Wer streamt Metropolis?
Verfügbarkeit DEStand 30.07.2026: Metropolis läuft im Abo bei MUBI.
Verfügbarkeit Deutschland · Stand 30.07.2026 · Streaming-Daten: JustWatch (via TMDB) · Detaildaten: Movie of the Night · ohne Gewähr, keine bezahlte Kooperation.
Die Kritik
von SerafinaDraconisAm 10. Januar 1927 lief dieser Film im Ufa-Palast am Zoo an, kostete 5,3 Millionen Reichsmark und hat praktisch jede Science-Fiction geprägt, die danach kam. 9,3 von mir, und die vergebe ich nicht oft.
Peak Cinema, no cap. Fritz Lang baut eine Stadt, die es nie gab, mit Spiegeln, Miniaturen und 4.189 Metern Film. Die Rotten-Tomatoes-Kritik steht bei 97 Prozent aus 141 Besprechungen. So einig ist man sich bei fast keinem Film.
Der Maschinenmensch steht am Anfang von allem
Rotwangs Roboter ist die vermutlich meistkopierte Figur der Filmgeschichte. Wer C-3PO gesehen hat, hat diese Silhouette gesehen. Brigitte Helm spielt sie 1927 in einem starren Ganzkörperkostüm, und die Verwandlungsszene mit den Lichtringen ist bis heute die Vorlage für jede Erschaffungssequenz im Genre.
Was mich daran fertigmacht: Der Entwurf ist von 1926 und sieht nicht alt aus. Die Art-déco-Formen, die konzentrischen Ringe, das Gesicht ohne Mimik. Ich habe zwanzig Jahre Cyberpunk gesehen und komme immer wieder hier raus.
Die Bauten stammen von Otto Hunte, Erich Kettelhut und Karl Vollbrecht. Drei Namen, die kaum jemand kennt, obwohl sie die Bildsprache der Großstadt-Dystopie erfunden haben. Bei Matrix siebzig Jahre später steckt derselbe Gedanke drin: die Stadt als Maschine, in der Menschen Bauteile sind.
Brigitte Helm war achtzehn
Es war ihr erster Spielfilm. Sie spielt zwei Rollen, die Heilige Maria und deren mechanisches Zerrbild, und die zweite ist die interessantere. Das Kostüm war so starr, dass sie sich Schnitte und blaue Flecken holte, und bei der Verwandlungsszene fiel sie in Ohnmacht, weil zu wenig Luft an sie kam.
Die Doppelrolle funktioniert, weil Helm zwei völlig verschiedene Körpersprachen anlegt. Die Maria bewegt sich weich und zögerlich. Der Maschinenmensch bewegt sich in Winkeln. Man erkennt in jeder Einstellung, welche der beiden man sieht, ohne dass ein Zwischentitel es sagen muss.
Rudolf Klein-Rogge als Rotwang ist die andere Hälfte davon. Der Mann spielt vier Jahre später den Verbrecherboss in M, ebenfalls unter Lang, und der steht bei uns auf 9,5. Wer beide sieht, versteht, wie eng dieses Ensemble gearbeitet hat.
Welche Fassung du siehst, entscheidet über den Film
Hier wird es unübersichtlich, und die meisten Datenbanken helfen nicht. Die von der Zensur freigegebene Uraufführungsfassung maß 4.189 Meter in neun Akten. Für den regulären Kinostart im Sommer 1927 wurde daraus eine Verleihfassung von 3.241 Metern. Rund dreißig Minuten galten danach als verloren.
Was man heute bekommt, ist die Rekonstruktion der Friedrich-Wilhelm-Murnau-Stiftung: 3.946 Meter, nach deren Angabe 144 Minuten, in der digitalisierten Auswertung 150 Minuten. Der Unterschied zwischen diesen beiden Zahlen ist keine Schlamperei, sondern die Vorführgeschwindigkeit. Stummfilme laufen je nach Fassung mit unterschiedlicher Bildrate.
Und dann gibt es die Kürzungen: 109 Minuten, 93 Minuten, 87 Minuten. Giorgio Moroder brachte 1984 eine eigene Version mit Popmusik heraus. TMDB führt 153 Minuten, Rotten Tomatoes nennt zwei Stunden drei Minuten. Beide Zahlen beschreiben etwas, das man so heute nicht mehr kaufen kann. Achte auf den Zusatz „Der komplette Metropolis“, dann hast du die richtige.
Ein Spiegel im 45-Grad-Winkel
Die Stadtaufnahmen sind der Grund, warum dieser Film 1927 wie Zauberei wirkte, und dahinter steckt eine Idee von Eugen Schüfftan. Er stellte einen teilweise abgekratzten Spiegel schräg vor die Kamera: Im verspiegelten Teil erscheint die Miniaturkulisse, durch den freigekratzten Teil sieht man die echten Schauspieler.
Das Verfahren trägt seinen Namen und wurde weit über diesen Film hinaus benutzt, unter anderem von Hitchcock in Blackmail von 1929. Die Kamera führten Günther Rittau und Karl Freund, die Tricks verantworteten Schüfftan und Ernst Kunstmann. Gedreht wurde vom 22. Mai 1925 bis zum 30. Oktober 1926, also siebzehn Monate.
Mir gefällt daran, dass es eine handwerkliche Lösung ist und keine Rechenleistung. Ein Spiegel, ein Winkel, sauber ausgeleuchtet. Wenn heute ein Studio dieselbe Aufnahme baut, kostet sie sechsstellig und altert innerhalb von fünf Jahren.
Wer da spielt, und warum niemand synchronisiert wurde
- Brigitte Helm als Maria und als Maschinenmensch, ihr Debüt mit achtzehn Jahren
- Gustav Fröhlich als Freder Fredersen, der Sohn, der nach unten geht
- Alfred Abel spielt den Stadtherrn Joh Fredersen. Er spielt ihn nicht als Bösewicht, sondern als Verwalter, und das ist die klügere Entscheidung.
- Rudolf Klein-Rogge als Rotwang, vier Jahre später der Schränker in M
- Theodor Loos taucht als Josaphat auf, die einzige Figur im Film, die zuhört
- Ein Synchronstudio gab es nicht und braucht es nicht. Stummfilm heißt Zwischentitel, und die deutsche Fassung ist damit automatisch die Originalfassung. Für einmal ist die Sprachfrage keine.
5,3 Millionen Reichsmark, und die Ufa war fast weg
Das Budget lag bei 5,3 Millionen Reichsmark und war damit das höchste, das ein deutscher Stummfilm je verbraucht hat. Eingespielt hat der Film davon einen Bruchteil. Die Ufa geriet dadurch in eine Schieflage, aus der sie nur mit fremdem Geld herauskam.
Das ist die Ironie an der Sache: Der einflussreichste deutsche Film aller Zeiten war eine Fehlkalkulation. Bei Citizen Kane lief es vierzehn Jahre später ähnlich, künstlerisch Maßstab, kaufmännisch ein Problem.
Die Zensur gab den Film am 13. November 1926 mit Jugendverbot frei. Die Altersfreigabe wanderte über die Jahrzehnte nach unten: 1962 ab 16, ab 1995 ohne Beschränkung, seit 2011 ab 6 Jahren. Ein Film, der einmal als jugendgefährdend galt, ist heute Grundschulstoff.
H. G. Wells fand es albern
Der Mann, der die Science-Fiction als Literaturform mitgebaut hat, verriss Metropolis 1927 als den albernsten Film, den er kenne. Seine Begründung: Die Automatisierungslogik sei falsch gedacht, und Teile seien bei Frankenstein, bei R.U.R. und bei ihm selbst abgeschrieben.
Er hatte in einem Punkt recht. Der Film denkt Technik nicht durch, er inszeniert sie. Warum eine Stadt mit dieser Maschinerie ausgerechnet Menschen an Hebeln braucht, erklärt niemand. Wells wollte einen Entwurf und bekam eine Oper.
Nur hat sich die Filmgeschichte für die Oper entschieden. Von Wells‘ Verfilmungen redet kaum jemand, Rotwangs Labor steht in jedem zweiten Genre-Film. Ich nehme das als Beleg dafür, dass Bilder länger halten als Argumente.
Das Herz als Mittler, und warum der Satz nicht trägt
Die Botschaft steckt im berühmtesten Zwischentitel des Films: Mittler zwischen Hirn und Händen müsse das Herz sein. Am Ende reichen sich Stadtherr und Arbeiterführer die Hand, und die Ursachen des Konflikts bleiben unverändert.
Das ist die Stelle, an der ich Punkte abziehe. Zweieinhalb Stunden Klassenkonflikt werden mit einem Händedruck beigelegt. Wer 1927 in einer Fabrik gearbeitet hat, dürfte das im Kino als Hohn empfunden haben. Das Drehbuch schrieb Thea von Harbou, damals Langs Ehefrau.
Dazu gehört ein unbequemer Nachsatz, den man bei diesem Film nicht weglassen sollte: von Harbou trat 1933 der NSDAP bei und blieb in Deutschland, wo sie weiter Drehbücher schrieb. Lang ging ins Exil, 1934 wurde die Ehe geschieden. Das entwertet den Film nicht, aber es erklärt, warum die Versöhnungsformel so autoritätsfreundlich klingt.
Was 2008 in Buenos Aires im Regal stand
Paula Félix-Didier, Leiterin des Filmmuseums in Buenos Aires, fand ein 16-Millimeter-Negativ, das die verschollene Langfassung enthielt. Stark beschädigt, aber mit den Szenen, die seit 1927 fehlten. Die Rekonstruktion der Murnau-Stiftung hatte am 12. Februar 2010 eine Doppelpremiere in Frankfurt und Berlin.
Seitdem ist der Film so gut wie vollständig, ein kleiner Rest gilt weiter als verloren. Man sieht den zugefügten Passagen ihre Herkunft an, sie sind körniger und enger beschnitten als das übrige Material. Die Murnau-Stiftung hat sie bewusst nicht geglättet.
Diese Entscheidung finde ich richtig. Der Film zeigt damit seine eigene Beschädigung, statt sie zu überspielen. 2001 kam Metropolis als erster Film überhaupt in das Weltdokumentenerbe der UNESCO, und die sichtbaren Narben gehören zu dieser Geschichte dazu.
Zur Rekonstruktion gehört auch die Musik. Gottfried Huppertz schrieb 1927 eine eigene Orchesterpartitur, die den Bildern folgt und einzelnen Figuren feste Motive gibt. Für die Fassung von 2010 haben Frank Strobel und Marco Jovic sie neu eingerichtet und eingespielt. Wer den Film nur mit Giorgio Moroders Popfassung von 1984 kennt, hört hier tatsächlich einen anderen Film, und die Huppertz-Spur ist die, für die er gebaut wurde.
Die 9,3 und die 97 Prozent
Bei TMDB steht der Film auf 8,084 aus 3.141 Stimmen. Rotten Tomatoes führt 97 Prozent aus 141 Kritiken und 91 Prozent beim Publikum aus über 50.000 Bewertungen. Einen Metacritic-Score gibt es nicht.
Ich lande bei 9,3. Bildgestaltung, Bauten und Tricktechnik sind hier auf einem Niveau, das ich bei keinem anderen Film dieses Jahrzehnts sehe, und der Einfluss ist nicht behauptet, sondern in tausend späteren Filmen nachweisbar.
Der Abzug geht an das Drehbuch. Die Figuren sind Funktionen, Freder ist über zweieinhalb Stunden hinweg vor allem entsetzt, und die Auflösung nimmt sich selbst nicht ernst. Wer eine Geschichte mit Innenleben sucht, ist hier falsch. Wer sehen will, wo das Genre herkommt, ist genau richtig.
Wo Metropolis bei uns steht
Im Science-Fiction-Bereich ist das der älteste Titel, den wir besprochen haben, und er ist gleichzeitig der Ursprung der meisten anderen. 2001: Odyssee im Weltraum macht 1968 dasselbe mit dem Weltraum, was Lang mit der Stadt macht: Architektur vor Handlung.
Von Lang selbst haben wir M im Bestand, aus der deutschen Filmgeschichte inzwischen auch Die Ehe der Maria Braun. Murnaus Nosferatu von 1922 fehlt uns noch, dafür ist Robert Eggers‘ Nosferatu von 2024 besprochen. Die beiden nicht verwechseln, das sind zwei völlig verschiedene Filme mit demselben Titel.
Wer moderne Science-Fiction in dieser Linie sucht, findet bei uns eine Liste zu Filme wie Interstellar. Im Seriensegment lohnt der Blick in die Science-Fiction-Serien, wo die Stadt-als-Maschine gerade ein Comeback hat. Mehr Hintergrund liefert der englische Wikipedia-Artikel.
Das Urteil
Watcher-Score · redaktionelle EinzelwertungDafür
- Die Bauten von Hunte, Kettelhut und Vollbrecht haben die Genre-Optik definiert
- Das Schuefftan-Verfahren loest 1927 mit einem Spiegel, was heute sechsstellig kostet
- Brigitte Helms Doppelrolle funktioniert ohne einen einzigen Zwischentitel
- Die Rekonstruktion von 2010 zeigt ihre Narben statt sie zu glaetten
Dagegen
- Das Drehbuch behandelt Figuren als Funktionen
- Der Klassenkonflikt endet in einem Haendedruck
- Wer die falsche Fassung erwischt, sieht bis zu 63 Minuten weniger Film
Mittler zwischen Hirn und Haenden muss das Herz sein.— aus der Wertung von SerafinaDraconis
Schnelle Antworten
Antworten Schnelle Antworten zu Metropolis
Wo kann ich Metropolis streamen?
Metropolis läuft aktuell im Abo bei MUBI. Stand Juli 2026, Angaben für Deutschland ohne Gewähr.
Ab welchem Alter ist Metropolis freigegeben?
Metropolis ist in Deutschland ab FSK 6 freigegeben.
Wie lange dauert Metropolis?
Metropolis hat eine Laufzeit von rund 150 Minuten (2 Stunden und 30 Minuten).
Lohnt sich Metropolis?
Unsere Redaktion vergibt Metropolis einen Watcher-Score von 9,3 von 10. Das ist eine klare Empfehlung, besonders für Drama-Fans.
Für wen ist Metropolis geeignet?
Metropolis ist vor allem etwas für Drama und Science Fiction-Fans und alle, die herausragende Filme suchen.
Trailer
Besetzung
FAQ zu Metropolis: Fritz Langs Maschinenmensch und die teuerste Wette der Ufa
Wie lang ist Metropolis wirklich?
Wo kann ich Metropolis streamen?
Ist Metropolis ohne Stummfilm-Erfahrung anschaubar?
Was wurde 2008 in Buenos Aires gefunden?
Warum sehen manche Szenen schlechter aus als der Rest?
Ab welchem Alter ist Metropolis freigegeben?
Hat Metropolis einen Preis gewonnen?
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