One Punch Man startete am 5. Oktober 2015 auf TV Tokyo und ist jetzt bei 3 Staffeln und 36 Folgen. 8.5 von mir. Und bevor jemand fragt: ja, auch MIT Season 2.
Ein Anime über einen Typen der so stark ist dass er jeden Gegner mit einem einzigen Schlag besiegt. Das klingt nach der dümmsten Prämisse aller Zeiten. Ist es aber nicht. Es ist Genie. ONE (der Typ der den Webcomic gestartet hat, auf einer Website die aussah als hätte jemand in MS Paint gezeichnet) hat verstanden was Shonen-Anime seit Jahrzehnten falsch machen. Und dann hat er es umgedreht.
One Punch Man ist der Beweis dass eine Prämisse die auf dem Papier nicht funktionieren SOLLTE der genialste Anime des letzten Jahrzehnts sein kann. Saitama schlägt alles mit einem Punch kaputt und trotzdem hab ich bei Mumen Riders Szene gegen den Deep Sea King feuchte Augen bekommen. Madhouse hat mit Season 1 einen Animations-Standard gesetzt den ich bei jedem anderen Anime vermisse. J.C. Staff hat in Season 2 den Ball gedroppt — aber ONEs Writing rettet alles. 3,5 Millionen MAL-User. Platz 4 der populärsten Anime aller Zeiten. Und das mit Strichmännchen als Ausgangsmaterial. Peak.
Quellen & Einordnung
Beitrag aus dem Archiv. Die bisherige Note und der Text sind noch nicht nach unserem seit 10. Oktober 2026 geltenden Quellenverfahren überprüft. Die Kinokreis-Stimme ist eine fiktive Figur; ihre Ich-Formulierungen belegen keine persönliche Filmsichtung. Die bisherige Note bleibt bis zur Einzelprüfung als Archivwertung erkennbar.
Trailer
Unsere Einordnung
von WatchGuide-RedaktionEin Schlag. Fertig. Und trotzdem 36 Folgen.
Der Witz ist: Saitama ist NICHT der Protagonist im klassischen Sinne. Er ist das Ende jedes Kampfes. Er taucht auf, haut drauf, geht Lebensmittel einkaufen. Die eigentliche Geschichte passiert um ihn herum. Genos kämpft gegen ein Monster und gibt alles. Mumen Rider, ein C-Klasse-Held auf einem Fahrrad, stellt sich dem Deep Sea King entgegen, weil er der einzige ist der noch steht. DIESE Momente sind das Herz von One Punch Man. Nicht Saitamas Fäuste. Sondern die Frage: was bedeutet es ein Held zu sein, wenn der stärkste Mann der Welt sich nicht mal anstrengen muss?
Linus (der normalerweise keine Anime schaut, der normalerweise NICHTS schaut) hat sich in einer meiner Nachtschichten im Kino die erste Staffel reingezogen. Auf meinem Laptop. Im Pausenraum. Und am nächsten Morgen so: „Tom. Der Typ hat EINEN Schlag. Warum ist das so gut?“ Willkommen im Club, Linus. Willkommen im Club.
Madhouse. Und dann nicht mehr Madhouse.
Okay. Wir müssen über das Studio reden. Season 1 wurde von Madhouse produziert. Madhouse. Die Leute hinter Death Note, Hunter x Hunter 2011, Parasyte. Shingo Natsume hat als Regisseur Freelance-Animatoren aus der ganzen Branche zusammengetrommelt — Leute die an Mob Psycho 100, Space Dandy und FLCL gearbeitet haben. Das Ergebnis: eine der am besten animierten Anime-Staffeln die es gibt. Nicht „für 2015 gut.“ Gut. Punkt.
Der Boros-Fight im Staffelfinale. Leute. LEUTE. Saitama springt vom Mond zurück zur Erde. Boros wirft einen Planet-Buster-Angriff. Und Saitama macht… einen ernsten Schlag. Einen einzigen. „Serious Punch.“ Das Worldbuilding sagt: dieser Mann könnte den Planeten zerstören wenn er WIRKLICH zuschlagen würde. Und alles was wir sehen ist die abgeschwächte Version. Peak Anime. No cap. 8.48 auf MyAnimeList, Platz 4 der populärsten Anime aller Zeiten. 3,5 Millionen User haben die Serie auf ihrer Liste. Das sind keine Zahlen. Das ist ein Phänomen.
Und dann kam Season 2. J.C. Staff. Und man hat es GESEHEN. Die Flüssigkeit war weg. Die Kameraarbeit war statischer. Garous Kämpfe (die im Manga von Yusuke Murata absolut INSANE gezeichnet sind) sahen aus wie Powerpoint-Präsentationen mit Speedlines. Stefan hat mir eine Nachricht geschickt nachdem er Folge 3 von Staffel 2 gesehen hat: „Tom, ist das ein anderer Anime?“ Ja, Stefan. Fühlte sich so an. J.C. Staff hat auch Food Wars und Toradora gemacht — beides gut. Aber OPM braucht ein Level an Animations-Ambition das nur wenige Studios leisten können.
Saitama hat Depression. Mit Fäusten.
Was mich an One Punch Man am meisten beeindruckt: es ist ein Anime über existentielle Krise. Ernsthaft. Saitama hat sein Ziel erreicht. Er ist der stärkste Mann der Welt. Und er ist… leer. Gelangweilt. Nichts fordert ihn mehr heraus. Er schaut mit leerem Blick auf einen Kämpfer der sein Bestes gibt und spürt — nichts. Das ist kein Superhelden-Problem. Das ist Burnout. Das ist die Frage die sich jeder stellt der sein großes Ziel erreicht hat: und jetzt?
Anke meinte letztens dass Saitama sie an einen Patienten aus ihrem alten Job erinnert. „Diese Leere. Wenn alles zu einfach ist und nichts mehr zählt.“ Anke ist normalerweise Team Horror, nicht Team Anime. Aber Saitamas emotionale Flatline hat sie gecatcht. Und das sagt was über ONEs Schreiben.
Fun Fact: ONE hat den Webcomic 2009 gestartet. Auf einer Seite namens „Tonari no Young Jump“ — und seine Zeichnungen sahen aus wie… naja. Strichmännchen mit Gesichtern. Kein Witz. Der Manga wurde so populär TROTZ der Zeichnungen, dass Yusuke Murata — einer der technisch besten Manga-Zeichner alive — sich FREIWILLIG gemeldet hat um ein Remake zu zeichnen. Muratas One Punch Man Panels gehören zu den detailliertesten die es im Manga gibt. Jede Doppelseite ist ein Poster. Und alles begann mit Strichmännchen. Die Origin-Story ist fast so gut wie der Anime selbst.
Genos. Der loyalste Fanboy der Anime-Geschichte.
Jeder Anime braucht einen Sidekick. Genos ist der beste. Ein 19-jähriger Cyborg der Saitama als seinen Meister ansieht und JEDES Wort aufschreibt das der Mann sagt. Saitama sagt: „Ich hab 100 Liegestütze, 100 Sit-ups, 100 Kniebeugen und 10 km Laufen gemacht. Jeden Tag. Drei Jahre lang.“ Genos schreibt es auf. Im Ernst. Er NOTIERT es. Und nimmt es todernst. Während Saitama offensichtlich trollt.
Die Dynamik zwischen den beiden ist Comedy-Gold. Saitama will einfach nur seine Ruhe und Sonderangebote im Supermarkt. Genos will Rache für seine zerstörte Familie und folgt Saitama wie ein verlorener Welpe. Kaito Ishikawa — der auch Inosuke in Demon Slayer spricht — gibt Genos diese Mischung aus Intensität und tragischer Ernsthaftigkeit die in jedem anderen Anime der Protagonist wäre. Aber in OPM ist er der Sidekick. Und genau DAS ist der Witz.
Die Hero Association. Oder: Bürokratie tötet Helden.
ONE hat nicht nur das Kampf-System parodiert. Er hat die gesamte Infrastruktur von Superhelden-Organisationen zerlegt. Die Hero Association rankt Helden in Klassen — S, A, B, C. Saitama? C-Klasse. Weil er die schriftliche Prüfung fast nicht bestanden hat. Der stärkste Mann der Welt hat eine Eins minus in Physik aber wird von der Bürokratie als Anfänger eingestuft. Das ist nicht nur Satire. Das ist das echte Leben in einem Anime-Kostüm.
Mumen Rider, ein Typ der mit einem Fahrrad kämpft, ist C-Klasse Rang 1. Er KÖNNTE in die B-Klasse aufsteigen. Tut er nicht. Weil er findet dass er dort sein sollte wo er am meisten gebraucht wird. Seine Szene gegen den Deep Sea King (wo er aufsteht, obwohl er weiß dass er verlieren wird, einfach weil sonst NIEMAND da ist) hat mich mehr getroffen als jeder Saitama-Schlag. Jannik Endemann gibt ihm in der deutschen Fassung genau die richtige Mischung aus Verzweiflung und Trotz. Peak Charakter-Writing in einem Anime der eigentlich eine Parodie sein soll.
Die Stimmen. Japanisch UND Deutsch.
- Makoto Furukawa als Saitama: dieser Deadpan-Tonfall. Kein anderer Seiyuu könnte „OK“ so sagen dass es gleichzeitig lustig und traurig klingt.
- Kaito Ishikawa als Genos. 110% Intensität in jeder Zeile. In jedem anderen Anime wäre er der Held. Hier ist er der Sidekick. Ironie als Kunstform.
- Hikaru Midorikawa: Garou. Der Anti-Held von Season 2 und 3. „Hero Hunter“ der eigentlich ein enttäuschtes Kind ist das nicht verstanden hat wie die Welt funktioniert.
- Aoi Yuuki als Terrible Tornado (Tatsumaki) — eine 28-jährige Esper die aussieht wie 14 und die Persönlichkeit eines wütenden Chihuahuas hat. Yuukis Stimme ist perfekt dafür.
- Yuuki Kaji als Speed-o‘-Sound Sonic. Ja, DER Yuuki Kaji. Eren Yaeger aus Attack on Titan. Als Ninja der von Saitama mit einem Schlag in die… na ja. Sagen wir mal: unglückliche Körpergegend getroffen wird.
- Hiroki Yasumoto als King: der S-Klasse-Held der eigentlich gar keine Kräfte hat. Sein „King Engine“ Herzschlag ist pures Angst-Comedy-Gold.
- Saori Hayami: Fubuki / Hellish Blizzard. Eleganz in einem Anime voller Wahnsinn.
- Mamoru Miyano als Sweet Mask: der eitle Beauty-Held. Miyano ist auch Light Yagami aus Death Note. Passend.
Fabian Oscar Wien als deutscher Saitama. Treffer. Der Typ macht diesen absolut toten Tonfall auf Deutsch genauso gut wie Furukawa auf Japanisch. „OK.“ Ein Wort. Und du lachst. Nico Sablik als Genos bringt die Intensität die der Charakter braucht — in einer anderen Serie wäre Sablik die Hauptstimme. Hier ist er der über-enthusiastische Sidekick und macht es mit vollem Ernst. Patrick Baehr als Sonic klingt genau so genervt wie der Charakter sein sollte. Gute Synchro für einen Anime der lebt und stirbt mit seinem Timing.
Was ONE verstanden hat und 99% aller Shonen nicht.
In Naruto trainiert der Held, wird stärker, besiegt den Gegner. Repeat. In My Hero Academia — auch gut, bevor hier jemand kommt — ist der Arc: Held hat Schwäche, trainiert, überwindet. Repeat. Das ist die Shonen-Formel. Und sie funktioniert. Seit Jahrzehnten.
ONE hat gefragt: was passiert DANACH? Was passiert wenn der Held bereits am Ziel ist? Wenn es keine Herausforderung mehr gibt? Wenn der Endgame-Content ausgeht und du trotzdem weiterspielen musst? Saitama ist der Held der das Spiel durchgespielt hat und jetzt den Daily Quests nachgeht. Lebensmittel einkaufen. Fernsehen gucken. Warten dass irgendwas ihn fordert. Das ist keine Parodie. Das ist Philosophie in Anime-Form.
Und DAS ist der Grund warum OPM funktioniert obwohl Saitama jeden Kampf mit einem Schlag gewinnt. Weil der Kampf nie der Punkt ist. Der Punkt ist: warum kämpfen wir überhaupt? Was gibt uns Bedeutung? Wenn alles zu einfach ist — hat irgendwas noch Wert? Heavy stuff für einen Anime mit einem glatzköpfigen Typen im gelben Anzug. Aber hey. Dandadan hat Aliens und Geister und funktioniert trotzdem als Coming-of-Age. Anime ist wild. Und das meine ich als Kompliment.
Bewertung
Bisherige EinschätzungArchivwertung: Quellenbasis und Gewichtung noch nicht nach dem neuen Verfahren geprüft. Quellen & Einordnung
Bewertet von WatchGuide-Redaktion, die Wertung steht oben.
Dafür
- Season 1 Animation von Madhouse
- Saitamas existentielles Drama
- Genos als bester Sidekick
- ONEs Shonen-Dekonstruktion
- Mumen Rider
Dagegen
- Season 2 Animations-Downgrade
- Garou-Arc im Anime ungekürzt langatmig
- Season 3 noch nicht auf Madhouse-Level
I'm just a guy who's a hero for fun.Aus der Wertung von WatchGuide-Redaktion
Wer streamt One Punch Man?
Verfügbarkeit DEStand 14.10.2026: One Punch Man läuft im Abo bei Crunchyroll, mit deutscher Synchronfassung.
Stand 14.10.2026 · Streaming-Daten: JustWatch (via TMDB), Movie of the Night · ohne Gewähr
Staffeln & Folgen
aus der WatchGuide-DatenbankS1Staffel 1· 12 Folgen · ab Okt. 2015▾
S2Staffel 2· 12 Folgen · ab Apr. 2019▾
S3Staffel 3· 12 Folgen · ab Okt. 2025▾
Besetzung
1 Rollen- SaitamaMakoto Furukawa


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