Countdown zum Kinostart
Materia Prima: Wer am Lithium Boliviens verdienen will ist noch nicht erschienen. Streaming-Anbieter tragen wir ein, sobald der Film nach dem Start verfügbar ist. Termin kann sich verschieben.
Die Vorschau
von MarenKessler„Materia Prima“ ist ein Dokumentarfilm von Jens Schanze über den Wettlauf um das Lithium im Hochland Boliviens und startet am Donnerstag, 22. Oktober 2026, in den deutschen Kinos, im Verleih von Cine Global. Die WatchGuide-Einschätzung vor der Sichtung: ein Film, der europäische Rohstoffdiplomatie und bolivianischen Widerstand nebeneinanderstellt, rund 90 Minuten lang, gesprochen auf Spanisch, Englisch, Quechua und Aymara, also mit deutschen Untertiteln.
Eine Note gibt es hier nicht. Grundlage sind der deutsche Trailer, die Angaben von Verleih und Festivals und die Filmdatenbanken. Was belegt ist, was der Film behauptet und was erst im Kino zu prüfen ist, steht unten getrennt.
Was über den Film belegt ist
Regie und Buch liegen bei Jens Schanze, produziert haben laut CPH:DOX er selbst und Thomas Tielsch. Die Kamera führte Börres Weiffenbach, den Schnitt besorgte Ulrike Tortora, die Musik stammt von Atena Eshtiaghi. Weltpremiere war am 12. März 2026 im F:ACT-Wettbewerb von CPH:DOX in Kopenhagen, die deutsche Premiere am 8. Mai 2026 beim DOK.fest München. Dort erhielt Eshtiaghi für die Filmmusik den Deutschen Dokumentarfilm-Musikpreis, so berichtet es der Filmdienst.
Bei der Laufzeit weichen die Quellen um eine Minute ab: Festival und TMDB nennen 89 Minuten, der Verleih und filmportal.de 90. Der Verleih gibt eine Freigabe ab 0 Jahren an. Eine Synchronfassung ist nicht angekündigt, der deutsche Trailer ist untertitelt.
Wer kommt zu Wort?
Der Film begleitet nach den Inhaltsangaben eine Gruppe europäischer Unternehmer und Diplomaten, die mit Vertretern der bolivianischen Regierung die Lithiumvorkommen am Salar de Uyuni erkunden. Dort treffen sie auf die indigenen Dorfgemeinschaften. Auf der anderen Seite kommen laut Verleih Menschen zu Wort, die auf ganz unterschiedliche Weise betroffen sind: aus Landwirtschaft, Lamazucht und Bergbau, aus der Bewachung einer Mine, aus der Rechtsberatung und aus dem Protest. Dazu zeigt der Film zivilgesellschaftliche Gruppen, die überwiegend von Frauen organisiert werden.
Das ist die Stelle, an der ich bei einem Rohstofffilm zuerst hinsehe: Darf die Seite, die kaufen will, in eigenen Worten auftreten, oder wird sie nur von außen beschrieben? Hier ist sie offenbar mit der Kamera im Raum. Der Trailer zeigt Herren im Anzug bei einem Empfang, einer sagt: „Und wir gehen dahin, wo Bodenschätze sind.“ Wie viel Raum diese Stimmen im fertigen Film bekommen, geht aus dem Material vor dem Start nicht hervor.
Ebenfalls belegt ist, wer das Projekt bezahlt hat. Neben Filmförderern und den Sendern 3sat und Deutsche Welle nennt die Produktion die kirchlichen Hilfswerke Misereor und Brot für die Welt als Geldgeber, beide setzen sich seit Jahren für Rohstoffgerechtigkeit ein. Das ist offen ausgewiesen und kein Makel. Es gehört aber zur Einordnung eines Films, der genau dieses Thema verhandelt.
Eine Zahl, die man prüfen sollte
Die Inhaltsangabe des Verleihs sagt, an keinem Ort der Welt gebe es mehr Lithium als im Hochland Boliviens. Für den Salar de Uyuni als einzelnes Vorkommen wird das oft so gesagt. Für das Land stimmt es nach den aktuellen Zahlen nicht: Der US Geological Survey führt in seinem Bericht von 2026 für Bolivien rund 23 Millionen Tonnen gemessene und angezeigte Ressourcen, für Argentinien 28 und für die USA 30 Millionen Tonnen. Ressourcen sind außerdem Schätzungen dessen, was im Boden liegt, keine wirtschaftlich gesicherten Reserven. Für die Aussage des Films ändert das wenig, die Größenordnung bleibt gewaltig. Es zeigt aber, dass auch eine Werbezeile eine Behauptung ist.
Was der Trailer zeigt
Der deutsche Trailer dauert eine Minute und 44 Sekunden. Er stellt Sätze gegeneinander, die erkennbar aus verschiedenen Welten kommen: eine ältere Frau mit Bowler fragt, ob sie nun „genauso unseren Salzsee verlieren“ sollen, auf einer Demonstration wird „Es leben unsere Rohstoffe!“ gerufen, über Bildern der Hochebene fällt der Satz, man dürfe die Öffnung von Boliviens Salzseen nicht verpassen. Dazwischen liegt eine alte Handschrift im Bild. Laut Inhaltsangabe ist das die Chronik des indigenen Autors Felipe Guamán Poma de Ayala aus dem 16. Jahrhundert, über die der Film die Plünderung des Silberbergs Cerro Rico in Potosí mit dem heutigen Lithium verbindet.
Ein Detail zur Herkunft der Stimmen: Der Trailer zitiert den Hollywood Reporter mit dem Satz, der Film erzähle in epischen Bildern vom neuen Goldrausch. Der zugehörige Artikel vom 11. März 2026 ist die Vorstellung des Trailers vor der Festivalpremiere, keine Kritik. Unabhängige Besprechungen gibt es aus Kopenhagen, unter anderem von Cineuropa. Eine deutsche Kritik lag bei meiner Recherche noch nicht vor.
Woran sich der Film messen lassen muss
Schanze hat das Muster schon einmal erzählt. In „La buena vida – Das gute Leben“ (2015) begleitete er die Wayúu-Gemeinde Tamaquito in Kolumbien, die einer Kohlemine weichen musste, und deren Sprecher bei den Verhandlungen mit dem Betreiber. Der Film erhielt den Bayerischen Filmpreis. „Materia Prima“ verschiebt den Blick von der Kohle zum Rohstoff der Energiewende, also zu einer Industrie, die sich selbst als die gute versteht. Daran hängt die eigentliche Frage: Zeigt der Film, was in Bolivien tatsächlich verhandelt und vereinbart wird, oder vor allem, wie es sich anfühlt? Belege für das eine liefern Verträge, Fördermengen und Namen von Unternehmen. Ob der Film sie nennt, lässt sich erst im Kino prüfen.
Für wen sich der Kinobesuch lohnen dürfte
Unsere WatchGuide-Einschätzung vor der Sichtung: „Materia Prima“ dürfte denen am meisten geben, die beim Thema E-Auto und Akku wissen wollen, woher der Rohstoff kommt und wer am Tisch sitzt, wenn er verteilt wird. Wer einen Erklärfilm mit Grafiken und Sprecherstimme erwartet, ist vermutlich falsch, das Material deutet auf einen beobachtenden Film. Und wer Untertitel meidet, sollte wissen, dass hier vier Sprachen gesprochen werden.
Weitere Starts der nächsten Wochen sammeln wir unter Demnächst im Kino, unsere Beiträge zu Dokumentarfilmen unter Dokumentation.
Erwartungen vor dem Start
keine WertungEin Film über Rohstoffgerechtigkeit, mitfinanziert von Hilfswerken, die genau dafür eintreten. Das ist offen ausgewiesen. Ob er die Käuferseite trotzdem ernst nimmt, zeigt erst das Kino.Vorab eingeschätzt von MarenKessler
✅ Darauf freuen wir uns
- Die europäische Delegation ist mit der Kamera im Raum, nicht nur beschrieben
- Stimmen aus den Gemeinden am Salar de Uyuni in eigener Sprache
- Die Kolonialchronik von Guamán Poma als historischer Gegenschnitt
- Preis für die Filmmusik beim DOK.fest München
❓ Das macht uns nervös
- Die Werbezeile vom größten Lithiumvorkommen der Welt hält den USGS-Zahlen für das Land nicht stand
- Das Pressezitat im Trailer stammt aus einer Trailermeldung, nicht aus einer Kritik
- Noch keine deutsche Kritik veröffentlicht
- Nur mit Untertiteln
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