Countdown zum Serienstart
The Shards: Ryan Murphy verfilmt Bret Easton Ellis, und ich bin skeptisch ist noch nicht erschienen. Streaming-Anbieter tragen wir ein, sobald die Serie nach dem Start verfĂŒgbar ist. Termin kann sich verschieben.
Die Vorschau
von FilmSchneiderThe Shards startet am 6. August 2026 bei Disney+, einen Tag nach der US-Premiere bei FX, und mit dieser Serie treffen zwei Handschriften aufeinander, die eigentlich nicht zusammenpassen: die von Ryan Murphy und die von Bret Easton Ellis.
Zehn Folgen, Los Angeles im Jahr 1981, eine Eliteschule und ein Serienmörder, den sie den Trawler nennen. Der Stoff ist erstklassig. Ăber die Verpackung mache ich mir Sorgen.
Ellis schreibt kalt. Murphy inszeniert heiĂ.
Hier liegt meine ganze Skepsis, deshalb fange ich damit an. Bret Easton Ellis‘ Prosa lebt vom ZurĂŒckhalten: flache SĂ€tze, Figuren ohne erkennbaren Puls, eine Bedrohung, die nie ausgesprochen wird. Ryan Murphy macht seit âGlee“ und âAmerican Horror Story“ das Gegenteil. Er verstĂ€rkt, er unterstreicht, er erklĂ€rt.
Beides kann fĂŒr sich funktionieren. Zusammen ist es eine Wette. Ellis‘ Roman von 2023 wirkt vor allem deshalb, weil dem ErzĂ€hler nicht zu trauen ist und der Text einem nie sagt, woran man ist. Sobald eine Serie das mit MusikeinsĂ€tzen und Schnittrhythmus deutlich macht, ist die Spannung weg. Ich brauche keine ErklĂ€rung, ich brauche die Leerstelle.
Was mir Hoffnung macht: Ellis ist diesmal selbst als Serienschöpfer an Bord, gemeinsam mit Murphy. Das ist ein Unterschied zu frĂŒheren Verfilmungen seiner BĂŒcher, bei denen er auĂen vor blieb. Wenn er im Raum sitzt, wĂ€hrend jemand eine Szene zu deutlich machen will, gibt es zumindest eine Gegenstimme.
Der Roman ist 736 Seiten lang und wurde zuerst vorgelesen
Die Vorlage erschien 2023, auf Deutsch bei Kiepenheuer & Witsch am 17. Januar, ĂŒbersetzt von Stephan Kleiner, 736 Seiten stark. Ungewöhnlich war der Weg dorthin: Ellis veröffentlichte den Text zunĂ€chst als fortlaufendes Hörbuch, Folge fĂŒr Folge, bevor er als gedrucktes Buch erschien.
Diese Entstehungsgeschichte finde ich fĂŒr die Serienfassung aufschlussreich. Ein Text, der von vornherein in Portionen gedacht war, hat bereits eine episodische Statik. Zehn Folgen sind also keine GewaltĂŒbersetzung, sondern liegen nah an der ursprĂŒnglichen Bauform. Das nimmt mir eine meiner Sorgen.
Der Stoff selbst ist Autofiktion. Ellis schreibt sich als SiebzehnjÀhrigen in die eigene Geschichte hinein, verlegt sie in sein tatsÀchliches Abschlussjahr an einer Privatschule in Los Angeles und lÀsst einen erfundenen Serienmörder hineinlaufen. Die deutsche Kritik hat das Buch 2023 breit besprochen, vom Spiegel bis zur Zeit. Es ist der ernsteste Text, den Ellis seit langem geschrieben hat.
1981, Buckley, und ein Neuer namens Robert Mallory
Die Handlung setzt im letzten Schuljahr an. Der siebzehnjĂ€hrige Bret besucht die elitĂ€re Buckley-Schule, als ein neuer MitschĂŒler namens Robert Mallory auftaucht, dessen Ankunft zeitlich mit den Taten des Trawler zusammenfĂ€llt. Ob das Zufall ist, lĂ€sst der Stoff bewusst offen.
Das ist eine Versuchsanordnung nach meinem Geschmack, weil sie ohne einen einzigen Effekt auskommt. Ein Junge, der ĂŒberzeugt ist, dass mit dem Neuen etwas nicht stimmt, und ein Umfeld, das ihm nicht glaubt. Ob die Paranoia begrĂŒndet ist oder ob wir einem ErzĂ€hler beim Zusammenbrechen zusehen, ist die eigentliche Frage.
Genau darin liegt die Falle fĂŒr eine Serienfassung. Wer zu frĂŒh entscheidet, was wahr ist, verliert alles. Wer zu lange offen lĂ€sst, verliert das Publikum. Das ist Drehbuchmechanik auf schmalem Grat, und daran werde ich die Serie messen. Gedreht wurde ĂŒbrigens zwischen November 2025 und MĂ€rz 2026, also mit reichlich Zeit fĂŒr den zehnteiligen Bogen.
Die Besetzung ist ein Statement, und zwar ein doppeltes
Der Cast erzÀhlt zwei Geschichten gleichzeitig. Die eine handelt von Schauspielern, die Genre-Erfahrung mitbringen. Die andere ist ein Casting-Coup, wie ihn nur Ryan Murphy einfÀdelt.
- Igby Rigney als Bret Easton Ellis, und Rigney kommt direkt aus dem Mike-Flanagan-Universum, unter anderem aus Midnight Mass und âThe Fall of the House of Usher“
- Homer Gere spielt Robert Mallory, den rÀtselhaften Neuen. Er ist 26 und der Sohn von Richard Gere
- Kaia Gerber ĂŒbernimmt Susan Reynolds. Ihre Mutter Cindy Crawford war von 1991 bis 1995 mit Richard Gere verheiratet, was diese Doppelbesetzung zu einer sehr murphyschen FuĂnote macht
- Wes Bentley als Terry Schaffer, fĂŒr mich der interessanteste Name im Aufgebot, seit er 1999 in âAmerican Beauty“ den Jungen mit der Kamera gab
- Evan Rachel Wood gibt Liz Schaffer
- Graham Campbell als Thom Wright, dazu Hayes Warner als Debbie Schaffer und Jordan Roth als Steven Reinhardt
Bentley ist der Grund, warum ich mir um die Erwachsenenrollen keine Sorgen mache. Er kann Figuren spielen, die freundlich wirken und bei denen trotzdem etwas nicht stimmt, und das ist in dieser Geschichte die wichtigste FĂ€higkeit ĂŒberhaupt. Bei Rigney bin ich gespannt: Einen ErzĂ€hler zu spielen, dem das Publikum nicht trauen soll, ist die schwerste Aufgabe im ganzen Projekt.
Troye Sivan macht die Musik. Das ist kein Nebensatz.
FĂŒr die Originalmusik holt die Produktion Troye Sivan, Leland und Hayes Warner an Bord, letztere steht zugleich vor der Kamera. Bei einem Stoff, der im Los Angeles von 1981 spielt, ist die Musikauswahl keine Dekoration, sondern die halbe Miete fĂŒr den Ton der Serie.
Ellis‘ BĂŒcher sind voll von Popmusik-Referenzen, die als Zeitstempel und als emotionale BetĂ€ubung zugleich funktionieren. Seine Figuren hören Musik, um nichts fĂŒhlen zu mĂŒssen. Wenn eine Verfilmung das begreift, setzt sie Songs gegen die Szene statt darunter. Wenn sie es nicht begreift, bekommen wir eine Nostalgie-Playlist mit Bildern dazu.
Produziert wird die Serie von Ryan Murphy Productions fĂŒr 20th Television, Color Force ist ebenfalls beteiligt. Das ist eine teure Aufstellung, und teure Aufstellungen neigen dazu, auf Nummer sicher zu gehen. Bei einem Stoff, dessen ganze Wirkung auf Unbehagen beruht, wĂ€re das der falsche Instinkt.
Zwei Folgen zum Start, und ein Tag VerspĂ€tung fĂŒr uns
Die USA bekommen den Auftakt am 5. August 2026 mit gleich zwei Episoden bei FX und Hulu. In Deutschland lÀuft die Serie einen Tag spÀter an, ab dem 6. August 2026 bei Disney+, insgesamt zehn Folgen in der ersten Staffel.
Ein Tag Abstand ist nichts, und das ist eine gute Nachricht. Bei einer Serie, die von Spekulation und RĂ€tselraten lebt, entscheidet die NĂ€he zum Ursprungsstart darĂŒber, ob man den Diskussionen ausweichen kann. Wer in dieser Woche das Internet meidet, kommt unbeschadet durch.
FĂŒr die weitere Auswertung gilt: Disney+ ist die Heimat internationaler FX-Produktionen, ein Wechsel auf eine andere Plattform steht nicht im Raum. Wer die Serie sehen will, braucht ein Abo, und mehr Auswahl gibt es hier nicht.
Was du bis zum 6. August schauen kannst
Wer Ellis noch nicht kennt, fĂ€ngt beim naheliegendsten Titel an. American Psycho ist die bekannteste Verfilmung seiner BĂŒcher und zeigt beides: was an Ellis funktioniert und woran Adaptionen scheitern, wenn sie den kalten Ton in Ironie ĂŒbersetzen.
FĂŒr die Murphy-Seite lohnt ein Blick auf American Horror Stories, weil dort seine Handschrift in Reinform steht. Wer sich lieber auf den Serienmörder-Strang einstimmt, greift zu Zodiac, das Geduld ĂŒber Schockmomente stellt. FĂŒr das Highschool-Milieu bleibt The Breakfast Club der MaĂstab derselben Ăra, und wer die frĂŒhen Achtziger als Stimmung sucht, findet sie in Stranger Things. Mehr Empfehlungen stehen in unserer Liste der besten Serien aller Zeiten und im Bereich Drama-Serien.
Erwartungen vor dem Start
keine WertungEllis' Prosa lebt vom ZurĂŒckhalten. Murphy verstĂ€rkt, unterstreicht und erklĂ€rt. Zusammen ist das eine Wette.â vorab eingeschĂ€tzt von FilmSchneider
â Darauf freuen wir uns
- Bret Easton Ellis ist diesmal selbst Serienschöpfer, nicht nur Vorlagengeber
- Der Roman war von Anfang an in Folgen gedacht, zehn Episoden passen zur Bauform
- Wes Bentley kann Figuren spielen, bei denen etwas nicht stimmt
- Ein unzuverlÀssiger ErzÀhler als Zentrum, ohne einen einzigen Effekt
- Nur ein Tag Abstand zum US-Start
â Das macht uns nervös
- Ryan Murphys Handschrift verstĂ€rkt und erklĂ€rt, Ellis' Prosa hĂ€lt zurĂŒck
- Musik aus der Ăra kann zur Nostalgie-Playlist verkommen
- Wer zu frĂŒh entscheidet, was wahr ist, verliert die ganze Spannung
- Teure Produktionen neigen dazu, beim Unbehagen zu bremsen
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