Countdown zum Kinostart
Eurotrash: Christian Krachts Roman kommt mit Barbara Sukowa ins Kino ist noch nicht erschienen. Streaming-Anbieter tragen wir ein, sobald der Film nach dem Start verfügbar ist. Termin kann sich verschieben.
Die Vorschau
von Lichtspiel„Eurotrash“ kommt am Donnerstag, dem 24. Dezember 2026, im Verleih von DCM in die deutschen Kinos, am selben Tag auch in der Schweiz. Frauke Finsterwalder hat den gleichnamigen Roman von Christian Kracht aus dem Jahr 2021 verfilmt und das Drehbuch gemeinsam mit ihm geschrieben; Barbara Sukowa spielt die todkranke, trinkende Mutter Helene, Alexander Fehling ihren Sohn Philipp, einen Schriftsteller. Diese WatchGuide-Vorschau ordnet ein, was vor dem Start bekannt ist, und trägt keine Note, weil die Redaktion den Film noch nicht gesehen hat.
Gesichert sind Besetzung, Vorlage, Produktion und die Festivaltermine: Das Zurich Film Festival hat die Weltpremiere in seiner Reihe Gala Premieres auf den 30. September 2026 gelegt, das Filmfest Hamburg zeigt den Film am 1. und 2. Oktober als deutsche Premiere. Offen ist, wie viel vom eigentümlichen Ton des Romans die Leinwand erreicht, und dazu lagen am 30. September, als dieser Text entstand, noch keine Besprechungen vor.
Worum es in „Eurotrash“ geht
Der Verleih fasst die Geschichte so zusammen: „Als der Schriftsteller Philipp erkennen muss, dass er und seine wohlhabende Familie die schlimmsten Menschen sind, begibt er sich mit seiner todkranken und todbetrunkenen Mutter Helene auf einen atemberaubenden Roadtrip durch die Schweiz.“ Unterwegs wollen die beiden das angehäufte Vermögen verschenken, sie treffen auf eine Taxifahrerin, die DCM „engelsgleich“ nennt, und müssen eine Plastiktüte voller Geld gegen habgierige Ganoven verteidigen. Das Schweizer Fernsehen SRF, das den Film mitproduziert hat, sprach beim Drehstart von einer „schwarzhumorigen und zutiefst berührenden Geschichte“, und der Verleih selbst von einer „schwindelerregenden Reise in die Psychose“. Mehr sollte man vor dem Kinobesuch nicht lesen, zumal im Roman äußerlich erstaunlich wenig geschieht und das Gewicht in den Erinnerungen liegt, die der Sohn auf dieser Reise an seine Familie hat.
Vom Roman zum Drehbuch: aus Christian wird Philipp
Krachts „Eurotrash“ erschien 2021 bei Kiepenheuer & Witsch, gehörte im selben Jahr zu den sechs Finalisten des Deutschen Buchpreises und kam 2025 in der englischen Übersetzung von Daniel Bowles in die Vorauswahl des International Booker Prize. Das Buch ist ausdrücklich Autofiktion: Der Ich-Erzähler trägt den Namen seines Autors, und der Verlag stellte den Roman als eine Art Fortsetzung von Krachts Debüt „Faserland“ vor, das in den Neunzigern die deutschsprachige Popliteratur mitbegründet hat. Gerade dieser Kunstgriff, bei dem man nie ganz sicher sein kann, ob man einem Menschen oder einer Figur zuhört, macht die Lektüre so unbehaglich und so komisch zugleich.
Im Film heißt der Sohn Philipp, und das ist die erste Entscheidung der Verfilmung, die sich schon vor der Sichtung benennen lässt. Kracht hat das Drehbuch mit Frauke Finsterwalder geschrieben, mit der er verheiratet ist und mit der er bereits „Sisi & Ich“ verfasst hat, jene Neudeutung der Kaiserin Elisabeth aus der Sicht ihrer Hofdame, die 2023 im Panorama der Berlinale lief und deren Drehbuch als Buch bei Kiepenheuer & Witsch erschienen ist. Wenn der Autor selbst seiner Figur einen anderen Namen gibt, liegt die Vermutung nahe, dass der Film das Spiel mit der Person des Schreibenden eher zurücknimmt und die Mutter stärker in die Mitte rückt; ob das so ist, wird erst die Sichtung zeigen. In Zürich ist Finsterwalder keine Unbekannte: Ihr Spielfilmdebüt „Finsterworld“ gewann beim Zurich Film Festival 2013 das Goldene Auge für den besten deutschsprachigen Spielfilm.
Barbara Sukowa als Mutter: eine Schauspielerin des Neuen Deutschen Films
Die Besetzung der Helene ist der Punkt, an dem sich diese Verfilmung für mich am deutlichsten mit der Filmgeschichte verbindet. Barbara Sukowa war 1980 die Mieze in Fassbinders „Berlin Alexanderplatz“ und 1981 seine „Lola“, den mittleren Teil jener BRD-Trilogie, die mit „Die Ehe der Maria Braun“ begann; für Margarethe von Trottas „Rosa Luxemburg“ erhielt sie 1986 in Cannes den Darstellerpreis, und in „Die bleierne Zeit“ wie in „Hannah Arendt“ hat sie Frauen gespielt, die sich an der deutschen Geschichte abarbeiten. Dass ausgerechnet sie nun eine Mutter spielt, deren Familienvermögen im Roman aus der Zeit des Nationalsozialismus stammt und die es auf einer letzten Reise loswerden will, ist eine Besetzung, die mehr erzählt als jede Inhaltsangabe.
Alexander Fehling, den viele aus „Im Labyrinth des Schweigens“ kennen und der auch in der Juli-Zeh-Verfilmung „Corpus Delicti“ mitspielt, übernimmt den Sohn. Luna Wedler übernimmt nach Angabe des Schweizer Kulturportals arttv die Rolle der Fahrerin; bemerkenswert ist, dass sie in „22 Bahnen“ eine Tochter gespielt hat, die ihre alkoholkranke Mutter pflegt, und hier nun von außen auf ein solches Verhältnis blickt. Stefan Kurt gehört ebenfalls zur Besetzung, seine Rolle nennt der Verleih bislang nicht.
Gedreht zwischen Zürich, dem Wallis und Kenia
Produziert haben Tobias Walker und Philipp Worm mit ihrer Firma Walker+Worm Film, koproduziert haben C-Films aus der Schweiz, DOR Film aus Österreich sowie ZDF, ARTE und SRF. Gedreht wurde nach der Mitteilung des SRF im Frühjahr 2025 in München, Hamburg, Zürich, im Wallis und in Kenia, hinter der Kamera stand Thomas W. Kiennast. Dass eine Reise durch die Schweiz auch in Afrika gedreht wurde, erklären die Mitteilungen nicht; wer den Roman gelesen hat, ahnt die Richtung, und mehr sei hier nicht verraten. Im Fernsehen soll der Film nach Angabe des SRF 2027 zu sehen sein, also erst nach der Kinoauswertung.
Ein Start an Heiligabend
Der 24. Dezember 2026 ist ein Donnerstag, der übliche Starttag deutscher Kinos, und zugleich Heiligabend, an dem viele Kinos ihr Programm verkürzen. Dass ausgerechnet ein Film über eine Familie, die sich selbst für die schlimmsten Menschen hält, an diesem Abend anläuft, hat eine gewisse Ironie; wer ihn sehen möchte, wird vermutlich eher in den Tagen zwischen den Jahren ins Kino gehen. Das Filmfest Hamburg gibt eine Laufzeit von 100 Minuten an und zeigt den Film in der deutschen Originalfassung; eine FSK-Freigabe war am 30. September noch nicht veröffentlicht.
Wer Krachts Roman gelesen hat oder Finsterwalders „Sisi & Ich“ mochte, dürfte hier einen deutschsprachigen Film finden, der sich etwas zutraut: eine Mutter und einen Sohn, die einander nichts schenken, außer am Ende vielleicht das Vermögen an Fremde. Wer zu Weihnachten einen versöhnlichen Familienfilm sucht, sollte die Inhaltsangabe ernst nehmen. Weitere Starts der kommenden Wochen stehen in unserer Übersicht Demnächst im Kino.
Erwartungen vor dem Start
keine WertungWenn der Autor selbst seiner Figur einen anderen Namen gibt, verschiebt sich das Gewicht vom Schreibenden zur Mutter.Vorab eingeschätzt von Lichtspiel
✅ Darauf freuen wir uns
- Barbara Sukowa als Mutter, eine Schauspielerin aus Fassbinders und von Trottas Kino
- Kracht schreibt das Drehbuch zu seinem eigenen Roman selbst mit
- Weltpremiere in Zürich, deutsche Premiere beim Filmfest Hamburg
❓ Das macht uns nervös
- Der Ton des Romans lebt von der Ich-Stimme, die ein Film nicht einfach übernehmen kann
- Vor dem Start liegen noch keine Besprechungen vor
- Ein Kinostart an Heiligabend macht den ersten Abend schwer planbar
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