Wer streamt Der Bucklige von Soho?
Verfügbarkeit DEStand 24.02.2026: Der Bucklige von Soho läuft im Abo bei Prime Video – mit deutscher Synchronfassung. Leihen oder Kaufen geht ab 3,99 €.
Verfügbarkeit Deutschland · Stand 24.02.2026 · Streaming-Daten: JustWatch (via TMDB) · Detaildaten: Movie of the Night · ohne Gewähr, keine bezahlte Kooperation.
Die Kritik
von LichtspielAm 6. September 1966 wagte Rialto Film einen Schritt, der die Edgar-Wallace-Reihe für immer verändern sollte: Der einundzwanzigste Krimi kam in Farbe ins Kino. Eastmancolor statt Schwarzweiß. Und ausgerechnet dieser Film, Der Bucklige von Soho, basierte weder im Titel noch in der Handlung auf einem Werk von Edgar Wallace.
Eine 6,5 von mir. Für Peter Thomas‘ unfassbaren Jazz-Score, für Eddi Arent als Bösewicht und für die historische Bedeutung als Wendepunkt einer ganzen Ära. Nicht für die Handlung, die selbst nach Wallace-Maßstäben dünn ausfällt.
Friedrich Reimers hätte die Farbe gehasst
Mein Vater war Archivar, ein Mann der Ordnung und der Konventionen. Edgar-Wallace-Filme schaute er grundsätzlich nur in Schwarzweiß, auf dem alten Grundig-Fernseher in Hamburg-Eppendorf, Dienstagabends wenn die ARD sie brachte. Als Der Bucklige von Soho 1985 zum ersten Mal im Fernsehen lief — ich war sechsundzwanzig, längst verheiratet, Hartmut und ich hatten uns mit Tee vor dem Fernseher eingerichtet — rief mein Vater am nächsten Morgen an. Nicht um über den Film zu sprechen. Sondern um sich über die Farbe zu beschweren.
Er hatte nicht ganz unrecht. Die früheren Wallace-Filme lebten von ihrem Schwarzweiß, von den Schatten in den Londoner Gassen, von Karl Löbs Kameraarbeit, die das Halbdunkel zum eigentlichen Hauptdarsteller machte. Die toten Augen von London funktionierte wegen der Dunkelheit, nicht trotz ihr. Eastmancolor macht aus London eine Theaterkulisse. Das Unheimliche weicht dem Bunten.
89 Minuten, ein Schloss und ein Bordell
Die Handlung dreht sich um Wanda Merville, eine junge Erbin, die auf dem Familiensitz Schloss Castlewood festgehalten wird. Das Schloss dient offiziell als Heim für sogenannte gefallene Mädchen, tatsächlich ist es eine Zulieferstation für Londoner Bordelle. Drehbuchautor Herbert Reinecker, der später sämtliche 281 Folgen von Derrick schreiben sollte, hatte hier ursprünglich einen dritten Film nach Neues vom Hexer im Sinn. Dass daraus nichts wurde und stattdessen dieser freie Stoff entstand, merkt man dem Ergebnis an.
Es gibt einen Buckligen, der mordet. Es gibt Inspektor Hopkins von Scotland Yard, der ermittelt. Es gibt Siegfried Schürenberg als Sir John, der hinter seinem Schreibtisch sitzt und bedeutungsvolle Dinge sagt. Die Mechanik funktioniert, wie sie in allen 32 Wallace-Filmen funktioniert. Aber die Seele fehlt. 2,2 Millionen Zuschauer kamen trotzdem ins Kino — zum Vergleich: Der Frosch mit der Maske hatte 1959 noch über drei Millionen angelockt. Die Reihe war müde geworden, und Rialto wusste es.
Eddi Arent. Als Bösewicht. Kein Scherz.
Man muss das würdigen: Eddi Arent, der ewige Komiker der Wallace-Reihe, der Mann der in jedem Film den tollpatschigen Butler oder den schrägen Diener gab, spielt hier den Reverend David. Einen Zuhälter im Priestergewand. Und er ist, wenn ich mir diese Bemerkung erlauben darf, das Beste am ganzen Film. Nicht weil er überzeugend böse wäre, sondern weil die Besetzung gegen den Typ eine Irritation erzeugt, die dem Film guttut. Man traut dem Gesicht nicht. Man hat zwanzig Filme lang gelernt, dass Eddi Arent harmlos ist. Und plötzlich ist er es nicht.
Was dagegen nicht funktioniert, ist Günther Stoll als neuer Hauptdarsteller. Er ersetzt Heinz Drache als Inspektor und bringt weder dessen Präsenz noch dessen trockenen Charme mit. Ein Schauspieler, der in einem besseren Rahmen vielleicht aufgefallen wäre — hier verschwindet er zwischen Pinkas Braun als schleimigem Verwalter und Agnes Windeck als eiskalter Lady Perkins. Stefan sieht das anders, er findet Stoll „unterschätzt“. Aber Stefan sagt das über jeden, der ihm leidtut.
Peter Thomas und das Wunder im Orchestergraben
Und dann ist da die Musik. Peter Thomas, der für zahlreiche Wallace-Filme und die gesamte Jerry-Cotton-Reihe komponierte, liefert hier einen Score ab, der den Film um Längen überragt. Jazz-Burlesque, experimentell, manchmal geradezu absurd — auf Letterboxd nannte es ein Rezensent treffend „astonishing and uber-funky“ („erstaunlich und unglaublich funky“). Mein Mann Hartmut, der als Historiker einen sehr genauen Blick für Zeitkolorit hatte, sagte einmal über die Wallace-Reihe: Die Filme überleben wegen der Musik, nicht wegen der Drehbücher. Bei diesem Film stimmt das mehr als bei den meisten.
Der Score verwandelt mittelmäßige Szenen in atmosphärische Momente, er gibt dem Film eine Persönlichkeit, die das Drehbuch verweigert. Wenn ich die Augen schließe und nur zuhöre, ist Der Bucklige von Soho ein besserer Film als er tatsächlich ist. Ein Leitmotiv wiederholt sich, variiert, verschwindet und taucht wieder auf, wie in einer guten Novelle, in der jedes Kapitel den Grundton aufgreift und neu deutet.
Vohrers vierzehnter. Oder: Routine als Kunstform
Alfred Vohrer hat vierzehn der zweiunddreißig Edgar-Wallace-Filme inszeniert. Kein anderer Regisseur prägte die Reihe stärker. Vohrer, der im Zweiten Weltkrieg seinen rechten Arm verlor und dessen Schauspielkarriere damit endete, fand in der Regie seine Berufung — zunächst als Synchronregisseur für über tausend Filme, dann als Spielfilmregisseur bei Rialto. Man spürt die Routine in jedem Schnitt, in jeder Kameraeinstellung. Ob das gut oder schlecht ist, hängt davon ab, was man von einem Krimi erwartet.
Ich habe Das Gasthaus an der Themse neulich noch einmal gesehen, und der Unterschied ist spürbar. Vohrer arbeitete dort mit einem echten Wallace-Stoff, mit Schwarzweiß-Atmosphäre, mit einer Handlung die Substanz hat. Hier arbeitet er mit einem Drehbuch, das ursprünglich etwas anderes sein sollte, mit Farbe die er nicht wollte — der Film war im Constantin-Programmheft noch als Schwarzweißproduktion angekündigt — und mit einem Hauptdarsteller, der den Vorgänger nicht ersetzen kann. Dass trotzdem ein anschaubarer Krimi dabei herauskommt, spricht für Vohrers Handwerk. Die CCC-Film-Studios in Berlin-Spandau und die Zitadelle als Kulisse für Schloss Castlewood tun das Ihre.
Gedreht wurde in sechs Wochen, vom 1. Juni bis 13. Juli 1966. Die wenigen Londoner Außenaufnahmen entstanden ohne Schauspieler — ein Trick, den Rialto Film zur Perfektion gebracht hatte. Stefan würde sagen: effizient. Ich sage: sparsam. Aber es funktionierte, zumindest für das Publikum der sechziger Jahre, das an weniger explizite Formen des Filmemachens gewöhnt war und vielleicht gerade deshalb empfänglicher für die Magie der Andeutung.
2,2 Millionen. Und was danach kam.
Man muss den Film in seiner Zeit sehen. 1966 war das Wirtschaftswunder in voller Blüte, die Deutschen gingen massenhaft ins Kino, und „Hallo, hier spricht Edgar Wallace!“ war ein Versprechen, dem Millionen folgten. Aber die Zahlen lügen nicht: 2,2 Millionen Besucher bedeuteten einen spürbaren Rückgang gegenüber den Hochzeiten der Reihe. Die Bande des Schreckens hatte deutlich mehr Zuschauer angezogen. Die FSK rang mit dem Film — er musste vier Mal vorgelegt werden, die Eröffnungssequenz wurde geschnitten, eine Freigabe ab 16 Jahren erst nach Änderungen erteilt. 1991, bei der Neuprüfung, genügten dann ab 12 Jahre. Andere Zeiten, andere Maßstäbe.
Das IMDb-Rating von 5,8 und die 3,22 von 5 Sternen auf Letterboxd spiegeln den Konsens recht genau: Ein solider, aber nicht herausragender Eintrag in einer Reihe, die zu diesem Zeitpunkt bereits unter den Folgen ihrer eigenen Produktivität litt. Zeitgenössische Kritiker gaben ihm eine Note 2,4 im Filmecho — gut, nicht sehr gut. Das Kino hat schon Mutigeres gewagt, aber selten mit so verlässlicher Routine.
Die Gesichter von Schloss Castlewood
- Günther Stoll als Inspektor Hopkins — der neue Mann, der den alten nicht vergessen lässt
- Pinkas Braun ist Alan Davis, der Verwalter. Schleimig auf eine Art, die nur deutsche Krimis der sechziger Jahre kennen.
- Monika Peitsch als Wanda Merville, die Erbin
- Siegfried Schürenberg — Sir John, wie in jedem Wallace-Film. Zuverlässig wie ein Uhrwerk.
- Agnes Windeck als Lady Marjorie Perkins, eisig und grandios
- Eddi Arent als Reverend David — sein bester Auftritt in der gesamten Reihe, ausgerechnet als Schurke
- Gisela Uhlen als Mrs. Tyndal
- Hubert von Meyerinck als wahnsinniger General Perkins. Meyerinck konnte wahnsinnig.
- Uta Levka als Gladys
- Richard Haller — der Bucklige selbst. Man sieht ihn wenig. Das genügt.
Das Urteil
Watcher-Score · redaktionelle EinzelwertungHallo, hier spricht Edgar Wallace!— aus der Wertung von Lichtspiel
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Wo kann ich Der Bucklige von Soho streamen?
Der Bucklige von Soho läuft aktuell im Abo bei Prime Video; zum Leihen oder Kaufen bei Apple TV+, Amazon, Google Play, YouTube, maxdome und freenet Video. Stand Juli 2026, Angaben für Deutschland ohne Gewähr.
Wie lange dauert Der Bucklige von Soho?
Der Bucklige von Soho hat eine Laufzeit von rund 85 Minuten (1 Stunde und 25 Minuten).
Lohnt sich Der Bucklige von Soho?
Unsere Redaktion vergibt Der Bucklige von Soho einen Watcher-Score von 6,5 von 10. 7.2/10 Punkte für einen soliden Wallace-Krimi mit Nostalgie-Faktor. Wenn du die Reihe liebst, ist das Pflicht. Wenn nicht, fang mit besseren Wallace-Filmen an.
Für wen ist Der Bucklige von Soho geeignet?
Der Bucklige von Soho ist vor allem etwas für Krimi und Mystery-Fans, die auch über Schwächen hinwegsehen.
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