Teenage Sex and Death at Camp Miasma bekommt von mir im WatchGuide-Kinokreis 8,2 von 10. Jane Schoenbrun dreht keinen Slasher, sondern einen Liebesbrief an Slasher, und Hannah Einbinder und Gillian Anderson tragen ihn mit erstaunlicher Wärme. Ganz oben lande ich nicht, weil der Film in seiner zweiten Hälfte Schicht um Schicht auf sich selbst stapelt, bis das Gefühl darunter verschwindet.
Der Film lief am 20. August 2026 im Verleih von MUBI in den deutschen Kinos an, mit 112 Minuten Laufzeit und FSK 16. Ab dem 2. Oktober 2026 soll er außerdem bei MUBI im Stream zu sehen sein. Wer „I Saw the TV Glow“ mochte, sollte ihn sehen. Wer einen klassischen Camp-Slasher mit Bodycount erwartet, sitzt im falschen Film.
8,2 von mir. Jane Schoenbrun schreibt einen Liebesbrief an den Slasher, Hannah Einbinder und Gillian Anderson tragen ihn mit Wärme, die bemalten Kulissen haben eine eigene Handschrift. In der zweiten Hälfte stapelt der Film aber so viele Ebenen auf sich selbst, dass das Gefühl darunter verschwindet. Für alle, die Horror als Gefühl lieben, trotzdem ein Muss.
Quellen & Einordnung
Beitrag aus dem Archiv. Die bisherige Note und der Text sind noch nicht nach unserem seit 10. Oktober 2026 geltenden Quellenverfahren überprüft. Die Kinokreis-Stimme ist eine fiktive Figur; ihre Ich-Formulierungen belegen keine persönliche Filmsichtung. Die bisherige Note bleibt bis zur Einzelprüfung als Archivwertung erkennbar.
Trailer
Unsere Einordnung
von WatchGuide-RedaktionWorum es geht
Kris, eine junge queere Regisseurin, bekommt den Auftrag, die müde gewordene Slasher-Reihe „Camp Miasma“ wiederzubeleben. Sie sucht Billy auf, den Star der Originalfilme, der sich längst aus der Öffentlichkeit zurückgezogen hat. Aus dem Arbeitstreffen wird etwas anderes. Begehren, Angst, Wahn. Mehr muss man nicht wissen. Die Filmreihe im Film ist erfunden, Vorwissen braucht es nicht.
Ein Film, der Horror liebt, statt ihn zu benutzen
Schoenbrun hat in „We’re All Going to the World’s Fair“ und „I Saw the TV Glow“ ein Unbehagen gebaut, das man nicht benennen kann. Hier ist der Ton ein anderer. Leichter. Lauter. Oft komisch. Die Kulissen sind von Hand bemalt, die Farben kräftig, der Film wechselt zwischen verschiedenen Filmformaten und schiebt Passagen aus den alten Camp-Miasma-Filmen dazwischen. Andreas Köhnemann beschreibt das bei kino-zeit als lustvolle Rückeroberung von Slasher-Motiven für ein queeres Publikum. Das ist für mich der Kern. Der Film fragt nicht, warum Slasher problematisch sind. Er fragt, warum man sie trotzdem geliebt hat.
Mir wurde dabei nie unwohl. Das ist hier keine Schwäche, das ist die Entscheidung. Wer von Schoenbrun den langsamen Dread des Vorgängers erwartet, muss sich umstellen: Das Grauen sitzt in diesem Film nicht im Dunkeln, sondern im Wunsch, jemand anderes zu sein.
Einbinder und Anderson
Hannah Einbinder spielt Kris mit einem Gesicht, das immer einen Gedanken mehr hat, als es zeigt. Gillian Anderson ist als Billy der Grund, warum der Film nicht in Zitaten erstickt. Sie spielt eine Frau, die eine Rolle nie ganz abgelegt hat, und lässt offen, wie viel davon Pose ist. Die beiden zusammen sind das Beste am Film. Selbst Arabella Wintermayr, die den Film bei kino-zeit insgesamt verreißt, nennt beide Leistungen herausragend.
Wo es mich verliert
Ich bin großzügig mit Unerklärtem. Ein Film darf mir offene Enden geben, Bilder, die ich nicht auflösen kann. Aber in der zweiten Hälfte schiebt Schoenbrun so viele Ebenen übereinander, Film im Film, Fantasie, Erinnerung, dass ich irgendwann nicht mehr bei den beiden Frauen war, sondern beim Sortieren. Wintermayr spricht von einem „solipsistischen Bedeutungsrausch“. So weit gehe ich nicht. Aber ich verstehe, was sie meint. Die Effekte werden greller, je weniger der Film noch erzählen will, und das Gefühl, das vorher so genau gebaut war, verdampft.
Wer mitspielt
- Hannah Einbinder als Kris
- Gillian Anderson als Billy, Amanda Fix als junge Billy
- Jack Haven als Little Death
- Jasmin Savoy Brown als Mari, Quintessa Swindell als Julie
- Patrick Fischler als Rudolph, Dylan Baker als Jeffrey
- Zach Cherry als Will, Arthur Conti als Alex, Sarah Sherman als Kris‘ Agentin
Buch und Regie: Jane Schoenbrun. Produktion: Plan B Entertainment und MUBI.
Wie die Kritik den Film sieht
Begeistert. Bei Rotten Tomatoes sind 94 Prozent von 272 Kritiken positiv, das Publikum liegt bei 79 Prozent. Metacritic kommt auf 89 von 100 aus 48 Kritiken. Filmstarts vergibt 4,5 von 5 Sternen und nennt ihn den ersten wahrhaft feministischen Slasher. In Cannes eröffnete der Film im Mai die Reihe Un Certain Regard und gewann die Queer Palm. Stand der Werte: 1. Oktober 2026.
Meine 8,2 liegt etwas unter diesem Jubel, wegen der zweiten Hälfte. Unsere WatchGuide-Empfehlung zu Teenage Sex and Death at Camp Miasma: unbedingt für alle, die Horror als Gefühl kennen und nicht nur als Schockmaschine, und für alle, die Gillian Anderson in einer ihrer besten Rollen sehen wollen. Wer den klassischen Camp-Schrecken sucht, bleibt bei Scream oder schaut in unsere Liste der besten Horrorfilme.
Bewertung
Bisherige EinschätzungArchivwertung: Quellenbasis und Gewichtung noch nicht nach dem neuen Verfahren geprüft. Quellen & Einordnung
Dafür
- Gillian Anderson als Billy, offen und unergründlich zugleich
- Hannah Einbinder hält die vielen Ebenen zusammen
- Von Hand bemalte Kulissen und kräftige Farben mit eigenem Zweck
- Ein Slasher-Film, der das Genre liebt statt es vorzuführen
Dagegen
- Die zweite Hälfte stapelt Ebenen, bis das Gefühl verschwindet
- Wenig echter Schrecken, wer Dread sucht, wird enttäuscht
- Gegen Ende werden die Effekte greller als nötig
Das Grauen sitzt in diesem Film nicht im Dunkeln, sondern im Wunsch, jemand anderes zu sein.Aus der Wertung von WatchGuide-Redaktion
Wer streamt Teenage Sex and Death at Camp Miasma?
Verfügbarkeit DEStand 04.10.2026: Teenage Sex and Death at Camp Miasma läuft im Abo bei MUBI, Apple TV+ und Prime Video. Leihen oder Kaufen geht ab 16,99 €.
Stand 04.10.2026 · Streaming-Daten: JustWatch (via TMDB), Movie of the Night · ohne Gewähr
Besetzung
5 Rollen- KrisHannah Einbinder
- BillyGillian Anderson
- junge BillyAmanda Fix
- AlexArthur Conti
- DJ Ella GiasticEva Victor


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