Die Kritik
von NordNoir„Eddington“ bekommt von mir im WatchGuide-Kinokreis 6,6 von 10. Ari Aster schickt Joaquin Phoenix als Sheriff in eine Kleinstadt in New Mexico, Mai 2020, Masken, Wahlkampf, Handyvideos. Lange ist das eher bitter komisch als unheimlich. Das Grauen, das ich von Aster kenne, kommt erst spät, dann aber mit Wucht.
Kinostart in Deutschland war der 20. November 2025 im Verleih von Leonine, knapp zweieinhalb Stunden lang, freigegeben ab 16 Jahren. Wer Satire mag, die nicht tröstet, und Geduld für einen langen Anlauf hat, sollte ihn sehen. Wer nach „Hereditary“ und „Midsommar“ wieder Horror erwartet, bekommt einen Western über eine Stadt, die sich selbst zerlegt.
Eine Stadt, ein Sheriff, ein Bürgermeister
Eddington ist ein erfundener Ort in der Wüste von New Mexico. Sheriff Joe Cross hat Asthma, will keine Maske tragen und legt sich mit Bürgermeister Ted Garcia an, der zur Wiederwahl steht. Aus dem Streit wird eine Kandidatur, aus der Kandidatur ein Krieg um Deutungshoheit. Zu Hause sitzt Joes Frau Louise, die sich von einem Online-Prediger angezogen fühlt, und ihre Mutter Dawn, die jede Verschwörungserzählung weiterreicht, die sie im Netz findet. Dann geschieht ein Mord, und die Ordnung der Stadt reißt.
Das ist kein Horrorfilm, und Aster tut auch nicht so. Er erzählt eine Satire über die Monate, in denen in den USA jeder auf einen anderen Bildschirm starrte und dort eine andere Wahrheit fand. Er ist einer der ersten großen Kinofilme, die diese Zeit nicht als Kulisse benutzen, sondern zum Thema machen.
Weite Bilder, enge Köpfe
Gedreht hat Darius Khondji, und er nutzt die Breite. Wüste, Straßen, die nirgendwo hinführen, eine Kleinstadt, die von oben harmlos aussieht. In diesen Totalen ist der Film für mich am stärksten. Die Landschaft bleibt ruhig, während die Menschen darin durchdrehen. Die Musik von Bobby Krlic und Daniel Pemberton drängt sich lange nicht vor, und das ist gut so.
Unwohl wurde mir trotzdem erst spät. Die erste Stunde besteht aus Streit, Videos, Nachrichten, Kommentaren. Jede Figur bekommt ihr Thema, Maskenpflicht, Polizeigewalt, Proteste, ein geplantes Rechenzentrum, Sekten, Fake News. Das ist genau beobachtet, aber es ist zu viel auf einmal, und vieles davon bleibt Behauptung. Aster stellt die Dinge nebeneinander, statt sie wirken zu lassen.
Der letzte Akt
Dann kippt der Film. Ohne zu viel zu verraten: Aus der Satire wird eine nächtliche Jagd, und plötzlich ist er da, der Moment, ab dem der Film seinen Figuren nicht mehr traut und dem Publikum auch nicht. Lukas Foerster nennt das beim Filmdienst einen bleiernen Höllentrip. Das ist das Aster-Kino, das ich wollte. Nur kommt es nach mehr als anderthalb Stunden, und nicht jeder wird so lange bleiben.
Joaquin Phoenix trägt das. Sein Joe Cross ist kein Bösewicht und kein Held, sondern ein Mann, der in jeder Szene ein bisschen kleiner wird, obwohl er sich größer macht. Pedro Pascal spielt den Bürgermeister glatt und freundlich, und gerade das macht ihn verdächtig. Emma Stone hat als Louise zu wenig zu tun. Austin Butler als Prediger Vernon Jefferson Peak ist eine einzige, gut gesetzte Irritation.
Wer Asters frühere Filme kennt, findet in Hereditary und Midsommar das Grauen, das sich Zeit nimmt und dann bleibt. „Eddington“ ist näher an Beau Is Afraid: groß, wütend, ausufernd.
Wie die Kritik „Eddington“ sieht
Geteilt. Bei Rotten Tomatoes sind 69 Prozent von 287 Kritiken positiv, Metacritic kommt auf 65 von 100 aus 50 Kritiken. Filmstarts vergibt vier von fünf Sternen, epd Film drei von fünf und vermisst bei aller handwerklichen Klasse das Herz unter dem Zynismus. Der Konsens bei Rotten Tomatoes lobt Besetzung und Mut der Regie und bemängelt, dass der Ton immer wieder danebengreift. Stand der Werte: 1. Oktober 2026.
Meine 6,6 liegen mitten in diesem Feld. Unsere WatchGuide-Empfehlung zu „Eddington“: ein unbequemer, zu voller Film mit einem großartigen Phoenix und einem letzten Akt, der hängen bleibt. Für Aster-Fans mit Sitzfleisch, nicht für einen entspannten Abend.
Wer in Eddington lebt
- Joaquin Phoenix als Sheriff Joe Cross
- Pedro Pascal als Bürgermeister Ted Garcia
- Emma Stone als Louise Cross
- Austin Butler als Vernon Jefferson Peak
- Deirdre O’Connell als Dawn Bodkin
- Luke Grimes als Guy Tooley
- Micheal Ward als Michael Cooke
- Clifton Collins Jr. als Lodge
Regie und Drehbuch: Ari Aster. Kamera: Darius Khondji. Schnitt: Lucian Johnston. Musik: Bobby Krlic und Daniel Pemberton.
Bewertung
Watcher-Score · redaktionelle EinzelwertungDafür
- Joaquin Phoenix als Sheriff, der mit jeder Szene kleiner wird
- Darius Khondjis weite Wüstenbilder
- Ein letzter Akt, der wirklich beklemmt
- Mut zu einer Satire ohne Trost
Dagegen
- Zu viele Themen, die nur behauptet werden
- Sehr langer Anlauf bei fast zweieinhalb Stunden
- Emma Stone hat zu wenig zu spielen
Die Landschaft bleibt ruhig, während die Menschen darin durchdrehen, und das Grauen kommt erst, als man nicht mehr damit rechnet.Aus der Wertung von NordNoir
Wer streamt Eddington?
Verfügbarkeit DEStand 17.07.2026: Eddington läuft im Abo bei Prime Video, mit deutscher Synchronfassung. Leihen oder Kaufen geht ab 4,99 €.
Stand 17.07.2026 · Streaming-Daten: JustWatch (via TMDB), Movie of the Night · ohne Gewähr
Trailer
Besetzung
FAQ zu Eddington: Ari Asters Corona-Western findet sein Grauen erst spät
Ist „Eddington“ ein Horrorfilm?
Wie lang ist „Eddington“?
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