Die Kritik
von FilmSchneiderBullitt von Peter Yates kam 1968 ins Kino, und die zehn Minuten Verfolgungsjagd durch San Francisco haben den Actionfilm für immer verändert.
Steve McQueen als Lieutenant Frank Bullitt, ein Cop der kaum redet, noch weniger erklärt und einen Ford Mustang GT 390 fährt, als wäre die Straße sein Eigentum. 5,5 Millionen Dollar Budget, ein Oscar für den Schnitt und eine Sequenz, die seit 57 Jahren in jedem Filmstudium der Welt gezeigt wird. 7.5 von mir. Der Film hat Stellen, die langsam sind. Aber wenn er fährt, fährt er.
McQueen fährt. Und sagt dabei kein Wort.
Es gibt einen Moment in der Verfolgungsjagd, ungefähr bei Minute drei, als der Ford Mustang über eine der Hügel von San Francisco springt und für eine Sekunde alle vier Räder in der Luft sind. Keine Musik. Kein Dialog. Nur der Motor, die Reifen, das Schlagen der Federung. Steve McQueen hat große Teile dieser Szenen selbst gefahren. Er war Hobby-Rennfahrer, hat an echten Rennen teilgenommen, und Peter Yates wusste das. Also ließ er ihn fahren.
Die Szene dauert fast zehn Minuten. Mustang gegen Dodge Charger, durch die Straßen von San Francisco, über die Hügel, an der Bay entlang, raus auf die Landstraße. Bill Hickman fuhr den Charger – ein Stuntfahrer, der später auch in French Connection den Wagen lenkte. Zwei Männer, zwei Autos, null CGI. Rotten Tomatoes gibt dem Film 98% bei den Kritikern. 98 Prozent. Für einen Thriller von 1968 ist das ein Wert, den man erstmal sacken lassen muss.
Mein Vater und der Mustang
Werner Schneider hatte eine VHS-Kopie von Bullitt, irgendwo zwischen „Bonnie und Clyde“ und „Chinatown“ einsortiert. Ich hab den Film zum ersten Mal mit vierzehn gesehen, und ehrlich gesagt hat er mich gelangweilt. Zu viele Szenen, in denen nichts passiert. McQueen geht durch Flure, kauft Lebensmittel ein, steht an einem Krankenhausbett. Mein Vater meinte: „Warte auf die Verfolgungsjagd.“ Ich hab gewartet. Und dann verstand ich.
Was ich damals nicht verstand und erst Jahre später begriffen habe: Die langsamen Szenen sind der Punkt. Bullitt funktioniert, weil der Film sich Zeit nimmt. Die Stille macht den Lärm lauter. Wenn McQueen durch die Straßen fährt, ist das deshalb so wuchtig, weil davor zwanzig Minuten lang fast nichts passiert ist. Das Drehbuch ist minimalistisch – Bullitt spricht vielleicht 200 Wörter im ganzen Film – und genau das macht ihn anders als alles, was damals im Kino lief.
Peter Yates. Kennt kaum jemand. Sollte man aber.
Peter Yates war Brite. Ein britischer Regisseur, der einen amerikanischen Cop-Thriller in San Francisco gedreht hat, und das Ergebnis ist einer der amerikanischsten Filme der 60er Jahre. Yates kam von einem kleinen Actionfilm namens „Robbery“ in London, den McQueen sah und mochte. McQueen holte ihn nach Hollywood. So einfach war das.
Was Yates mitbrachte, war ein Blick von außen. Europäisches Kino-Verständnis: lange Einstellungen, wenig Schnitt, Vertrauen in die Bilder statt in den Dialog. Frank P. Keller hat für den Schnitt des Films den Oscar bekommen, und das zu Recht – aber Kellers größte Leistung war das, was er NICHT geschnitten hat. Die Verfolgungsjagd lebt davon, dass man drin bleibt. Kein hektisches Hin und Her, kein Zusammenstückeln aus hundert Winkeln. Man sitzt im Auto. Man fährt mit.
McQueen und das Problem mit dem Charisma
Steve McQueen war kein großer Schauspieler im klassischen Sinne. Er konnte keine Shakespeare-Monologe, er konnte keine Verwandlung wie Dustin Hoffman oder Robert De Niro. Was er konnte: in einem Raum stehen und der Mittelpunkt sein, ohne einen Ton zu sagen. Das ist eine Fähigkeit, die man nicht lernen kann. Entweder man hat sie oder nicht.
In Bullitt funktioniert das perfekt, weil die Rolle genau das verlangt. Frank Bullitt ist ein Cop, der seinen Job macht, sich nicht erklären will und von Robert Vaughns Senator Chalmers bedrängt wird, politische Spielchen mitzuspielen. McQueens Antwort auf jede Provokation ist ein Blick. Manchmal nicht mal das. Anke meinte mal, McQueen wäre „ein Kühlschrank mit Augen.“ Das ist hart, aber nicht ganz falsch. Nur dass dieser Kühlschrank eine Leinwandpräsenz hat, die 90% aller heutigen Actionstars alt aussehen lässt.
Jacqueline Bisset spielt seine Freundin Cathy und hat fast nichts zu tun. Das ist der Schwachpunkt des Films, und ich muss das sagen. Bisset ist eine gute Schauspielerin, aber das Drehbuch gibt ihr eine Funktion statt einer Rolle. Sie existiert, damit Bullitt jemanden hat, mit dem er nach Hause geht. 1968 war das normal. 2026 fällt es auf. Budget: 5,5 Millionen Dollar, Einspielergebnis 42 Millionen weltweit. IMDb gibt dem Film eine 7,4.
Was an Bullitt nicht funktioniert. Auch wenn es wehtut.
Der Plot ist ein Durcheinander. Ich sage das als jemand, der Drehbuch-Struktur mag und normalerweise nachvollziehen kann, wer warum was tut. In Bullitt ist es stellenweise unklar, warum McQueen wohin fährt, wer der echte Zeuge ist, was Chalmers eigentlich will und warum die ganze Operation so ablaufen muss. Das Drehbuch basiert auf dem Roman „Mute Witness“ von Robert L. Fish, und man merkt, dass bei der Adaption Zusammenhänge verloren gegangen sind.
Die mittleren dreißig Minuten sind langsam. Nicht die gute Art von langsam, wie die ruhigen Szenen vor der Verfolgungsjagd, sondern die Art von langsam, bei der man auf die Uhr guckt. Bullitt fährt durch die Stadt, Bullitt steht im Krankenhaus, Bullitt kauft Tiefkühlkost. Tom würde sagen: „Pacing-Issues.“ Ich sage: Der Film hat bei 113 Minuten Länge zwanzig Minuten zu viel. Butter bei die Fische – der Film lebt von einer Szene und von McQueens Gesicht. Der Rest ist solide, aber nicht mehr.
San Francisco, 1968. Die Besetzung.
- Steve McQueen als Lt. Frank Bullitt – spricht wenig, fährt viel, und jeder Blick erzählt mehr als ein Monolog. Der Mann war ein Mustang auf zwei Beinen.
- Robert Vaughn — Senator Walter Chalmers, der Gegenspieler. Vaughn spielt die Rolle mit einer Glätte, die man riechen kann.
- Jacqueline Bisset als Cathy, Bullitts Freundin. Leider hat das Drehbuch sie vergessen.
- Don Gordon als Sgt. Delgetti, Bullitts Partner. Solide, unauffällig, zuverlässig – genau wie ein guter Partner sein sollte.
- Robert Duvall — ja, der Robert Duvall – in einer winzigen Nebenrolle als Taxifahrer Weissberg. Vor Der Pate. Vor Apocalypse Now. Hier fährt er Taxi.
- Simon Oakland als Captain Bennett. Der Mann mit dem Schnurrbart und der Autorität.
Synchronstudio: Ultra-Film Synchron GmbH, Berlin
Jahr: 1968
Steve McQueen|Lt. Frank Bullitt|Klaus Kindler
Robert Vaughn|Senator Walter Chalmers|Niels Clausnitzer
Jacqueline Bisset|Cathy|Renate Küster
Don Gordon|Sgt. Delgetti|Rolf Schult
Simon Oakland|Captain Bennett|Hans-Dieter Zeidler
Robert Duvall|Weissberg|Heinz Palm
Norman Fell|Captain Baker|Werner Peters
Quelle: Synchronkartei.de
Was nach Bullitt kam. Und was ihm alles schuldet.
Ohne Bullitt kein French Connection. Ohne French Connection kein Dirty Harry. Ohne Dirty Harry keine ganze Generation von Cop-Filmen der 70er und 80er. Die Verfolgungsjagd von Bullitt hat eine Linie gezogen, die bis zu Ronin, Drive und John Wick führt – Filme, die verstanden haben, dass eine gut gemachte Actionszene Gewicht braucht, nicht nur Geschwindigkeit. Wer den analytischen Gegenpol sucht: Das Schweigen der Lämmer ist ein Thriller, der ebenfalls auf Stille setzt, nur mit Worten statt Motoren. Und Goodfellas zeigt, was Scorsese aus dem gleichen Genre gemacht hat – lauter, schneller, aber mit der gleichen Liebe zum Detail.
Bewertung
Watcher-Score · redaktionelle EinzelwertungBewertet von FilmSchneider — eine Person, ein begründetes Urteil.
Dafür
- Die beste praktische Verfolgungsjagd der Filmgeschichte
- McQueens Leinwandpräsenz
- Minimalistische Inszenierung die bis heute wirkt
Dagegen
- Plot stellenweise unübersichtlich
- Mittlerer Akt zu langsam
- Bissets Rolle ist unterentwickelt
He's still alive.— aus der Wertung von FilmSchneider
Wer streamt Bullitt?
Verfügbarkeit DEStand 01.12.2025: Bullitt läuft im Abo bei Max – mit deutscher Synchronfassung.
Verfügbarkeit Deutschland · Stand 01.12.2025 · Streaming-Daten: JustWatch (via TMDB) · Detaildaten: Movie of the Night · ohne Gewähr, keine bezahlte Kooperation.
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Wo kann ich Bullitt streamen?
Bullitt läuft aktuell im Abo bei Max; zum Leihen oder Kaufen bei Apple TV+, Amazon, Google Play, YouTube, maxdome, MagentaTV, Videoload und freenet Video. Stand September 2026, Angaben für Deutschland ohne Gewähr.
Wie lange dauert Bullitt?
Bullitt hat eine Laufzeit von rund 113 Minuten (1 Stunde und 53 Minuten).
Lohnt sich Bullitt?
Unsere Redaktion vergibt Bullitt einen Watcher-Score von 7,5 von 10. KULTKLASSIKER!
Für wen ist Bullitt geeignet?
Bullitt ist vor allem etwas für Action und Krimi-Fans und alle, die solide Genre-Unterhaltung suchen.
Worum geht es in Bullitt?
Polizei-Detective Frank Bullitt steht unter Druck. Ein Kronzeuge, der unter seiner Bewachung stand, ist niedergeschossen worden. Bei seinen Ermittlungen macht Bullitt eine brisante Entdeckung...
Trailer
Besetzung
FAQ zu Bullitt: McQueen fährt. Der Rest ist Filmgeschichte.
Hat Steve McQueen die Verfolgungsjagd selbst gefahren?
Welches Auto fährt Bullitt?
Warum hat Bullitt 98% bei Rotten Tomatoes?
Ist Bullitt ein guter Einstieg in das Genre?
Wer war Klaus Kindler, die deutsche Stimme von McQueen?
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