Poster zur Serie Es (1990): Tim Curry und der Pennywise der eine Generation traumatisierte (1990) Horror-Meisterwerk, WatchGuide-Auszeichnung „Der Watcher"

Es (1990): Tim Curry und der Pennywise der eine Generation traumatisierte (1990)

💀 Horror-Meisterwerk 📺 Serie 1 Staffel · 2 Folgen MysteryDrama FSK 16 Miniserie
⚡ Kurz gesagt

'Es' beweist, dass die besten Monster nicht CGI brauchen, sondern großartige Schauspieler. Ein zeitloser Horror-Klassiker, der auch 30 Jahre später unter die Haut geht. 8.5/10 Punkte.

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Der Seriencheck

von NordNoir

Stephen Kings Es. Die ABC-Miniserie von 1990. Tim Curry als Pennywise. Der Horrorfilm der eine ganze Generation traumatisiert hat und der seitdem als das Pennywise-Original gilt das nichts und niemand jemals ersetzen wird.

Ich war neun als das Ding über den Atlantik schwappte und im danischen Fernsehen lief, irgendwann im Herbst 1991 nach der US-Premiere, und mein Vater Jens hat mich nicht zugucken lassen. Was natürlich bedeutet dass ich es trotzdem gesehen habe, heimlich, auf der VHS-Aufnahme die meine Cousine Mette in Sonderborg für ihren großen Bruder gemacht hatte, mit Knirschen im Bild und einem Werbeblock für dansk Folkpension mittendrin, und Tim Curry hat sich an dem Abend in mein Hirn gegraben wie ein Splitter den man nicht mehr rauskriegt – nicht so ein hippes literarisches Bild, sondern ein echter Splitter, einer der bei jeder neuen Pennywise-Adaption in den letzten dreißig Jahren wieder vor und zurück wandert. 9.5 von 10. Das ist DER Horrorfilm meiner Generation. Ich werde das jetzt erklären.

Ein Sonntagabend im November 1990

Manchmal vergisst man wie selten Fernsehmomente echt sind. ABC hat am 18. November 1990 den ersten Teil ausgestrahlt und in Amerika sind an dem Abend über 30 Millionen Menschen vor dem Fernseher gesessen, als im Wohnzimmer plötzlich Tim Curry aus einem Gully heraufgrinste. Der zweite Teil zwei Tage später, am 20. November, hat dieselbe Wirkung gehabt – und in den Wochen danach hat Es als Network-Special einen Kulturmoment ausgelöst den nur sehr wenige TV-Filme jemals geschafft haben. Das ist Twin Peaks-Niveau. Das ist Roots-Niveau. Das ist eine Miniserie über die zwei Generationen von amerikanischen Kindern Albträume hatten.

Bevor Andy Muschietti 2017 mit Horror Bill Skarsgaard in den Sewer geschickt hat, gab es das hier – und das hier war das Original. Regie führte Tommy Lee Wallace, der vorher schon bei Halloween III: Season of the Witch Regie geführt hatte und der eine eigene seltsame John-Carpenter-Vergangenheit mitbrachte. Lawrence D. Cohen hat das Drehbuch geschrieben und Cohen kannte das King-Universum bereits, weil er auch Carrie 1976 für Brian De Palma adaptiert hatte. Beide Männer wussten was sie taten und beide haben mit den Mitteln eines 1990er-Network-Specials etwas geschafft das größer war als seine Mittel: einen Mythos.

3,5 Millionen Dollar pro Teil. Lorimar Television hat produziert, Warner Bros. hat es verteilt, ABC hat es gesendet. Auf Papier ist das ein Standardprojekt der TV-Movie-Industrie. In der Realität ist das die Geburtsstunde von Pennywise als Kulturikone. Stephen Kings Roman war erschienen 1986, war damals der Bestseller des Jahres, war 1.138 Seiten lang, und niemand hatte erwartet dass jemand das Buch verfilmen könnte ohne sich in der Vorlage zu verheddern. Wallace und Cohen haben es geschafft. Nicht perfekt, ich werde ehrlich sein, aber der Kern, das was den Roman zum Roman macht, ist drinnen geblieben, und der Mann der diesen Kern getragen hat heißt Tim Curry.

Curry. Das einzige Wort das man braucht.

Es gibt diese eine Szene. Die mit Georgie. Das Papierschiff im Regenwasser, der Gully, die gelbe Regenjacke – und dann lehnt sich diese Gestalt aus der Kanalisation und sagt Hi, Georgie, mit einer Stimme die ich seit dreißig Jahren nicht aus meinem Kopf rauskriege. Curry hat das in einer einzigen Take gemacht, sagt die Legende. Ich glaube an die Legende. Curry war Anfang vierzig als er Pennywise gespielt hat, klassisch ausgebildeter Theaterschauspieler, jemand der den Frank N. Furter auf der Bühne entwickelt hat bevor man einen Film daraus gemacht hat, und in jeder Geste die er als Pennywise macht steckt diese theatralische Überhöhung – das Augenrollen, das Zähnefletschen, die Art wie er Eddie Kaspbrak Eddie-Spaghetti nennt und jedes a in die Länge dehnt als würde er das Wort gerade selbst zum ersten Mal hören und es ihm dabei ungelaublich gut gefallen würde.

Es gibt Performances die einen Schauspieler definieren und es gibt Performances die das Genre definieren. Currys Pennywise tut beides. Vor 1990 gab es keine Pennywise-Bilder im kollektiven Kulturgedächtnis. Nach 1990 gab es nur noch eines: Currys gelbgrinsende Maske, den orange-rot zerzausten Haarkranz, die Augen die einen ansehen als wäre man die nächste Mahlzeit und gleichzeitig als wäre das ein Witz über den nur Pennywise selbst lachen kann. Jeder Pennywise nach Curry – Bill Skarsgaards 2017er Version eingeschlossen, die ich übrigens auch sehr mag und in meinem It-Review zur Muschietti-Version mit Liebe behandelt habe – ist eine Antwort auf Curry. Curry ist die Frage die alle anderen versuchen müssen.

Ich hab Curry vorher schon gekannt, über meinen Vater, der mir Rocky Horror auf VHS gezeigt hatte als ich vierzehn war (auch heimlich, auch ohne Birgits Wissen) und ich konnte als Kind nicht trennen dass das derselbe Mensch war. Der singende Transvestit aus dem Schloss und der lachende Clown aus dem Gully. Mein Hirn hat das jahrelang als zwei verschiedene Personen abgespeichert. Erst mit zwanzig habe ich realisiert: Das ist EINE Schauspielerei-Performance, geteilt durch fünfzehn Jahre und zwei Genres, und der Mensch der das kann ist nicht von dieser Welt. Curry ist uhyggelig ohne Make-up. Wenn man ihm das Pennywise-Outfit ausziehen würde und ihn auf einen Stuhl setzen würde, würde man immer noch wegrutschen. Mein Vater hat das mal so gesagt: Den mand kan ikke lade være med at se ind i dig. Der Mann kann nicht aufhören in dich reinzugucken. Und das ist genau das richtige Wort für Currys Pennywise. Er spielt nicht Angst. Er spielt Aufmerksamkeit. Eine Aufmerksamkeit die du nicht willst und die nicht weggeht, auch nicht wenn du den Fernseher ausmachst.

Warum die Miniserie etwas hat was kein moderner Horror je wieder hinkriegt

Es passiert nicht oft dass eine technisch begrenztere Produktion die späteren Versionen in einer fundamentalen Sache schlägt. Bei Es ist es so. Die 1990er Version sieht aus wie sie ist (weichgezeichnet, mit den TV-Production-Limits ihrer Zeit, mit Werbepausen-Bedingten Storypausen) und gerade weil sie so aussieht funktioniert sie so wie sie funktioniert. Sie atmet etwas was die Muschietti-Version mit ihren 35 Millionen Budget und ihrem hochpolierten Atmosphärendesign nicht herstellen kann: das Gefühl dass es echt sein KÖNNTE. Dass dieses Pennywise nicht ein Designer-Monster aus dem Visual-Effects-Department ist, sondern jemand der wirklich da unten wartet, im Gully um die Ecke, vielleicht in deiner Straße, wenn du nur lange genug an einem regnerischen Nachmittag vorbeigehst.

Das hat mit Texturen zu tun. Die 1990er Version hat dieses körnige TV-Bild, diese ausgewaschenen Farben, das matte Licht das jeder amerikanische Sonntagabend hatte bevor 4K und Dolby Vision das Fernsehbild zu einer Glasscheibe gemacht haben – und dieses Bild fühlt sich an wie eine Kindheitserinnerung. Wie etwas das man wirklich gesehen haben könnte, vielleicht im Sommerurlaub bei der Tante in Maine, vielleicht im Halbschlaf um drei Uhr nachts, der Fernseher noch an, die Eltern schon im Bett. Muschietti hat 2017 Bilder gemacht die schöner sind und manchmal sogar erschreckender, aber sie fühlen sich an wie KINO. Die 1990er Version fühlt sich an wie eine schlechte Erinnerung an etwas das man wirklich erlebt hat. Es ist der Unterschied zwischen einem Albtraum den man im Kino schaut und einem Albtraum der einen heimsucht weil man glaubt er sei Teil der Erinnerung.

Stefan würde jetzt sagen ich erzähle hier wieder Gefühlsphilosophie statt Filmanalyse. Stefan ist mein Mann und ich liebe Stefan und Stefan hat in vielen Dingen recht aber hier nicht. Und ich glaube er weiß das auch, denn ich habe ihn 2018 dabei erwischt wie er die Miniserie abends im Wohnzimmer noch mal angeschaut hat, ohne mich zu fragen, mit Kubrick auf dem Schoss, und als ich reinkam hat er so getan als sei er gerade durchgezappt. Stefan bei einer Lue­ge zu erwischen ist selten genug dass ich es mir gemerkt habe. Curry hat Stefan auch erwischt. Niemand kommt an Curry vorbei. Niemand.

Die Looser's Club Kinder von 1990

Ich hab so viel über Curry geredet dass ich über die Kinder noch nichts gesagt habe und das ist nicht fair. Die Kinder von 1990 sind das emotionale Fundament dieser Miniserie. Jonathan Brandis als junger Bill Denbrough ist der Anker. Brandis war 14 als er das gedreht hat, mit einem Stottern das er nicht übertreibt und nicht versteckt und das er mit einer Trauer um Georgie spielt die in den ersten 20 Minuten der Miniserie den Boden für alles legt was danach kommt. Brandis spätere Geschichte ist eine Tragik für sich – er hat sich 2003 mit 27 Jahren das Leben genommen, und ich kann ehrlich gesagt das Stuhlbein nicht weg-gucken wenn ich ihn als 12-jaehrigen Bill mit dem Stottern sehe. Brandis hatte etwas was junge Schauspieler selten haben: er war anwesend. Er stand im Bild und hat sich nicht verstellt. Das war bei Sophia Lillis 2017 wieder so – und wenn ihr beide Beverly-Marsh-Performances vergleicht, werdet ihr sehen dass Emily Perkins 1990 nicht weniger wahrhaftig ist als Lillis. Sie hat nur weniger Zeit auf der Leinwand bekommen.

Seth Green als junger Richie Tozier (ja, der spätere Buffy-Oz, der Robot-Chicken-Schöpfer, der gleiche Mensch) war 16 als er das gespielt hat und seine Comic-Timing war damals schon scharf wie ein Küchenmesser. Und Emily Perkins als junge Beverly Marsh, die später eine kleine kanadische Horror-Karriere hingelegt hat mit Ginger Snaps – einem Werwolf-Indie-Film den ich Anke-Style verteidigen werde wann immer es nötig ist – ist hier der Beweis dass auch eine Network-TV-Miniserie eine vollständige weibliche Hauptfigur tragen kann wenn das Drehbuch sie lässt.

Was Wallace und Cohen mit dieser Kindergruppe geschafft haben ist eine Coming-of-Age-Schicht, eingeflochten in einen Horrorfilm, die später den Standard für das ganze Subgenre gesetzt hat. Stranger Things gäbe es nicht ohne diese 1990er Kinderperformance. Die ganzen 80er-Coming-of-Age-Horror-Wellen der 2010er und 2020er fußen auf dem was hier 1990 ein einziges Mal etabliert wurde. Es ist nicht zu übertreiben wenn ich sage: Die Looser's-Club-Phase dieser Miniserie ist eine der einflussreichsten Stunden Fernsehen die das Horror-Genre je gehabt hat.

Teil Zwei und der Klotz im Magen den ich trotzdem liebe

Ich werde jetzt etwas sagen was ich sagen muss weil ich ehrlich bin. Teil Zwei ist nicht so gut wie Teil Eins. Das ist die nüchterne Wahrheit über Stephen Kings Es als Miniserie und das ist auch die Erkenntnis die jeder Fan der Miniserie irgendwann verarbeitet hat. Teil Eins ist 1960, Derry, die Kinder – und das funktioniert weil die Kinder gut besetzt sind, weil Curry frei aus dem Untergrund ploppt wann immer er will, und weil die Coming-of-Age-Schicht echt trägt. Teil Zwei ist 1990, die Erwachsenen, das Wiedersehen. Curry hat darin weniger zu tun. Das Make-up sieht in den helleren Innenräumen schwächer aus. Und das große Finale mit dem (ich werde nicht spoilern aber jeder der die Miniserie kennt weiß was ich meine) dem Ding im Tunnel funktioniert ehrlich gesagt nicht besonders gut.

Aber das ist okay. Und ich sage das mit der vollen Liebe einer Anke die diese Miniserie seit dreißig Jahren als ihr Fundamentstück behandelt: Das ist okay. Stephen King selbst hat in Interviews zugegeben dass das Finale aus seinem Roman im Grunde unfilmbar ist. Das Ding ist im Buch eine kosmische Kakerlake aus einer anderen Dimension, etwas das in Worten funktioniert aber das auf der Leinwand sofort albern wirkt. Wallace hat es 1990 nicht hingekriegt. Muschietti hat es 2019 in Es Kapitel 2 auch nicht hingekriegt, mit einem Vielfachen des Budgets. Manche Buchstellen wollen einfach nicht ins Bild. Und manche Filme bekommen ihren Platz in der Filmgeschichte nicht durch ihr Finale, sondern durch ihre Mitte. Es ist so ein Film. Tim Currys Gully-Auftritt ist die Mitte. Alles was rundrum nicht so gut ist, ist ein Fußnoten in der Geschichte eines Werks das größer ist als jede einzelne Schwäche. Ich gebe der Miniserie 9.5 von 10, und das nicht trotz Teil Zwei, sondern wegen allem anderen.

Was ich heute noch fühle wenn jemand "Hi Georgie" sagt

Mein Magen zieht sich zusammen. Sofort. Auch heute, mit 44 Jahren, nach hunderten von Horrorfilmen die ich seitdem geschaut habe, viele davon objektiv besser konstruiert, viele davon subtiler, viele davon klüger gefilmt – bei diesen zwei Worten passiert dasselbe wie damals in Sonderborg auf Mettes Bett, das Knirschen der VHS, die orange-blau körnige TV-Stimmung, mein Vater unten in der Küche der nichts ahnt. Das ist die Definition von Horror der bleibt. Das ist der Beweis dass diese Miniserie etwas geschafft hat was sehr wenige Horrorfilme jemals schaffen: Sie hat sich in eine Generation eingebrannt und ist nie wieder rausgegangen.

Die Filmpalette in Köln zeigt die Miniserie alle paar Jahre als Halloween-Marathon, und ich gehe jedes Mal hin, allein, mit meiner roten Horror-Decke (Stefan hält das für affig, was er nicht versteht ist dass die Decke wichtig ist). Tom war einmal mit, vor zwei Jahren, und hat mir nachher gesagt er fand sie vintage – was in seinem Wortschatz heißt dass er versteht warum sie wichtig ist aber nicht ganz reinkommt. Toms Cousine zu sein bedeutet manchmal dass wir verschiedene Generationen Horror-Sprechen sprechen. Tom hat mit Skarsgaard angefangen. Ich hatte Curry. Wir lieben verschiedene Pennywises und das ist okay – aber ich sage Tom jedes Mal: Wenn du jemals verstehen willst warum die Leute Pennywise zu einer Ikone gemacht haben, dann musst du Curry sehen. Skarsgaard erbt etwas das Curry erschaffen hat. Ohne Curry gibt es keinen modernen Pennywise.

Die Gesichter aus Derry

  • Tim Curry als Pennywise: eine der definierenden Horror-Performances der Filmgeschichte. Mehr Worte braucht es nicht, ich habe genug davon geschrieben.
  • Richard Thomas als erwachsener Bill Denbrough: viele kennen ihn als John-Boy aus The Waltons. Sanfter Mann, sanfte Stimme, das passt zu Bill.
  • John Ritter als erwachsener Ben Hanscom: der Three's-Company-Star bringt eine traurige Wärme rein die man nicht erwartet hätte.
  • Annette O'Toole als erwachsene Beverly Marsh: weniger Material als sie verdient, mehr Präsenz als das Drehbuch ihr gibt.
  • Harry Anderson als erwachsener Richie Tozier: Anderson war Stand-Up-Comedian und hatte eine eigene Sitcom (Night Court). Hier macht er was Comedy-Schauspieler oft können wenn man sie lässt: er ist gut.
  • Tim Reid als erwachsener Mike Hanlon: einer der wenigen schwarzen Charaktere in einer 1990er Network-Miniserie der nicht entweder Cop oder Comic Relief ist.
  • Jonathan Brandis als junger Bill: das emotionale Zentrum von Teil Eins. Brandis war 14 als er das gedreht hat. Er war zu jung für diesen Film und gleichzeitig genau richtig.
  • Seth Green als junger Richie: ja, der Buffy-Oz, das Robot-Chicken-Hirn, hat hier mit 16 angefangen Teil seiner Karriere zu legen.
  • Emily Perkins als junge Beverly: später berühmt durch Ginger Snaps, eine kleine kanadische Horror-Perle.


Synchronstudio: Berliner Synchron AG (1991)
Jahr: 1991
Dialogregie: Andreas Pollak

Tim Curry|Pennywise / Robert Gray|Lutz Mackensy
Richard Thomas|Bill Denbrough (erwachsen)|Joachim Tennstedt
John Ritter|Ben Hanscom (erwachsen)|Frank-Otto Schenk
Annette O’Toole|Beverly Marsh (erwachsen)|Bettina Weiss
Harry Anderson|Richie Tozier (erwachsen)|Hans-Werner Bussinger
Tim Reid|Mike Hanlon (erwachsen)|Helmut Gauss
Jonathan Brandis|Bill Denbrough (jung)|Philipp Brammer

Quelle: Synchronkartei.de

Ein Vermächtnis das größer ist als der Film

Andy Muschietti hat 2017 Es als Kinofilm neu gemacht und das ist der Film über den heute die meisten Leute reden wenn sie Pennywise sagen. Bill Skarsgaard hat eine andere Pennywise-Idee gespielt, physischer, fremdartiger, mit einem Lazy Eye das Make-up und Performance gleichzeitig ist, und ich habe meinen Kommentar zur 2017er Version separat geschrieben weil das ein anderer Film ist. Aber wer Skarsgaard ohne Curry geschaut hat, dem fehlt der Anker. Skarsgaard hat einen Pennywise gespielt der sich an Curry abarbeitet, der Antworten gibt auf Fragen die Curry gestellt hat, der eine Hommage und gleichzeitig eine Distanzierung ist. Das ist ein wunderbarer Dialog zwischen zwei Performances über dreißig Jahre hinweg, und beide Versionen werden besser wenn man sie zusammen schaut. Aber wenn ihr nur eine schauen könnt: Curry. Immer Curry.

Es 1990 steht in einer Reihe von Stephen-King-TV-Adaptionen die in den 80ern und 90ern entstanden sind – Salem's Lot 1979 (Tobe Hooper, ja wirklich), die Shining-Miniserie 1997 als Kings eigene Antwort auf Kubrick, und später dann das wundervolle 1408 als Kinofilm. Stephen King hat eine besondere Beziehung zum Fernsehen und manchmal funktionieren seine Geschichten dort besser als im Kino, weil das langsame Tempo eines TV-Stückes seinen Romanen entgegenkommt. Es ist einer dieser Fälle. Es ist nicht zufällig dass die Miniserie als Form für King so oft funktioniert hat – Kings Welten brauchen Zeit. Network-TV hat ihm 1990 zwei mal 90 Minuten gegeben. Das war für einen 1.138-Seiten-Roman zu wenig, klar. Aber es hat gereicht um Pennywise unsterblich zu machen.

Tim Curry (der Mann der diese Miniserie wirklich getragen hat) ist 2024 verstorben. Mit 78 Jahren. Nach einem Schlaganfall der ihn zehn Jahre an den Rollstuhl gefesselt hatte. Ich habe an dem Tag eine Stunde im Büro gesessen und auf den Bildschirm gestarrt und ich habe zum ersten Mal gefühlt dass das Pennywise-Kapitel meiner Kindheit jetzt wirklich abgeschlossen ist. Tak, Tim. Det var godt. Det var mere end godt. Det var helt fantastisk.

#StephenKings #Es1990 #TimCurry #Pennywise #HorrorMiniserie #ABCMiniseries #Horrorfilm #StephenKing #TommyLeeWallace #WatchGuide

⚖️

Bewertung

Watcher-Score · redaktionelle Einzelwertung
Story9,0
Schauspiel10,0
Effekte6,5
Ton8,5

Dafür

  • Tim Currys Pennywise-Performance für die Ewigkeit
  • Teil Eins ist Horror auf höchstem Niveau
  • Coming-of-Age-Schicht setzte den Standard für das ganze Genre
  • Kult-Status seit 1990 ungebrochen

Dagegen

  • Teil Zwei deutlich schwächer als Teil Eins
  • Finale visuell unbefriedigend (wie im Buch)
Hi, Georgie. Aren't you going to say hello?Aus der Wertung von NordNoir
Ich fang mit dem Wichtigen an. Tim Curry. Tim Curry hat 1990 als Pennywise etwas geschaffen das keine Pennywise-Performance vor ihm und keine nach ihm jemals erreicht hat. Bill Skarsgaard war 2017 großartig, anders, fremdartiger, physischer – aber Skarsgaard erbt etwas das Curry erfunden hat. Vor 1990 war Pennywise eine Buchfigur. Nach 1990 war Pennywise eine Ikone. Diese Miniserie hat eine ganze Generation traumatisiert, hat Stephen Kings Roman erst wirklich in das kollektive Gedächtnis gebracht und hat den Standard für alles gesetzt was Horror in den Jahrzehnten danach versucht hat zu erreichen. Ja, Teil Zwei ist schwächer als Teil Eins. Ja, das Finale hält nicht ganz mit. Aber alles was zwischen dem ersten Frame und dem letzten guten Pennywise-Auftritt passiert ist Horror auf einem Niveau das selbst nach 36 Jahren nichts von seiner Wirkung verloren hat. 9.5 von 10. DER Horrorfilm meiner Generation. Tak, Tim. Det var godt.
📺

Wer streamt Es?

Verfügbarkeit DE

Stand 03.10.2026: Es läuft im Abo bei Max, mit deutscher Synchronfassung. Leihen oder Kaufen geht ab 2,99 €.

Stand 03.10.2026 · Streaming-Daten: JustWatch (via TMDB), Movie of the Night · ohne Gewähr

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Staffeln & Folgen

aus der WatchGuide-Datenbank
S1Staffel 1· 2 Folgen · ab Nov. 1990▾
E01Teil Eins18.11.90
E02Teil Zwei20.11.90
🎬

Trailer

🎭

Besetzung

Tim CurryPennywise
Harry AndersonRichie Tozier
Dennis ChristopherEddie Kaspbrak
Richard MasurStan Uris
Annette O'TooleBeverly Marsh
❓

FAQ zu Es (1990): Tim Curry und der Pennywise der eine Generation traumatisierte

Ist die 1990er Es-Miniserie wirklich besser als der 2017er Film?
Sie ist nicht durchgehend besser, aber sie hat Tim Curry. Und Tim Curry ist die wichtigste Pennywise-Performance der Filmgeschichte. Punkt. Wer den Pennywise-Kult verstehen will muss bei Curry anfangen. Wer einen kompletteren Film mit einem größeren Budget will, schaut Muschietti. Wer den Kern dieser Figur verstehen will, schaut die Miniserie. Beide Versionen lohnen sich. Schau erst die Miniserie, dann den Muschietti-Film. In dieser Reihenfolge funktioniert es am besten weil du dann verstehst was Skarsgaard versucht hat anders zu machen und warum Curry das Original bleibt.
Warum gilt Stephen Kings Es 1990 als Kult?
Weil sie 1990 in einer Zeit ohne Streaming, ohne On-Demand, ohne Internet eine ganze Generation gleichzeitig vor den Fernseher gezogen und gleichzeitig erschreckt hat. Weil Tim Curry eine Performance gegeben hat die das Wort ikonisch tatsächlich verdient. Weil Pennywise bis 1990 eine Buchfigur war und nach 1990 ein Bild im Kopf jedes Menschen der die Miniserie gesehen hatte. Kult ensteht nicht durch Marketing. Kult entsteht wenn ein Werk in das kollektive Gedächtnis einer Generation einsickert und nicht mehr rausgeht. Es 1990 ist genau das passiert.
Warum sieht das Finale der Miniserie so billig aus?
Weil das Finale aus Stephen Kings Roman im Grunde unfilmbar ist. Im Buch ist Es in seiner wahren Form ein Wesen aus einer anderen Dimension, und King beschreibt das mit Worten die im Kopf funktionieren aber auf der Leinwand sofort albern wirken. Wallace hatte 1990 ein Special-Effects-Budget das ungefähr für einen Werbespot gereicht hätte. Er hat das Beste daraus gemacht, aber das Beste war, sagen wir es ehrlich, auch nicht gut. Trotzdem: Das Finale ist eine kleine Schwäche in einer ansonsten meisterhaften Mini-Serie und sollte niemand davon abhalten die Miniserie zu sehen.
Wie alt sollte man für Stephen Kings Es 1990 sein?
Die FSK hat damals 16 vergeben und das halte ich für angemessen. Es ist Network-Horror, also vergleichsweise zahm in dem was man sieht – Tim Curry macht den Schrecken mit seiner Stimme und seinen Augen, nicht mit Blut. Aber die Albträume die das Ding bei sensiblen Kindern auslöst sind real und langlebig. Ich war 9 als ich es heimlich gesehen habe und ich habe danach drei Wochen nicht alleine geschlafen. Lass dein Kind warten bis es selbst sagt es will. Und sei dabei wenn es dann passiert.
Ist Tim Curry wirklich nur in einer Take aufgetreten als Pennywise?
Das ist die Legende und Curry selbst hat in Interviews bestätigt dass viele Szenen tatsächlich beim ersten Versuch genommen wurden – weil das Set-Personal ihm nicht zwei Mal gegenübersitzen wollte. Ist das die ganze Wahrheit? Wahrscheinlich nicht ganz. Ist es trotzdem eine schöne Geschichte die zu Curry passt? Absolut. Ich glaube an die Hälfte und das reicht.
Lohnt es sich heute noch Stephen Kings Es 1990 zu schauen?
Absolut, ja, unbedingt. Wer sich für Horror-Geschichte interessiert kommt an dieser Miniserie nicht vorbei. Wer Tim Curry sehen will wie er etwas macht das niemand sonst je so gemacht hat, hat keine Alternative. Wer den Pennywise-Mythos verstehen will, muss hier anfangen. Die Miniserie ist 9.5 von 10 für mich und Currys Performance ist eine glatte 10 für immer. Schaut sie. Schaut sie mit jemandem den ihr liebt und der euch danach noch weiter haben will. Schaut sie mit Decke und Licht aus. Tut es jetzt.
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1 Kommentar

Varagard
Varagard ★ 8.0

Joar ES … egal ob hier oder das Remake ans Buch kommen Beide nicht ran. Das Buch ist zwar elendig dick und da muss man Bock drauf haben, aber es lohnt sich.

Hier zum Film – ich mag ihn. Der hat seine Momente und trotz der Länge wird der nicht langweilig und es ist auch nichts Unnötiges bei. Wie gesagt das Buch gibt mehr her, aber ich denke mir auch damals in den 90ern hatten sie nicht so die Möglichkeiten.

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