtliche, und die langen Innenaufnahmen wirken in ihrem digitalen Grau manchmal eher müde als bedrückend. Da verliert der Film ein paar Minuten, die er vorher so sorgfältig aufgebaut hat.

5

Was die Kritik sagt, und warum ich höher lande

Rotten Tomatoes zählt 69 Prozent positive Stimmen aus 205 Kritiken, der Konsens lobt Hathaway als glaubwürdigen Popstar in einem stilvollen, aber manchmal frustrierend verschlossenen Psychodrama. Metacritic weist 58 von 100 bei 37 Kritiken aus. Filmstarts vergibt drei von fünf Sternen, der filmdienst lobt bildgewaltige und atmosphärische Momente, findet die bedeutungsschwangere Geheimniskrämerei aber auf Dauer zermürbend. Kino-zeit ist begeistert, queer.de enttäuscht.

Meine 7,4 liegt klar darüber, und das ist bewusst so. Was die meisten stört, dass Lowery zu wenig erklärt und zu viel im Ungefähren lässt, ist für mich die Qualität dieses Films. Ich brauche keine Auflösung, wenn eine Einstellung so lange hält, bis sie mir unter die Haut geht. Wer das anders sieht, sollte eher zur Durchschnittsnote greifen.

6

Für wen sich Mother Mary lohnt

Für alle, die A Ghost Story oder The Green Knight mochten und Geduld mitbringen. Für alle, die bei einem Film über Popmusik eher auf Stille achten als auf die Hits. Nicht für alle, die ein Musikerdrama mit klarer Geschichte erwarten oder einen richtigen Horrorfilm. Wer mehr von dieser Art Unbehagen sucht, findet es in Hereditary oder in unserer Psychothriller-Übersicht.

Bewertung

Bisherige Einschätzung

Archivwertung: Quellenbasis und Gewichtung noch nicht nach dem neuen Verfahren geprüft. Quellen & Einordnung

Story6,0
Schauspiel8,5
Effekte8,0
Ton8,0

Dafür

  • Hathaways Tanz ohne hörbare Musik, zwischen Choreografie und Besessenheit
  • Michaela Coel spielt Sam kontrolliert und abweisend, daraus entsteht die Spannung
  • Dunkle, höhlenartige Räume, in denen man nie alles sieht
  • Hathaway singt selbst und ist als Popstar glaubwürdig
  • Lowery lässt vieles offen, statt es zu erklären

Dagegen

  • Die Dialoge verlieren sich in Metaphern und Andeutungen
  • Zur Mitte hin wird der Film zu deutlich
  • Die langen Innenaufnahmen wirken manchmal eher müde als bedrückend
  • Die Spannung zwischen Mary und Sam wird nur angedeutet
Ein Film über eine Sängerin, und seine stärkste Szene ist die, in der man nichts hört.Aus der Wertung von WatchGuide-Redaktion
7,4 von mir, mehr als bei den meisten. Anne Hathaways Tanz ohne Musik ist eine der unheimlichsten Minuten dieses Kinojahres, und Michaela Coel hält mit kontrollierter Kälte dagegen. Lowery erklärt wenig und lässt vieles im Dunkel, genau das hat mich gehalten. Die Dialoge in Metaphern und eine zu deutliche zweite Hälfte kosten Punkte. Für alle, die A Ghost Story mochten und Geduld mitbringen, für Freunde klarer Geschichten eher nicht.

Wer streamt Mother Mary?

Verfügbarkeit DE

Stand 17.10.2026: Mother Mary ist derzeit in keinem Streaming-Abo enthalten, lässt sich aber ab 4,99 € leihen oder kaufen (z. B. bei Apple TV+).

Stand 17.10.2026 · Streaming-Daten: JustWatch (via TMDB), Movie of the Night · ohne Gewähr

Besetzung

5 Rollen
  • Mother MaryAnne Hathaway
  • Sam AnselmMichaela Coel
  • HildaHunter Schafer
  • EmilyAtheena Frizzell
  • NikkiKaia Gerber

FAQ zu Mother Mary: David Lowerys dunkelster A24-Film wurde in Köln gedreht

Ist Mother Mary ein Horrorfilm?
Nicht im klassischen Sinn. Es gibt keine Monster und kaum Schreckmomente. Mother Mary ist ein Psychodrama mit Pop-Musik und okkulten Untertönen, das seine Spannung aus Stille und Andeutung bezieht.
Singt Anne Hathaway selbst?
Ja. Hathaway singt die Lieder von Mother Mary selbst, geschrieben haben sie Jack Antonoff, Charli xcx und FKA twigs.
Wurde Mother Mary in Deutschland gedreht?
Ja, in Nordrhein-Westfalen, unter anderem in Köln, Bonn und auf Burg Adendorf in Wachtberg. Die Kölner augenschein Filmproduktion hat mitproduziert, die Film- und Medienstiftung NRW hat gefördert.

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