Hintergrund

Paramount und Warner sind jetzt Skydance: Was die Fusion für Filmfans bedeutet

Zwei Filmstreifen laufen von links und rechts aufeinander zu und verschmelzen in orangem Licht, darunter der Titel Paramount und Warner sind jetzt Skydance

Am 6. Oktober 1927 lief in New York „Der Jazzsänger“ an, der erste abendfüllende Spielfilm, in dem gesungen und gesprochen wird. Warner Bros. hatte damals alles auf diese Technik gesetzt, und ausgerechnet Sam Warner, der den Ton im Studio durchgeboxt hatte, starb einen Tag vor der Premiere. Auf den Tag genau 99 Jahre später gehört Warner Bros. nun Paramount, genauer gesagt einem Konzern, der seit heute Skydance heißt.

Ich habe mir die Meldungen der letzten Tage angesehen, und die meisten drehen sich um Aktienkurse, Schulden und CNN. Mich interessiert eine andere Frage: Was ändert sich für uns, die ins Kino gehen, Serien streamen und Blu-rays ins Regal stellen? Dazu habe ich zusammengetragen, was belegt ist, und markiere klar, wo ich nur vermute.

Was ist am 6. Oktober 2026 passiert?

Am 6. Oktober 2026 hat Paramount Skydance die Übernahme von Warner Bros. Discovery abgeschlossen. Der Kaufpreis liegt bei rund 110 Milliarden Dollar einschließlich Schulden, je Warner-Aktie wurden gut 31 Dollar bar gezahlt. Der neue Konzern heißt Skydance und wird von der Familie Ellison kontrolliert. Paramount Pictures, Warner Bros., HBO und DC bleiben als eigene Marken bestehen.

Der Weg dahin war ein kleiner Wirtschaftskrimi. Im Dezember 2025 hatte zuerst Netflix den Zuschlag für die Warner-Studios und HBO Max bekommen, für 27,75 Dollar je Aktie. Drei Tage später bot Paramount 30 Dollar bar für den ganzen Konzern, an Netflix vorbei direkt an die Aktionäre. Im Februar 2026 legte Paramount auf 31 Dollar nach, versprach sieben Milliarden Dollar Entschädigung, falls die Behörden den Kauf stoppen, und übernahm sogar die 2,8 Milliarden, die Warner an Netflix für den Rückzieher zahlen musste. Netflix stieg aus. Danach kamen die Freigaben in den USA und der EU, eine Klage von zwölf US-Bundesstaaten und am 21. September ein Vergleich.

An der Spitze steht David Ellison, Sohn von Oracle-Gründer Larry Ellison, der Paramount selbst erst im August 2025 übernommen hatte. David Zaslav, der Warner seit 2022 geführt hat, ist mit dem Abschluss raus.

Wer entscheidet jetzt, welche Filme gedreht werden?

Beide Filmstudios führen künftig Dana Goldberg und Josh Greenstein, die bisher Paramount Pictures geleitet haben. Michael De Luca und Pamela Abdy, die bei Warner das Sagen hatten, sind seit heute nicht mehr dabei. Für mich ist das der bittere Teil der Nachricht. Unter den beiden hatte Warner 2025 ein Jahr, wie man es sich als Filmfan wünscht: „Ein Minecraft Film“, „Blood & Sinners“, „Superman“, „Weapons“ und „One Battle After Another“. Große Marken standen da neben Filmen, die sich vorher kaum ein Studio getraut hätte, und Warner kam in den USA auf rund 21 Prozent Marktanteil.

Bei DC bleibt alles beim Alten: James Gunn und Peter Safran führen DC Studios weiter. HBO und die beiden Streamingdienste verantwortet Casey Bloys, der seit Jahren HBO leitet und seinen Vertrag gerade verlängert hat. Ellison hatte schon im März versprochen: „HBO should stay HBO.“

Kommen jetzt mehr oder weniger Filme ins Kino?

Auf dem Papier mehr. Ellison hat zugesagt, mit beiden Studios mindestens 30 Kinofilme im Jahr herauszubringen, jeden mit mindestens 45 Tagen exklusiv im Kino. Seit dem Vergleich mit den zwölf Bundesstaaten ist das auch festgeschrieben: 30 Filme pro Jahr in den ersten beiden Jahren, danach 32, insgesamt fünf Jahre lang. Für jeden fehlenden Film werden 30 Millionen Dollar fällig, und ein unabhängiger Aufpasser kontrolliert das. Zum Vergleich: Paramount allein brachte 2025 acht Filme ins Kino, 2026 sind es 15.

Bei solchen Versprechen werde ich erst einmal misstrauisch, weil es nach jeder großen Fusion ähnliche Sätze gab. Als Disney 2019 Fox kaufte, war 20th Century Fox ein Studio, das 2014 noch 17 Filme ins Kino gebracht hatte. 2022 und 2023 gingen zwei Drittel der Filme des Studios direkt zu Disney+ oder Hulu. Der Unterschied diesmal: Die Zusage lässt sich einklagen. Was der Vertrag nicht regelt, ist die Qualität. 30 Filme bekommt man auch mit vielen mittelgroßen Fortsetzungen zusammen.

Zwei Einschränkungen gehören dazu. Die Zusagen gelten für US-Kinos, eine Mindestzahl für Deutschland gibt es nicht, auch wenn die Filme hier natürlich ebenfalls starten. Und 2027 treten an mehreren Wochenenden bisher Filme beider Häuser gegeneinander an, am 13. August (US-Termin) etwa „Teenage Mutant Ninja Turtles: Mutant Mayhem 2“ gegen Warners „Shiver“. Dass da noch Termine wandern, halte ich für ziemlich wahrscheinlich. Angekündigt ist es nicht.

Was wird aus DC, Mittelerde, Harry Potter und den anderen Reihen?

Bisher ist genau ein Projekt wegen der Fusion gebremst worden. Alles andere läuft, soweit man das heute sagen kann, nach Plan. Das sind die großen Reihen, die jetzt unter einem Dach liegen, mit dem jeweils nächsten Termin:

Reihe Studio Als Nächstes Stand
DC Warner „Clayface“, Kino 22.10.2026 erster Horrorfilm im neuen DC-Universum
DC Warner „Man of Tomorrow“, Kino 08.07.2027 Superman-Fortsetzung von James Gunn
Batman Warner „The Batman Part II“, geplant 18.02.2028 (USA) Dreh seit 05.10. pausiert, laut DC aus privaten Gründen von Matt Reeves
Dune Warner „Dune: Part Three“, Kino 17.12.2026 Abschluss von Villeneuves Trilogie
Harry Potter HBO die Serie, ab Weihnachten 2026 in Deutschland nur bei HBO Max
Mittelerde Warner „The Hunt for Gollum“, 17.12.2027 (USA) wird in Neuseeland gedreht
Mittelerde Warner „Shadow of the Past“ von Stephen Colbert angehalten, bisher das einzige Fusionsopfer
Game of Thrones HBO „A Knight of the Seven Kingdoms“ Staffel 2, Anfang 2027 „House of the Dragon“ endet mit Staffel 4
MonsterVerse Warner „Godzilla x Kong: Supernova“, Kino 25.03.2027 planmäßig
Conjuring Warner „The Conjuring: First Communion“, 10.09.2027 (USA) Vorgeschichte nach dem Rekord von „Last Rites“
A Quiet Place Paramount „A Quiet Place Part III“, 30.07.2027 (USA) wird gedreht
Sonic Paramount „Sonic the Hedgehog 4“, 19.03.2027 (USA) planmäßig
Top Gun Paramount „Top Gun 3“ bestätigt, noch ohne Termin
Star Trek Paramount neuer Kinofilm bestätigt, ohne Termin; „Starfleet Academy“ endet mit Staffel 2
Scream Paramount „Scream 8“ in Arbeit, nach „Scream 7“ als erfolgreichstem Teil der Reihe
Yellowstone Paramount Ableger wie „Marshals“ Taylor Sheridan wechselt zu NBCUniversal, die Marken bleiben bei Skydance

Das gebremste Projekt ist ausgerechnet eines, auf das ich neugierig war. Stephen Colbert schreibt zusammen mit seinem Sohn Peter McGee und Philippa Boyens, die schon an Peter Jacksons Trilogie mitgeschrieben hat, einen Mittelerde-Film über die Kapitel aus „Die Gefährten“, die Jackson weggelassen hat: der Alte Wald, die Hügelgräberhöhen und Tom Bombadil. Nach der Fusion liegt das Projekt auf Eis. Je nach Quelle heißt es „Pause“ oder „gestoppt“, Warner selbst spricht von weiterer Entwicklung. Begründet wird das mit dem Abgang von De Luca und Abdy und mit dem Flop von „Die Schlacht der Rohirrim“. Das Studio will erst sehen, wie „The Hunt for Gollum“ läuft. Kaufmännisch kann ich das nachvollziehen, schade finde ich es trotzdem.

Bei „Mission: Impossible“ gibt es nach „The Final Reckoning“ offiziell keinen weiteren Teil. Was man über ein neuntes Kapitel liest, sind Gerüchte.

Was ändert sich bei HBO Max und Paramount+ in Deutschland?

Vorerst nichts. Wer ein Abo hat, muss nichts tun. HBO Max gibt es in Deutschland seit dem 13. Januar 2026, für 5,99 Euro mit Werbung, 11,99 Euro im Standard-Abo und 16,99 Euro in Premium. Ab dem 1. Januar 2027 kostet jede Stufe einen Euro mehr, das stand aber schon vor der Fusion fest. Paramount+ läuft hier seit Ende 2022 und kostet 5,99, 9,99 oder 12,99 Euro.

Langfristig sollen beide Dienste zu einem werden, „over time“, wie es in der Mitteilung zum Abschluss heißt. In den Tagen davor klang es etwas anders: Laut Casey Bloys bleiben beide Marken zunächst getrennt, dazu soll es ein gemeinsames Paket geben. Name, Preis und Termin sind offen, und für Deutschland ist noch gar nichts angekündigt. Wer heute beide Dienste mit Werbung bucht, zahlt 11,98 Euro im Monat, im werbefreien Standard-Abo 21,98 Euro. Ein Bündel wäre da die naheliegende Ersparnis.

Bei Sky wird es interessant. Paramount+ steckt im Paket Sky Entertainment Plus und Cinema ohne Aufpreis drin, HBO Max läuft bei Sky dagegen nur als App mit eigenem Abo. HBO-Serien, die schon bei Sky und WOW liefen, bleiben dort, darunter „House of the Dragon“ und „The Last of Us“ mit ihren dritten Staffeln. Neue HBO-Serien wie die Harry-Potter-Serie kommen nur noch zu HBO Max. Wie lange diese Abmachung mit Sky läuft, ist nicht öffentlich. Werden die beiden Dienste irgendwann einer, muss der Sky-Deal vermutlich neu verhandelt werden. Das ist meine Einschätzung, gesagt hat das bisher niemand. Welche unserer Kritiken gerade bei welchem Dienst laufen, steht auf unseren Seiten zu HBO Max und Paramount+.

Droht ein zweites „Coyote vs. Acme“?

Für mich ist das die wichtigste Frage. Warner hat so etwas schon einmal erlebt. Nach der Fusion mit Discovery 2022 sollte gespart werden, erst drei, dann vier Milliarden Dollar. Das Ergebnis: „Batgirl“, ein fast fertiger Film für rund 90 Millionen Dollar, verschwand für eine Steuerabschreibung im Archiv. „Coyote vs. Acme“ traf es genauso. Aus HBO Max flogen über 80 Titel, darunter „Westworld“.

Der Kojote hatte Glück. Ketchup Entertainment kaufte den Film, er lief im September bei uns im Kino und hat weltweit über 100 Millionen Dollar eingespielt. Wir haben dafür sogar Kinofreikarten verlost. Dass so ein Film beinahe nie zu sehen gewesen wäre, vergesse ich bei jeder Fusionsmeldung nicht.

Skydance startet jetzt mit rund 80 Milliarden Dollar Schulden und will innerhalb von drei Jahren jedes Jahr mehr als sechs Milliarden Dollar einsparen, laut Mitteilung vor allem bei Technik, Einkauf, Marketing und Immobilien. Das ist deutlich mehr Druck, als Discovery 2022 hatte. Was dagegen spricht, dass sich die Geschichte wiederholt, ist ausgerechnet die Kinoquote: Ein fertiger Film, der im Regal liegt, zählt nicht mit, und jeder fehlende kostet 30 Millionen.

Ganz ruhig ist die Branche trotzdem nicht. Über 1.000 Filmschaffende, darunter Denis Villeneuve und David Fincher, hatten im April in einem offenen Brief gegen den Kauf protestiert. „Andor“-Macher Tony Gilroy sagte beim New York Film Festival, hier werde ein gesundes Geschäft im Namen von Risikokapital zerstört.

Was bedeutet die Fusion für die Kinos in Deutschland?

In den 1930er Jahren gab es in Hollywood acht große Studios. Nach dem Fox-Kauf durch Disney waren es fünf, jetzt sind es noch vier: Disney, Universal, Sony und Skydance. In Deutschland kam Warner 2025 laut insidekino auf 17,8 Prozent der Besucher der hundert erfolgreichsten Filme, Disney auf 25,9 Prozent. Die sechs Paramount-Filme in dieser Liste hatten nach meiner Rechnung zusammen rund 4,3 Millionen Besucher, gut fünf Prozent. Zusammen liegt Skydance hierzulande damit bei grob 23 Prozent, knapp hinter Disney.

Ein Detail, das kaum jemand erwähnt: Paramount hat in Deutschland seit Ende 2024 gar keinen eigenen Kinoverleih mehr. Seit „Gladiator II“ bringt Sony die Paramount-Filme in die deutschen Kinos, Warner verleiht dagegen weiter selbst aus Hamburg. Eine Zusammenlegung ist nicht angekündigt. In vielen anderen europäischen Ländern läuft Paramount über UIP, ein gemeinsames Unternehmen mit Universal. Dort muss Skydance laut EU-Kommission innerhalb von 13 Monaten aussteigen, damit Kinos keine schlechteren Bedingungen bekommen. Dem europäischen Kinoverband UNIC reicht das nicht, er hätte sich auch Auflagen zu Kinofenstern und Filmvielfalt gewünscht.

Was passiert mit den Klassikern und den Blu-rays?

Skydance besitzt jetzt mehr als 15.000 Filme. Von Warner kommen „Casablanca“, Kubricks „Shining“ und „2001: Odyssee im Weltraum“, dazu das alte MGM-Archiv bis 1986 mit „Der Zauberer von Oz“ und „Vom Winde verweht“. Paramount bringt unter anderem „Der Pate“ und die DreamWorks-Filme bis 2011 mit. Als Jahrgang 1974 finde ich die Vorstellung schon seltsam, dass „Top Gun“ und Tim Burtons „Batman“, zwei der großen Kinofilme meiner Jugend, jetzt im selben Archiv liegen.

Bei Blu-ray und 4K ändert sich in Deutschland vorerst nichts, weil beide Studios ihre Discs hier ohnehin nicht mehr selbst vertreiben. Warner läuft seit Herbst 2025 über Plaion, Paramount seit Januar 2026 über Leonine. In den USA ist offen, wer künftig über den Klassiksender TCM entscheidet. Das lag bisher bei De Luca und Abdy.

Worauf ich jetzt achte

Ob die Versprechen etwas taugen, sehe ich an drei Stellen. Halten die Kinostarts 2027, gerade an den Wochenenden, an denen Paramount und Warner gegeneinander antreten? Was kostet ein gemeinsames Paket aus HBO Max und Paramount+ in Deutschland, wenn es denn kommt? Und kommt Colberts Mittelerde-Film zurück, oder bleibt Tom Bombadil das erste echte Opfer dieser Fusion? Sobald sich bei einem dieser Punkte etwas bewegt, trage ich es hier nach.

Stand: 6. Oktober 2026

Quellen

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