Mother Mary ist der Film, den viele Kritiken zu vage finden, und genau diese Vagheit hat mich gehalten. Anne Hathaway tanzt in einer Szene ohne hörbare Musik, und in dieser Stille kippt eine Choreografie in etwas, das wie Besessenheit aussieht. Dafür verzeihe ich David Lowery manche gestelzte Zeile. Meine WatchGuide-Wertung: 7,4 von 10, deutlich über dem Schnitt der Kritik.
Seit dem 21. Mai 2026 im Kino, Verleih Leonine, 112 Minuten, FSK 12. Buch und Regie David Lowery, produziert von A24 zusammen mit der Kölner augenschein Filmproduktion. Gedreht wurde in Köln, Bonn und auf Burg Adendorf in Wachtberg, die Deutschlandpremiere lief am 5. Mai in Köln. Für mich ist das ein Film aus der eigenen Stadt.
Quellen & Einordnung
Beitrag aus dem Archiv. Die bisherige Note und der Text sind noch nicht nach unserem seit 10. Oktober 2026 geltenden Quellenverfahren überprüft. Die Kinokreis-Stimme ist eine fiktive Figur; ihre Ich-Formulierungen belegen keine persönliche Filmsichtung. Die bisherige Note bleibt bis zur Einzelprüfung als Archivwertung erkennbar.
Trailer
Unsere Einordnung
von WatchGuide-RedaktionWorum es geht
Mother Mary (Anne Hathaway) ist ein Popstar, auf der Bühne glamourös, dahinter erschöpft und allein. Für ihr Comeback sucht sie Sam Anselm (Michaela Coel) auf, die Modedesignerin, die ihren Stil einst geprägt hat und mit der sie seit Jahren nicht mehr spricht. Sam soll das Kostüm für den großen Auftritt entwerfen. Während das Kleid entsteht, kommen die alten Wunden wieder hoch. Hunter Schafer, Sian Clifford, FKA twigs, Jessica Brown Findlay und Kaia Gerber spielen in Nebenrollen.
Der Tanz ohne Musik
Ein Film über eine Sängerin, und seine stärkste Szene ist die, in der man nichts hört. Mary tanzt allein, ohne Musik. Mir wurde dabei kalt. Nicht, weil etwas passiert, sondern weil man zu lange hinschauen muss und nicht weiß, ob diese Frau gerade übt oder etwas in ihr übernimmt. Andreas Köhnemann beschreibt die Szene bei kino-zeit als Pendel zwischen experimenteller Choreografie und dämonischer Besessenheit, Michael Bendix nennt sie bei Filmstarts Hathaways physisch intensivsten Moment. Beide beschreiben dieselbe Minute, und es ist die Minute, wegen der ich diesen Film weiterempfehle.
Lowery hat mit A Ghost Story schon gezeigt, dass er Zeit dehnen kann, bis sie unheimlich wird. Hier macht er das mit einem Körper statt mit einem Laken.
Licht, Räume und ein Kleid
Die Räume, in denen Mary und Sam sich wiederbegegnen, sind dunkel und weitläufig, Köhnemann beschreibt sie als höhlenartig mit gotischem Einschlag. Man sieht nie ganz, was in den Ecken ist. Das ist kein Horrorfilm, aber er benutzt die Mittel eines Horrorfilms, und er benutzt sie richtig: Das Unbehagen entsteht aus dem, was nicht ausgesprochen wird. Die Konzertszenen dagegen sind groß, Lowery nutzt das Breitbild, und Filmstarts sieht dort zu Recht den sichtbaren Aufwand. Die Songs stammen von Jack Antonoff, Charli xcx und FKA twigs, den Score schrieb Daniel Hart, der schon A Ghost Story vertont hat.
Michaela Coel spielt Sam kontrolliert, fast abweisend, und gerade dadurch entsteht die Spannung. Hathaway ist verletzlich, manchmal verloren, und sie singt ihre Lieder selbst. Man nimmt ihr den Star ab.
Wo es mich verliert
Die Dialoge. Die beiden Frauen sprechen oft in Metaphern und Andeutungen, und irgendwann hört man den Satz statt der Figur. Das Magazin queer.de weist trocken darauf hin, dass Mary selbst im Film sagt, diese Metaphern seien anstrengend. Stimmt. Dort steht auch, dass die Spannung zwischen Mary und Sam angedeutet, aber nie ausgespielt wird. Den Vorwurf teile ich zur Hälfte: Mir reicht die Andeutung, anderen wird sie zu wenig sein.
Zur Mitte hin wird der Film deutlicher, als ihm guttut. Bendix spricht vom Kippen ins übermäßig Offensichtliche, und die langen Innenaufnahmen wirken in ihrem digitalen Grau manchmal eher müde als bedrückend. Da verliert der Film ein paar Minuten, die er vorher so sorgfältig aufgebaut hat.
Was die Kritik sagt, und warum ich höher lande
Rotten Tomatoes zählt 69 Prozent positive Stimmen aus 205 Kritiken, der Konsens lobt Hathaway als glaubwürdigen Popstar in einem stilvollen, aber manchmal frustrierend verschlossenen Psychodrama. Metacritic weist 58 von 100 bei 37 Kritiken aus. Filmstarts vergibt drei von fünf Sternen, der filmdienst lobt bildgewaltige und atmosphärische Momente, findet die bedeutungsschwangere Geheimniskrämerei aber auf Dauer zermürbend. Kino-zeit ist begeistert, queer.de enttäuscht.
Meine 7,4 liegt klar darüber, und das ist bewusst so. Was die meisten stört, dass Lowery zu wenig erklärt und zu viel im Ungefähren lässt, ist für mich die Qualität dieses Films. Ich brauche keine Auflösung, wenn eine Einstellung so lange hält, bis sie mir unter die Haut geht. Wer das anders sieht, sollte eher zur Durchschnittsnote greifen.
Für wen sich Mother Mary lohnt
Für alle, die A Ghost Story oder The Green Knight mochten und Geduld mitbringen. Für alle, die bei einem Film über Popmusik eher auf Stille achten als auf die Hits. Nicht für alle, die ein Musikerdrama mit klarer Geschichte erwarten oder einen richtigen Horrorfilm. Wer mehr von dieser Art Unbehagen sucht, findet es in Hereditary oder in unserer Psychothriller-Übersicht.
Bewertung
Bisherige EinschätzungArchivwertung: Quellenbasis und Gewichtung noch nicht nach dem neuen Verfahren geprüft. Quellen & Einordnung
Dafür
- Hathaways Tanz ohne hörbare Musik, zwischen Choreografie und Besessenheit
- Michaela Coel spielt Sam kontrolliert und abweisend, daraus entsteht die Spannung
- Dunkle, höhlenartige Räume, in denen man nie alles sieht
- Hathaway singt selbst und ist als Popstar glaubwürdig
- Lowery lässt vieles offen, statt es zu erklären
Dagegen
- Die Dialoge verlieren sich in Metaphern und Andeutungen
- Zur Mitte hin wird der Film zu deutlich
- Die langen Innenaufnahmen wirken manchmal eher müde als bedrückend
- Die Spannung zwischen Mary und Sam wird nur angedeutet
Ein Film über eine Sängerin, und seine stärkste Szene ist die, in der man nichts hört.Aus der Wertung von WatchGuide-Redaktion
Wer streamt Mother Mary?
Verfügbarkeit DEStand 17.10.2026: Mother Mary ist derzeit in keinem Streaming-Abo enthalten, lässt sich aber ab 4,99 € leihen oder kaufen (z. B. bei Apple TV+).
Stand 17.10.2026 · Streaming-Daten: JustWatch (via TMDB), Movie of the Night · ohne Gewähr
Besetzung
5 Rollen- Mother MaryAnne Hathaway
- Sam AnselmMichaela Coel
- HildaHunter Schafer
- EmilyAtheena Frizzell
- NikkiKaia Gerber


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