Die Kritik
von NordNoirHalloween Ends lief am 13. Oktober 2022 bei uns an, beendet die Blumhouse-Trilogie und ist der meistdiskutierte Teil der Reihe seit 1982: ein Finale, in dem Michael Myers über weite Strecken gar nicht vorkommt. Ich lande nach langem Ringen bei 6,5.
Tag elf, letzter Halt im Marathon. Elf Filme, eine gesprungene Teekanne und ein Notizbuch voller Wertungen später sitze ich vor dem Film, über den sich seit 2022 ganze Foren zerlegen. Und ich verstehe beide Seiten so gut wie selten.
Vier Jahre später, und Haddonfield hat einen neuen Buhmann
Der Einstieg ist eine kalte Dusche mit Ansage: Halloween 2019, ein Student namens Corey Cunningham babysittet einen Jungen, ein grausamer Unfall passiert, und die Stadt macht aus dem Unglück einen Mordfall samt Freispruch, an den niemand glaubt. Erst danach springt der Film ins Jahr 2022. Laurie Strode lebt mit Enkelin Allyson zusammen, schreibt an ihren Memoiren und versucht das, was ihr in 44 Jahren nie vergönnt war: ein Leben ohne Angst. Michael Myers ist seit den Ereignissen von Kills verschwunden, und Haddonfield hat sich mit Corey ein Ersatz-Monster für den Alltag gesucht.
Wer bis hierhin mitliest, ahnt es: Das ist keine Jagd-auf-Michael-Fortsetzung, sondern ein Film über das, was eine Stadt mit ihren Sündenböcken macht. Regisseur David Gordon Green und sein Autorenteam ziehen die Mob-Thesen aus Kills auf eine persönliche Ebene herunter, und Rohan Campbell spielt Coreys Abstieg vom gemobbten Außenseiter zum Nachwuchs-Ungeheuer mit einer Intensität, die dem Film gehört. Die Romanze zwischen ihm und Allyson bleibt dabei das wackligste Bauteil, sie beschleunigt von null auf Schicksalsgemeinschaft in gefühlt drei Szenen.
Die Eröffnung: fünfzehn Minuten, die keiner vergisst
Bevor sich die Geister scheiden, sind sie sich kurz einig: Der Prolog mit Corey und dem kleinen Jeremy gehört zu den am besten gebauten Passagen der gesamten Trilogie. Ein Babysitter-Abend, ein Halloween-Streich, eine verriegelte Tür, und dann ein Sturz, der in seiner beiläufigen Grausamkeit mehr Wirkung hat als jedes Messer der Reihe. Die Sequenz zitiert die Babysitter-Grundangst des Originals und dreht sie um: Diesmal ist das Kind das Grauen und der Aufpasser das Opfer der Umstände. Dazu ein Vorspann in orangefarbener Retro-Schrift, der optisch direkt an 1978 andockt.
Diese Eröffnung gibt ein Versprechen ab, das der Film danach nur in Schüben einlöst, aber sie zeigt, wie ernst es Green mit seinem Themenwechsel war: Ends beginnt nicht mit dem Boogeyman, sondern mit der Frage, wie schnell eine Stadt einen neuen erschafft. Wer den Film hasst, hasst konsequenterweise auch diese Weiche. Ich halte sie für die beste Einzelidee der Trilogie.
Der Elefant im Raum: Michael ist kaum da
Reden wir über den Streitpunkt. Michael Myers, die Titelfigur der Reihe, verbringt den Großteil dieser 111 Minuten geschwächt in einem Abwasserkanal und hat insgesamt nur eine Handvoll Szenen. Der Film benutzt ihn als kranke Restglut, an der sich Corey ansteckt, das Böse als etwas Übertragbares, das von einem müden Wirt auf einen willigen neuen überspringt. Wer nach zwei Aufbau-Filmen das große Laurie-gegen-Michael-Epos erwartet hatte, wurde 2022 im Kino regelrecht sitzen gelassen, und die Wut darüber kann ich niemandem ausreden.
Aber ich habe in diesem Marathon auch das Original gegen einen Spielzeugmasken-Kult verteidigt und Rob Zombies Trauma-Höllenritt eine 6,0 gegeben, ich werde jetzt nicht plötzlich Konformität einfordern. Die Idee, das Finale einer 44-Jahre-Reihe nicht dem Monster zu widmen, sondern der Frage, wie das Böse weiterlebt, ist die mutigste Setzung der Trilogie. Mein Problem ist nicht der Mut. Mein Problem ist, dass der Film seinen eigenen Einfall nur halb durchzieht: Für einen echten Corey-Film ist zu viel Pflichtprogramm drin, für einen Michael-Film zu wenig Michael. Ends will radikal sein und zwischendurch trotzdem allen gefallen, und an dieser Spreizung verliert er Punkte.
Laurie am Küchentisch. Die beste Version seit 1978.
Was in den Debatten oft untergeht: Jamie Lee Curtis bekommt hier ihren besten Stoff der ganzen Trilogie. Nach der geparkten Krankenhaus-Laurie von Kills zeigt Ends eine Frau, die backen lernt, flirtet, an Memoiren schreibt und der man beim Kampf um Normalität in jeder Szene die Anstrengung ansieht. Ihre Beziehung zu Allyson, die einzige Familie, die beiden geblieben ist, trägt den Mittelteil, und ihre Passagen aus dem Memoiren-Off geben dem Film ein nachdenkliches Rückgrat, das keine andere Fortsetzung der Reihe je hatte.
Und das Finale, wenn es dann endlich kommt, liefert: Der Showdown in Lauries Küche ist kompakt, körperlich und persönlich, und was der Film danach mit Michael macht, ist so endgültig, wie es diese Reihe eben zulässt, inklusive einer Prozession durch die Stadt, die eher nach Trauerzug aussieht als nach Triumph. Es ist ein würdiger Schlusspunkt für Curtis, die die Rolle nach 44 Jahren und sieben Auftritten hier offiziell abgegeben hat. Ob der Punkt hält, ist bei dieser Reihe bekanntlich eine Frage der Buchhaltung, dazu gleich mehr.
- Jamie Lee Curtis als Laurie Strode, zum siebten und erklärtermaßen letzten Mal
- Rohan Campbell spielt Corey Cunningham, den umstrittensten Neuzugang der Reihen-Geschichte
- Andi Matichak als Allyson, die endlich mehr darf als rennen und trauern
- James Jude Courtney als The Shape, sparsam eingesetzt wie nie
- Will Patton als Frank Hawkins, dessen späte Zuneigung zu Laurie ein leises Highlight ist
Handwerk: Carpenter-Synths, Kanal-Gänge und ein DJ, um den es mir leidtut
Handwerklich bleibt die Trilogie auch im Finale verlässlich: John Carpenter hat mit Sohn Cody und Daniel Davies erneut den Score geliefert, der Coreys Verwandlung mit einem eigenen, immer kränker werdenden Motiv begleitet, und die Kanal-Szenen zwischen Corey und Michael haben eine klamme, faulige Atmosphäre, die mir als bekennendem Stimmungs-Fan sehr entgegenkommt. Die Morde sind weniger zahlreich als in Kills, dafür gezielter gesetzt, ein Radio-DJ und eine Werkstatt-Szene bleiben besonders hängen.
Interessant fürs Protokoll: Mit 33 Millionen Dollar war Ends der teuerste Film der gesamten Reihe, und wie schon Kills startete er in den USA parallel im Streaming, diesmal bei Peacock, was den Kinoeinspiel von 105,4 Millionen Dollar weltweit relativiert. Deutschland bekam den Film am 13. Oktober 2022 regulär und exklusiv im Kino, einen Tag nach dem US-Start. Ich habe ihn damals tatsächlich im Kino gesehen, in einer Spätvorstellung mit hörbar gespaltenem Saal: vorne wurde gebuht, hinter mir hat jemand beim Abspann geklatscht. Bessere Zusammenfassung der Rezeption gibt es nicht.
Allyson, das unterschätzte Sorgenkind der Trilogie
Ein Wort noch zu Andi Matichaks Allyson, weil ihre Entwicklung hier für viel Kopfschütteln gesorgt hat: Die Enkelin, die in zwei Filmen Eltern und Freunde verloren hat, verliebt sich ausgerechnet in den geächteten Corey und driftet mit ihm Richtung Abgrund. Auf dem Papier ist das eine schlüssige Trauma-Spiegelung, zwei Beschädigte erkennen sich, und Matichak spielt die Wut unter der Krankenschwestern-Freundlichkeit richtig gut. Das Drehbuch hetzt sie nur so schnell durch die Verfallskurve, dass wichtige Zwischenschritte fehlen, und lässt sie im Finale dann erstaunlich unbeschäftigt zurück. Eine halbe Stunde mehr Film, und diese Figur hätte funktioniert. So bleibt sie das deutlichste Opfer der vier Autoren-Handschriften, die hier um denselben Schluss ringen.
Metacritic 47, Grabenkämpfe überall
Die Zahlen zeichnen das Bild eines Films, der niemanden kalt lässt: 47 von 100 bei Metacritic bei einem auffällig zerstrittenen Kritikerfeld, 6,0 bei TMDB aus gut 2.000 Stimmen, und in jeder Horror-Community existieren seit Oktober 2022 zwei unversöhnliche Lager. Die einen feiern den Film als den einzigen Teil seit 1978, der wirklich etwas riskiert. Die anderen sehen einen Etikettenschwindel, der das versprochene Duell hinter einer Coming-of-Evil-Geschichte versteckt. Vier Drehbuchautoren stehen im Abspann, und manchmal glaube ich, jedes Lager hat einfach die Hälfte eines anderen Films gesehen.
Meine Marathon-Perspektive nach elf Filmen: Ends ist der interessanteste Teil seit dem Original und gleichzeitig einer der unrundesten. Er gehört mit Halloween III von 1982 und Zombies Halloween II von 2009 in die kleine Gruppe der Filme dieser Reihe, die eine eigene Idee über die Formel stellen, und wie bei diesen beiden wächst sein Ruf seit dem Kinostart langsam, aber messbar. In zehn Jahren, das ist meine Prognose fürs Protokoll, wird Ends deutlich freundlicher besprochen als 2022.
Marathon-Bilanz: elf Filme, eine Reihenfolge, drei Empfehlungen
Damit ist der Marathon durch, und weil danach gefragt wurde, hier die Kurzbilanz: Ganz oben steht unangefochten das Original von 1978, dahinter für mich H20 und Teil 4. Die mutigen Außenseiter, Teil III, Zombies Zweiter und dieser hier, bilden eine eigene Kategorie für alle, die Horror lieber eigenwillig als glatt mögen. Und ganz unten bleibt Resurrection, daran ändert auch Abstand nichts.
Elf Abende am Stück mit derselben Reihe verändern übrigens den Blick: Man hört irgendwann jede Variation des Klavier-Themes im Schlaf, erkennt die Masken-Generationen am Haaransatz und entwickelt Zuneigung für Filme, die man einzeln nie verteidigt hätte. Falls du so einen Marathon planst: Rechne mit drei Durchhängern in der Mitte, leg die Zombie-Filme nicht auf einen Sonntagabend, und heb dir das Original für den Schluss noch einmal auf. Es gewinnt in jeder Reihenfolge.
Wer die moderne Trilogie am Stück schauen will, braucht zwingend die Reihenfolge Halloween von 2018, dann Kills, dann diesen Film, alles Fortsetzungen direkt vom 1978er-Original, unter Auslassung sämtlicher alter Teile inklusive Halloween II von 1981. Wer stattdessen roh und grimmig mag, nimmt Rob Zombies Doppel. Den kompletten Reihen-Fahrplan liefert unsere Halloween-Reihenfolge. Mehr Genre-Nachschub sortieren wir laufend in der Slasher-Ecke und der Horror-Übersicht, und wer solche Sortier-Arbeit mag, findet die Scream-Reihenfolge bereits komplett aufgeschlüsselt.
Bewertung
Watcher-Score · redaktionelle EinzelwertungDafür
- Curtis' beste Trilogie-Leistung
- Mut zur eigenen Geschichte statt Fanservice
- Carpenter-Score mit krankem Corey-Motiv
- Ein Finale mit echtem Gewicht
Dagegen
- Corey-Romanze im Zeitraffer
- Zu wenig Michael für ein beworbenes Duell
- Will radikal sein und trotzdem allen gefallen
Das Finale widmet sich nicht dem Monster, sondern der Frage, wie das Böse den Wirt wechselt. Dafür muss man diese Reihe schon mögen.— aus der Wertung von NordNoir
Wer streamt Halloween Ends?
Verfügbarkeit DEStand 17.08.2026: Halloween Ends ist derzeit in keinem Streaming-Abo enthalten, lässt sich aber ab 3,99 € leihen oder kaufen (z. B. bei Apple TV+).
Verfügbarkeit Deutschland · Stand 17.08.2026 · Streaming-Daten: JustWatch (via TMDB) · Detaildaten: Movie of the Night · ohne Gewähr, keine bezahlte Kooperation.
Schnelle Antworten
Antworten Schnelle Antworten zu Halloween Ends
Wo kann ich Halloween Ends streamen?
Halloween Ends gibt es zum Leihen oder Kaufen bei Apple TV+, Amazon, Google Play, YouTube, maxdome, freenet Video, MagentaTV und Videoload. Stand August 2026, Angaben für Deutschland ohne Gewähr.
Wie lange dauert Halloween Ends?
Halloween Ends hat eine Laufzeit von rund 107 Minuten (1 Stunde und 47 Minuten).
Lohnt sich Halloween Ends?
Unsere Redaktion vergibt Halloween Ends einen Watcher-Score von 6,5 von 10. Sehenswert, aber mit Abstrichen, besonders für Horror-Fans.
Für wen ist Halloween Ends geeignet?
Halloween Ends ist vor allem etwas für Horror und Thriller-Fans, die auch über Schwächen hinwegsehen.
Worum geht es in Halloween Ends?
Vier Jahre nach den Ereignissen von "Halloween Kills" leben Laurie Strode und ihre Enkelin Allyson nach dem Tod von Mutter Karen noch immer gemeinsam in Haddonfield. Michael Myers hat in dieser Zeit niemand mehr gesehen, doch die Erinnerung an ihn lebt weiter.
Trailer
Besetzung
FAQ zu Halloween Ends: Das mutigste Finale, das fast keiner wollte
Wo kann ich Halloween Ends streamen?
Ist Halloween Ends wirklich das Ende der Reihe?
Wie viel Michael Myers steckt überhaupt in dem Film?
Wer ist dieser Corey und warum reagieren alle so allergisch?
Muss ich Halloween Kills vorher gesehen haben?
Lohnt sich Halloween Ends nun oder nicht?
Der Saal
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2 Kommentare
Uhh Frau Curtis ist aber alt geworden.
Endet es dieses Mal wirklich? 😉
Ich finde der Trailer verrät bald schon ein bisschen zu viel. Aber Bock hätte ich schon drauf.
Ist gar nicht mein Fall…mag generell kein Horror aber muss natürlich hier vorgestellt werden 😉