Der Seriencheck
von NordNoirAmerican Horror Story ist nach zwölf gesendeten Staffeln immer noch die Serie, bei der ich vor jeder neuen Folge ehrlich nicht weiß, was gleich passiert. Im WatchGuide-Kinokreis steht sie bei mir auf 8,5. Ihre Sprunghaftigkeit ziehe ich dabei nicht ab, sie ist der Grund für die Wertung. Wer eine Handlung will, die am Ende sauber aufgeht, wird hier zwölfmal enttäuscht. Wer Bilder will, die drei Tage später noch hängen, bekommt seit 2011 mehr davon als von jeder anderen Horrorserie.
2011 stellte Murder House eine Regel auf, an die sich niemand mehr hielt
Die erste Staffel lief am 5. Oktober 2011 auf FX an und hatte zwölf Folgen. Sie machte etwas, das im Serienhorror damals kaum jemand wagte: Sie beendete ihre Geschichte. Kein Cliffhanger, keine Verlängerung, alle Figuren abgeräumt. Genau daraus entstand das Anthologie-Prinzip, das die Serie bis heute trägt.
Ryan Murphy und Brad Falchuk haben damit eine Bauform etabliert, die inzwischen überall steht. Ein Haus, eine Anstalt, ein Zirkus, ein Hotel, ein Ferienlager. Jede Staffel eine geschlossene Welt, dieselben Gesichter in neuen Rollen. Evan Peters kommt so auf 112 Folgen, Sarah Paulson auf 108, und beide haben in dieser Zeit ein gutes Dutzend völlig verschiedener Menschen gespielt.
Was mich daran bis heute interessiert: Das Wiedererkennen ersetzt die Fortsetzung. Ich sehe Jessica Lange in Staffel vier und denke an ihre Rolle aus Staffel zwei, obwohl beide Figuren nichts verbindet. Diese Reibung erzeugt ein Gedächtnis, das die Serie selbst nicht besitzt.
Der Ton trägt, wenn die Handlung längst aufgegeben hat
Über American Horror Story wird seit Jahren dasselbe geschrieben: Die Staffeln fallen in der zweiten Hälfte auseinander. Das stimmt sogar. Mir ist es nur ziemlich egal, und ich glaube, das ist der einzige ehrliche Weg, diese Serie zu schauen.
Denn was tatsächlich funktioniert, liegt woanders. Die Serie hat ein außergewöhnlich gutes Gefühl für Räume, die zu lange leer bleiben. Für einen Flur, den die Kamera abfährt, ohne dass etwas darin passiert. Für Musik, die zwei Takte zu früh einsetzt. Asylum arbeitet mit Hall in den Gängen, bis man bei jedem Schritt zusammenzuckt. Hotel baut ganze Folgen um die Frage, wie lange man eine Farbe aushält. Das sind Entscheidungen, die kein Drehbuch rettet und kein Drehbuch kaputt macht.
Wer den Vergleich sucht: Mike Flanagan macht in Hill House und im Untergang des Hauses Usher das Gegenteil. Bei ihm rastet am Ende alles ein. Murphy will die Szene, die Auflösung ist ihm gleichgültig. Man muss nur wissen, worauf man sich einlässt.
Wo es wirklich kippt, und es liegt nicht am Ende
Meine tatsächliche Kritik ist eine andere als die übliche. Schwach wird die Serie nicht, wenn die Handlung zerfasert, sondern wenn der Ton nachlässt und Murphy anfängt, Tagespolitik zu illustrieren. Cult aus dem Jahr 2017 ist für mich die schwächste Staffel, weil sie aufhört, unheimlich zu sein, und stattdessen erklärt. Elf Folgen Kommentar, wo vorher Atmosphäre stand.
Ähnlich geht es mir mit Delicate, der bislang letzten Staffel. Neun Folgen, die letzte lief am 24. April 2024, und über weite Strecken fehlt genau die Unberechenbarkeit, die den Reiz ausmacht. Der Stoff ist da, die Nerven sind weg. Das ist der einzige Punkt, an dem ich der Serie wirklich böse bin, und er hat nichts mit Logiklöchern zu tun.
Dass Murphy anders kann, zeigt seine dokumentarische Arbeit wie zuletzt bei Monster: Ed Gein. Dort trägt der Stoff sich selbst. American Horror Story braucht immer den Rausch, und wenn der ausbleibt, bleibt wenig übrig.
Am 24. September holt Staffel 13 einfach alle zurück
Die neue Staffel trägt schlicht den Titel 13 und startet am 24. September 2026 auf Disney+. Sie umfasst 13 Folgen, in den ersten beiden Wochen erscheinen je drei Episoden, danach zwei pro Woche bis zum Finale am 29. Oktober. Gedreht wurde zwischen April und Juli 2026.
Ryan Murphy nennt sie ein Crossover im Stil der Avengers, also ein Wiedersehen quer durch alle bisherigen Staffeln. Sarah Paulson soll sechs bis sieben Rollen übernehmen, Evan Peters fünf, Jessica Lange kehrt in vier ihrer bekanntesten Figuren zurück. Dazu kommen Angela Bassett, Kathy Bates und Emma Roberts.
Ich bin da vorsichtig optimistisch. Ein Crossover ist genau die Idee, die diese Serie entweder rettet oder endgültig zum Kostümfest macht. Für Neueinsteiger ist es vermutlich der schlechteste denkbare Einstiegspunkt, für alle anderen der interessanteste Termin des Herbstes. In unserer Übersicht der besten Serien aller Zeiten hat American Horror Story ihren Platz nie über Perfektion verdient, sondern über Mut.
Wer hier immer wieder auftaucht
- Evan Peters, mit 112 Folgen der Rekordhalter der Serie. Vom Geist Tate Langdon bis zum Sektenführer Kai Anderson.
- Sarah Paulson kommt auf 108 Folgen und ist das eigentliche Zentrum: Lana Winters in Asylum bleibt ihre beste Arbeit.
- Jessica Lange: 66 Folgen, vier ikonische Rollen, und jede davon trägt eine ganze Staffel allein.
- Denis O’Hare steht bei 83 Folgen. Seine Liz Taylor in Hotel ist die wärmste Figur, die diese Serie je hatte.
- Lily Rabe (61 Folgen) und Frances Conroy (55 Folgen) sind die beiden, die am zuverlässigsten den Ton halten.
- Kathy Bates, 58 Folgen, seit Coven dabei.
- Angela Bassett spielte in 46 Folgen unter anderem Marie Laveau.
- Emma Roberts und Billie Lourd bringen zusammen 100 Folgen mit und kehren beide für Staffel 13 zurück.
Wo die Serie in Deutschland läuft
Alle bisherigen Staffeln stehen in Deutschland im Abo bei Disney+ bereit, dort erscheint auch Staffel 13 ab dem 24. September 2026. Einzelne Staffeln lassen sich digital kaufen. Die Serie ist ab 18 Jahren freigegeben, und diese Einstufung ist bei Asylum und Roanoke keine Formsache.
Für wen sich das lohnt
Für alle, die Horror als Stimmung verstehen und nicht als Rätsel. Wer nach zehn Folgen eine saubere Auflösung braucht, wird hier unglücklich, und zwar zuverlässig. Wer dagegen Serien wie Penny Dreadful oder Lovecraft Country mag, findet hier die größere, wildere und deutlich ungleichmäßigere Version davon. Und wer wissen will, wie eine Anthologie mit eiserner Disziplin aussieht, schaut danach The Terror zum Vergleich.
Bewertung
Watcher-Score · redaktionelle EinzelwertungDafür
- Ensemble, das in jeder Staffel neu überrascht
- Ton und Bildsprache auf Kinoniveau
- Jede Staffel einzeln schaubar
- Asylum und Hotel gehören zum Besten im Serienhorror
Dagegen
- Zweite Staffelhälften zerfasern fast immer
- Cult und Delicate fallen deutlich ab
- Kein Einstieg für Freunde sauberer Auflösungen
Zwölf Staffeln lang hat diese Serie nie die Auflösung gesucht, sondern immer nur die eine Einstellung, die man nicht mehr loswird. Genau dafür schaue ich sie.— aus der Wertung von NordNoir
Wer streamt American Horror Story?
Verfügbarkeit DEStand 16.09.2026: American Horror Story läuft im Abo bei Disney+ – mit deutscher Synchronfassung.
Verfügbarkeit Deutschland · Stand 16.09.2026 · Streaming-Daten: JustWatch (via TMDB) · Detaildaten: Movie of the Night · ohne Gewähr, keine bezahlte Kooperation.
Staffeln & Folgen
aus der WatchGuide-DatenbankS1Murder House· 12 Folgen · ab Okt. 2011▾
S2Asylum· 13 Folgen · ab Okt. 2012▾
S3Coven· 13 Folgen · ab Okt. 2013▾
S4Freak Show· 13 Folgen · ab Okt. 2014▾
S5Hotel· 12 Folgen · ab Okt. 2015▾
S6Roanoke· 10 Folgen · ab Sep. 2016▾
S7Cult· 11 Folgen · ab Sep. 2017▾
S8Apocalypse· 10 Folgen · ab Sep. 2018▾
Schnelle Antworten
Antworten Schnelle Antworten zu American Horror Story
Wo kann ich American Horror Story streamen?
American Horror Story läuft aktuell im Abo bei Disney+; zum Leihen oder Kaufen bei Apple TV+, Amazon, MagentaTV, maxdome, Videoload und freenet Video. Stand September 2026, Angaben für Deutschland ohne Gewähr.
Ab welchem Alter ist American Horror Story freigegeben?
American Horror Story ist in Deutschland ab FSK 18 freigegeben. Für jüngere Zuschauer ist die Serie damit nicht freigegeben.
Wie viele Staffeln hat American Horror Story?
American Horror Story umfasst 13 Staffeln mit insgesamt 145 Episoden. Produktionsstatus: Returning Series.
Lohnt sich American Horror Story?
Unsere Redaktion vergibt American Horror Story einen Watcher-Score von 8,5 von 10. Das ist eine klare Empfehlung, besonders für Drama-Fans.
Für wen ist American Horror Story geeignet?
American Horror Story ist vor allem etwas für Drama und Mystery-Fans und alle, die herausragende Serien suchen. Wegen der Freigabe ab FSK 18 ist die Serie nichts für jüngere Zuschauer.
Besetzung
Der Saal
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