Poster zum Film Die Tote aus der Themse: Wallace mit Retro-Charme (1971)

Die Tote aus der Themse: Wallace mit Retro-Charme (1971)

🎬 Film 85 Min. Thriller
⚡ Kurz gesagt

Die Tote aus der Themse ist ein später Wallace mit sichtbaren Macken, aber auch mit sehr viel Liebhaberwert. Der Fall holpert gelegentlich, doch Atmosphäre, Gesichter, Peter-Thomas-Musik und dieser schmuddelige Siebziger-Nebel tragen den Film erstaunlich weit. Kein idealer Einstieg, aber ein sympathisches, sammelwürdiges Spätkapitel der Rialto-Reihe. Watcher-Score 7,2/10.

⚖️ Zum Urteil 📺 Wer streamt's? ▶ Trailer
📺

Wer streamt Die Tote aus der Themse?

Verfügbarkeit DE

Stand 28.07.2026: Die Tote aus der Themse läuft im Abo bei Prime Video – mit deutscher Synchronfassung. Leihen oder Kaufen geht ab 3,99 €.

Verfügbarkeit Deutschland · Stand 28.07.2026 · Streaming-Daten: JustWatch (via TMDB) · Detaildaten: Movie of the Night · ohne Gewähr, keine bezahlte Kooperation.

✍️

Die Kritik

von FilmSchneider

Die Tote aus der Themse ist später Edgar Wallace, und genau so darf man ihn auch lieben: nicht als makelloses Uhrwerk, sondern als nebliges, leicht angeschlagenes Stück deutscher Krimi-Geschichte. Die Rialto-Formel ist noch da: Scotland Yard, verdächtige Herren, Nachtclubs, eine verschwundene Leiche, falsche Spuren und Peter-Thomas-Musik, die sofort diesen Wallace-Schalter im Kopf umlegt. 1971 ist der große Schwarzweiß-Zauber zwar längst vorbei, aber der Film hat etwas, das man nicht ausrechnen kann: Patina, Gesichter, Stimmung und diesen unverwechselbaren Spätserien-Charme.

Gerade deshalb funktioniert Die Tote aus der Themse besser, wenn man ihn nicht mit dem Lineal der frühen Meisterwerke vermisst. Er ist rauer, sleaziger, ein bisschen siebziger, manchmal ungelenk, aber nie gleichgültig. Wer Edgar Wallace wegen Nebel, Musik, Mordrätsel und deutscher Kinokuriosität schaut, bekommt hier keinen perfekten Klassiker, aber einen sehr sehenswerten Nachzügler. Und als Retro-Abend mit Wohlwollen im Herzen macht der Film deutlich mehr Freude, als sein Ruf vermuten lässt.

Warum beginnt der Fall mit einer verschwundenen Leiche?

Die Tänzerin Myrna Fergusson wird erschossen, kurz nachdem sie Scotland Yard Hinweise auf einen Rauschgiftring geliefert hat. Als Inspektor Craig am Tatort ankommt, ist die Leiche verschwunden. Später wird sie aus der Themse geborgen, Myrnas Schwester Danny identifiziert sie, und plötzlich wirkt der Fall weniger abgeschlossen als vorher. Denn rund um die Bande sterben weitere Menschen, während immer neue Hinweise auftauchen, die den Tod selbst wieder unsicher machen.

Das ist klassisches Wallace-Material in einer späteren, etwas härteren Verpackung: ein Toter, der vielleicht doch nicht tot genug ist, ein Ermittler mit trockenem Zugriff, eine junge Frau zwischen Trauer und Gefahr, dazu Clubs, Hinterzimmer, Lagerhäuser und dieser London-Nebel, der im deutschen Wallace-Kino immer mehr Seelenzustand als Wetterbericht war.

Cast und Wallace-Kontext

Harald Philipp inszeniert nach einem Stoff, der eher lose mit Edgar Wallace verbunden ist. Horst Wendlandt und Rialto Film halten den Markenkern zusammen, aber Die Tote aus der Themse wirkt stärker wie ein Versuch, Wallace mit Rauschgift, Stripclub-Milieu und Gangsterkrimi in die Siebziger zu tragen. Das ist nicht mehr die reine Gothic-Spielerei der frühen Reihe, hat aber seinen eigenen Reiz.

  • Uschi Glas spielt Danny Fergusson, die Schwester der ermordeten Myrna.
  • Hansjörg Felmy übernimmt als Inspektor Craig den Scotland-Yard-Part.
  • Werner Peters, Siegfried Schürenberg, Vadim Glowna und Harry Riebauer füllen das Wallace-typische Verdächtigenfeld.
  • Peter Thomas liefert den Score, und allein dieser Klang gibt dem Film sofort Reihe, Rhythmus und Wiedererkennungswert.

Felmy ist dabei ein schöner Pluspunkt. Er spielt Craig nicht als launigen Musterermittler, sondern trockener, kantiger, fast ein wenig abgekämpft. Das passt erstaunlich gut zu einem Film, der selbst zwischen alter Erfolgsformel und neuer Kinoluft steht.

Was funktioniert besonders gut?

Am stärksten ist Die Tote aus der Themse, wenn er Atmosphäre verkauft. Die Clubs, die Themse-Bilder, die schattigen Innenräume und das leicht schmuddelige Milieu geben dem Film eine Spätphase-Farbe, die ich sehr mag. Er hat nicht die elegante Präzision von Das Gasthaus an der Themse oder die fast unheimliche Wucht von Die toten Augen von London, aber er hängt in einer Ecke der Reihe, die für Komplettisten Gold wert ist: weniger Märchenkrimi, mehr Übergang, mehr Reibung, mehr Siebziger.

Auch der Grundhaken sitzt: Eine Leiche verschwindet, taucht wieder auf, und plötzlich stimmt nichts mehr richtig. Das ist kein bis zur letzten Schraube fein gearbeitetes Rätsel, aber ein herrlicher Wallace-Aufhänger. Man schaut weiter, weil jede Figur ein bisschen zu glatt, zu schmierig oder zu informiert wirkt. Genau diese Verdächtigen-Parade macht den Spaß aus.

Wo merkt man die späte Phase?

Natürlich knirscht der Film an ein paar Stellen. Das Tempo ist ruhiger als bei den stärkeren Rialto-Titeln, manche Wendung wirkt eher flott gesetzt als elegant vorbereitet, und der Rauschgift-Plot nimmt dem Ganzen etwas von jener märchenhaften Unwirklichkeit, die Wallace oft so unwiderstehlich macht. Früher reichte ein Herrenhaus, ein maskierter Täter, ein schräger Butler und ein paar Schatten, und die Maschine lief. Hier will der Film moderner und härter sein, wodurch seine Unwahrscheinlichkeiten sichtbarer werden.

Aber genau hier lohnt der wohlwollende Blick. Die Tote aus der Themse ist ein Film an der Kante einer Reihe, die sich nicht mehr einfach wiederholen konnte. Er sucht eine neue Tonlage, stolpert dabei manchmal, sammelt aber immer wieder genug Atmosphäre ein, um Wallace-Fans bei Laune zu halten. Das ist keine Schwäche, die den Film erledigt, sondern Teil seines Reizes als spätes Kapitel.

Wie schlägt er sich innerhalb der Wallace-Reihe?

Als erster Wallace-Film wäre er nicht meine erste Empfehlung. Wer die Reihe neu entdeckt, greift besser zu Der Bucklige von Soho, Der Mann mit dem Glasauge, Der Hexer oder den frühen Schwarzweiß-Klassikern. Wer Wallace aber schon liebt, bekommt hier ein schönes Spätwerk mit genau jener Mischung aus Restglanz, Experiment und Kuriosität, die alte Filmreihen so sympathisch machen kann.

Besonders spannend ist der Vergleich mit Das Gesicht im Dunkeln. Beide Titel zeigen, wie der Name Edgar Wallace in eine veränderte Kinolandschaft getragen wurde: mehr Giallo-Nähe, mehr Zeitkolorit, weniger klassischer Spuk. Nicht alles daran ist rund, aber filmhistorisch und atmosphärisch ist das deutlich reizvoller, als eine nüchterne Punktewertung vermuten ließe.

Für wen lohnt sich Die Tote aus der Themse?

Für Wallace-Komplettisten auf jeden Fall. Für Krimi-Fans mit Lust auf deutsches Retro-Kino ebenfalls, sofern sie keinen Hochglanz-Whodunit erwarten. Der Film ist am schönsten, wenn man ihn als späten Rialto-Abend nimmt: ein bisschen Themse, ein bisschen Nachtclub, ein bisschen Rauschgiftkrimi, ein paar herrlich vertraute Gesichter und dazu Peter Thomas im Ohr. Filme wie Die Tote aus der Themse findet man vor allem in dieser späten Wallace-Ecke: nicht mehr ganz klassisch, aber mit genug Stimmung, um im Regal seinen Platz zu verdienen.

Die verhaltenen Bewertungen bei IMDb und Letterboxd kann ich nachvollziehen, würde sie aber für Wallace-Fans weicher lesen. Wer den Film nur als Kriminalfall bewertet, findet Schwächen. Wer ihn als späten Gruß aus einer geliebten deutschen Genre-Ära betrachtet, bekommt deutlich mehr zurück.

Wo läuft Die Tote aus der Themse?

Der Film ist laut TMDB/WatchProvider-Daten in Deutschland aktuell unter anderem bei Amazon Prime Video im Abo gelistet und digital bei Anbietern wie Apple TV, Amazon Video, YouTube, MagentaTV, Videoload und maxdome kauf- oder leihbar. Vor dem Filmabend trotzdem kurz im jeweiligen Store prüfen, weil Wallace-Rechte und Anbieterlisten gern wandern.

WatchGuide-Fazit

Die Tote aus der Themse ist kein perfekter Wallace, aber ein liebenswerter Spät-Wallace. Sein Rätsel läuft nicht immer geschmeidig, der Siebziger-Anstrich nimmt etwas vom alten Gruselzauber, und die besten Rialto-Titel spielen in einer anderen Liga. Trotzdem hat der Film reichlich Charme: Themse-Nebel, Peter-Thomas-Sound, Uschi Glas, Hansjörg Felmy, zwielichtige Figuren und dieses schöne Gefühl, eine große Reihe beim Auslaufen noch einmal flackern zu sehen. Für reine Spannung gibt es stärkere Titel. Für Retro-Herz und Wallace-Regal ist er klar wertvoller, als man ihm manchmal zugesteht.

⚖️

Das Urteil

Watcher-Score · redaktionelle Einzelwertung

Bewertet von — eine Person, ein begründetes Urteil.

Dafür

  • viel Spät-Wallace-Atmosphäre, starker Peter-Thomas-Score, Hansjörg Felmy bringt trockene Ermittlerpräsenz, reizvoller Blick auf die Rialto-Spätphase

Dagegen

  • Tempo im Mittelteil ruhiger, Auflösung etwas hastig, Rauschgift-Plot weniger märchenhaft als klassische Wallace-Stoffe
Die Tote aus der Themse ist ein später Wallace mit sichtbaren Macken, aber auch mit sehr viel Liebhaberwert. Der Fall holpert gelegentlich, doch Atmosphäre, Gesichter, Peter-Thomas-Musik und dieser schmuddelige Siebziger-Nebel tragen den Film erstaunlich weit. Kein idealer Einstieg, aber ein sympathisches, sammelwürdiges Spätkapitel der Rialto-Reihe.

Schnelle Antworten

Antworten Schnelle Antworten zu Die Tote aus der Themse

Wo kann ich Die Tote aus der Themse streamen?

Die Tote aus der Themse läuft aktuell im Abo bei Prime Video; zum Leihen oder Kaufen bei Apple TV+, Amazon, Google Play, YouTube, maxdome, MagentaTV, Videoload und freenet Video. Stand Juli 2026, Angaben für Deutschland ohne Gewähr.

Wie lange dauert Die Tote aus der Themse?

Die Tote aus der Themse hat eine Laufzeit von rund 85 Minuten (1 Stunde und 25 Minuten).

Lohnt sich Die Tote aus der Themse?

Unsere Redaktion vergibt Die Tote aus der Themse einen Watcher-Score von 7,2 von 10. Die Tote aus der Themse ist ein später Wallace mit sichtbaren Macken, aber auch mit sehr viel Liebhaberwert. Der Fall holpert gelegentlich, doch Atmosphäre, Gesichter, Peter-Thomas-Musik und dieser schmuddelige Siebziger-Nebel tragen den Film erstaunlich weit. Kein idealer Einstieg, aber ein sympathisches, sammelwürdiges Spätkapitel der Rialto-Reihe.

Für wen ist Die Tote aus der Themse geeignet?

Die Tote aus der Themse ist vor allem etwas für Thriller-Fans und alle, die solide Genre-Unterhaltung suchen.

Worum geht es in Die Tote aus der Themse?

Die Tänzerin Myrna Fergusson wird erschossen, nachdem sie der Polizei Informationen über einen Rauschgiftring zukommen ließ. Als Inspektor Craig von Scotland Yard am Tatort eintrifft, ist die Leiche verschwunden.

🎬

Trailer

🎭

Besetzung

Uschi GlasDanny Fergusson
Hansjörg FelmyInspector Craig
Werner PetersWilliam Baxter
Harry RiebauerMilton S. Farnborough
Siegfried SchürenbergSir John
📣

Der Saal

Community — getrennt von der Redaktion

Schon gesehen? Bewerte in 2 Sekunden — deine Stimme zählt für den Saal, nie für den Watcher-Score.

🌟 Community Bewertung

Noch keine Community-Bewertung

Sei der Erste!

📝 Deine Bewertung
Klicke zum Bewerten (wird temporär gespeichert)
💬

Wie reagierst du auf das Review?

🗣️

Diskutiere mit · 0 Kommentare

0 Kommentare

🚪

Ähnliche Filme

aus derselben Kammer
Cookie Consent mit Real Cookie Banner