Wer streamt Nosferatu?
Verfügbarkeit DEStand 23.02.2026: Nosferatu läuft im Abo bei Sky. Leihen oder Kaufen geht ab 2,99 €.
Verfügbarkeit Deutschland · Stand 23.02.2026 · Streaming-Daten: JustWatch (via TMDB) · Detaildaten: Movie of the Night · ohne Gewähr, keine bezahlte Kooperation.
Die Kritik
von NordNoirNosferatu. Robert Eggers‘ Remake des Ur-Horrorfilms. Dezember 2024, und ich hatte Gänsehaut bevor die erste Szene vorbei war.
Wir waren zu sechst im Cinedom Köln. Der komplette Kinokreis plus Sylvia. Und als die ersten Bilder kamen – dieses fahle Licht, dieser Nebel – hab ich Stefans Hand gegriffen. Nicht aus Angst. Aus Ehrfurcht. 7.8 von 10. Eggers hat F.W. Murnau nicht kopiert. Er hat ihm die Ehre erwiesen die der Horrorfilm seit hundert Jahren schuldet.
62 Prothesen-Teile. Zweiundsechzig.
Ich muss mit Bill Skarsgård anfangen weil ich ihn fast nicht erkannt hätte. Graf Orlok unter einer Maske aus 62 einzelnen Prosthetic Pieces – Ohren, Nase, Stirn, Hände, alles. Der Mann verschwindet komplett in dieser Rolle. Das ist nicht Pennywise mit neuem Anstrich. Das ist ein anderes Wesen.
Es gibt eine Szene – ich verrate nicht welche – in der Orlok zum ersten Mal in vollem Licht steht. Mein Körper hat reagiert bevor mein Kopf verstanden hat. Nackenhaare. Dieses Kribbeln das am Hinterkopf anfängt und über die Schultern läuft. Skarsgård bewegt sich wie etwas das aussieht wie ein Mensch aber keiner ist. Uncanny Valley, aber in echt.
50 Millionen Dollar Budget. Dafür hat Eggers eine Welt gebaut die riecht. Ich weiß das klingt seltsam. Aber dieser Film hat eine Textur – feuchter Stein, morsches Holz, Kerzenwachs das tropft. Wie ein Gemälde von Caspar David Friedrich das plötzlich atmet.
Lily-Rose Depp. Und ich sage das als jemand die skeptisch war.
Ich gebe zu: Als ich hörte dass Johnny Depps Tochter Ellen Hutter spielen soll, hab ich die Augen verdreht. Stefan hat gelacht. Tom meinte ich soll fair bleiben. Sylvia – die alles von Eggers liebt – sagte: Warte ab.
Sylvia hatte recht. Lily-Rose Depp macht hier etwas das ich nicht erwartet habe. Ellen ist kein passives Opfer. Sie ist eine Frau die von etwas angezogen wird das sie zerstören will. Depp spielt das mit einer Intensität die – und ich glaube das wirklich – an die besten Momente von Isabelle Adjani in Herzogs Nosferatu erinnert. Vielleicht übertreibe ich. Vielleicht war es der Moment, der Saal, das gemeinsame Schauen. Aber in Reihe 8 im Cinedom hat es sich angefühlt wie eine Offenbarung.
Zehn Jahre. So lange hat Eggers gewartet.
Zehn Jahre. Robert Eggers wollte Nosferatu drehen bevor er The Witch gemacht hat. Bevor The Lighthouse kam, bevor The Northman. Der Film war sein Traum, sein uhygge-Projekt – etwas Unbehagliches das ihn nicht losgelassen hat.
Und man spürt das. Jedes Frame sieht aus als hätte jemand es mit Obsession komponiert. Die Farben – Grau, Blaugrau, manchmal ein rostiges Braun wie getrocknetes Blut. Kein CGI-Gewitter, keine Jump-Scare-Maschinerie. Stattdessen: Bilder die stehen bleiben. Die einem nicht die Chance geben wegzuschauen.
85 Prozent bei Rotten Tomatoes. Vier Oscar-Nominierungen – Kamera, Kostüme, Szenenbild, Maske. Am Ende über 182 Millionen Dollar weltweit. Für einen Film der im Grunde eine hundert Jahre alte Geschichte nacherzählt, ohne sie zu modernisieren oder mit Ironie zu versehen. Das muss man sich trauen.
Murnau. Herzog. Eggers.
Drei Versionen derselben Geschichte und jede riecht anders. Murnau 1922 – Expressionismus, Schatten, Max Schreck als etwas das aus einem Albtraum gekrochen ist. Herzog 1979 – Klaus Kinski mit der Einsamkeit eines Wesens das die Ewigkeit hasst. Und jetzt Eggers.
Eggers geht einen dritten Weg. Sein Orlok ist nicht tragisch wie Kinskis und nicht abstrakt wie Schrecks. Skarsgårds Orlok ist Hunger. Reiner, uralter, tierähnlicher Hunger. Keine Philosophie, keine Tränen. Nur dieses Verlangen das wie kalte Luft aus jedem seiner Blicke strömt.
Mein Vater hat mir Herzog’s Version gezeigt als ich 14 war. Min far sagde: Se det her, Anke. Det er den tyske uhygge. Er hatte recht. Es IST deutsche uhygge. Von Murnau über Herzog bis Eggers – diese Geschichte gehört zu uns. Zu dem Gefühl von Nebel über einem nordischen Hafen, von etwas das aus dem Dunkel kommt und das Licht meidet.
Willem Dafoe. Natürlich.
Dafoe spielt Professor Von Franz und er macht das was er immer macht: den Raum übernehmen ohne ihn zu stehlen. Der Mann ist in seiner vierten Kollaboration mit Eggers und es fühlt sich an wie – ja, wie ein eingespieltes Team. Nicht perfekt. Aber ehrlich.
Nicholas Hoult als Thomas Hutter ist solide. Aaron Taylor-Johnson als Friedrich Harding – überraschend gut, besonders im dritten Akt. Und Emma Corrin als Anna bringt eine Verletzlichkeit die ich nicht kommen sah.
Was mich gestört hat: Der Film ist manchmal SO schön dass er seine eigene Spannung untergräbt. Eggers liebt seine Bilder. Ich verstehe das. Ich liebe sie auch. Aber es gibt Momente – vielleicht drei, vier – wo ich dachte: Weniger Gemälde, mehr Gefühl. Stefan würde das den Malick-Effekt nennen. Und ausnahmsweise hat er damit nicht ganz unrecht.
Der Abend im Cinedom. Was danach kam.
Nach dem Film standen wir zu sechst vor dem Kino. Köln im Dezember, kalt, Lichter überall. Tom rauchte und sagte nichts – für Tom ungewohnt. Sylvia war begeistert. Stefan analysierte bereits die Drehbuch-Architektur. Jutta – und das hat mich überrascht – sagte: Das war würdig. Von Jutta ist das das höchste Lob.
Wir sind danach ins Päffgen gegangen, Kölsch getrunken, über Vampire geredet. Ob Salem’s Lot besser oder schlechter gealtert ist als Nosferatu. Ob Vampirfilme überhaupt noch funktionieren nach Twilight. Tom meinte Twilight sei nicht so schlimm und wurde ausgelacht. Typischer Kinokreis-Abend.
Dieser Film hat etwas das mir in vielen modernen Horrorfilmen fehlt: Geduld. Er hetzt nicht. Er wartet. Wie Orlok selbst – der wartet auch. In den Schatten. Geduldig. Letterboxd gibt ihm 3.67 von 5 bei fast 2,5 Millionen Stimmen. Für einen Film der über weite Strecken aus Dunkelheit und Flüstern besteht – das ist beachtlich.
Wer sich hinter den Schatten verbirgt
- Bill Skarsgård als Graf Orlok – 62 Prothesen, null Wiedererkennbarkeit. Genau so soll das.
- Lily-Rose Depp: Ellen Hutter. Ich war skeptisch. Ich lag falsch.
- Nicholas Hoult als Thomas Hutter (ja, der Beast aus X-Men – hier mit weniger Fell)
- Willem Dafoe als Professor Von Franz – seine vierte Eggers-Collaboration. Automatisches Vertrauen.
- Aaron Taylor-Johnson als Friedrich Harding
- Emma Corrin als Anna Harding – Kronprinzessin Diana kann auch Angst. Hätte ich nicht gedacht.
Synchronstudio: FFS Film- & Fernseh-Synchron Berlin
Jahr: 2024
Dialogregie: Unbekannt
Bill Skarsgård|Graf Orlok|Martin Kautz
Lily-Rose Depp|Ellen Hutter|Unbekannt
Nicholas Hoult|Thomas Hutter|Unbekannt
Willem Dafoe|Prof. Von Franz|Unbekannt
Aaron Taylor-Johnson|Friedrich Harding|Unbekannt
Quelle: Synchronkartei.de
Was bleibt. Was fehlt.
Nosferatu ist kein perfekter Film. Er ist zu schön für seinen eigenen Horror, zu verliebt in seine Ästhetik. Aber er ist ehrlich. Eggers hat zehn Jahre gewartet und man spürt jede dieser zehn Jahre in jedem Bild.
Wenn ich ihn mit Der Exorzist vergleiche – beiden geht es um Besessenheit, um etwas Dunkles das in einen Körper eindringt – dann fehlt Nosferatu die rohe Brutalität. Aber er hat etwas das der Exorzist nicht hat: Schönheit. Die Art von Schönheit die wehtut. Wie ein Januarmorgen am Øresund – kalt und klar und du weißt du solltest reingehen aber du kannst nicht aufhören hinzuschauen.
Hitchcocks Psycho hat den Horror in amerikanische Motelzimmer gebracht. Eggers bringt ihn zurück nach Europa. Zurück in die Schatten wo er herkommt.
Das Urteil
Watcher-Score · redaktionelle EinzelwertungDafür
- Visuell atemberaubend
- Skarsgards totale Verwandlung
- Lily-Rose Depps ueberraschende Staerke
Dagegen
- Manchmal zu aesthetisch fuer eigenen Horror
- Langsames Tempo im zweiten Akt
He is not a man. He is something older.— aus der Wertung von NordNoir
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Antworten Schnelle Antworten zu Nosferatu
Wo kann ich Nosferatu streamen?
Nosferatu läuft aktuell im Abo bei Sky; zum Leihen oder Kaufen bei Google Play, YouTube, Apple TV+, Amazon, maxdome, MagentaTV, Videoload und freenet Video. Stand August 2026, Angaben für Deutschland ohne Gewähr.
Wie lange dauert Nosferatu?
Nosferatu hat eine Laufzeit von rund 127 Minuten (2 Stunden und 7 Minuten).
Lohnt sich Nosferatu?
Unsere Redaktion vergibt Nosferatu einen Watcher-Score von 7,8 von 10. Robert Eggers hat zehn Jahre auf diesen Film gewartet. Zehn Jahre. Und ich sass im Cinedom mit dem ganzen Kinokreis und habe gespuert wie diese zehn Jahre aus jeder Einstellung tropfen. Nosferatu ist nicht perfekt. Er ist manchmal zu verliebt in seine eigene Schönheit. Aber Bill Skarsgard unter 62 Prothesen-Teilen ist etwas das ich so schnell nicht vergessen werde. Und Lily-Rose Depp hat mich überrascht und das sage ich als jemand die skeptisch war. Eggers hat Murnau nicht kopiert. Er hat ihm die Ehre erwiesen. Das ist mehr als die meisten Remakes schaffen.
Für wen ist Nosferatu geeignet?
Nosferatu ist vor allem etwas für Horror-Fans und alle, die solide Genre-Unterhaltung suchen.
Worum geht es in Nosferatu?
Der Originalfilm „Nosferatu“ aus dem Jahr 1922 gilt als einer der wichtigsten Filme aller Zeiten und als Meilenstein des Vampirgenres.
Trailer
Besetzung
FAQ zu Nosferatu: Wie Eggers Murnaus Schatten zum Leben erweckt
Muss man den Originalfilm kennen?
Wie gruselig ist Nosferatu 2024?
Wie viele Oscar-Nominierungen hat der Film bekommen?
Ist Bill Skarsgård erkennbar unter der Maske?
Wie ist die deutsche Synchronisation?
Wo kann man Nosferatu 2024 streamen?
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