Die Kritik
von NordNoir„The Long Walk“ bekommt von mir im WatchGuide-Kinokreis 7,8 von 10. Fünfzig Jungen gehen eine Straße entlang, und wer zu langsam wird, stirbt. Francis Lawrence macht daraus keinen Wettkampf mit Spektakel, sondern einen Film über Erschöpfung. Er ist am stärksten, wenn er einfach weitergeht, und am schwächsten, wenn er zeigt, was er schon längst spürbar gemacht hat.
Die Stephen-King-Verfilmung lief in Deutschland unter dem Titel „The Long Walk – Todesmarsch“ ab dem 11. September 2025 im Verleih von Leonine in den Kinos, FSK 16, 108 Minuten. Das Drehbuch schrieb JT Mollner nach Kings Roman, der 1979 unter dem Pseudonym Richard Bachman erschien. Wer Horror mag, der aus Dauer statt aus Schocks entsteht, sollte ihn sehen. Wer nach „Die Tribute von Panem“ eine Arena erwartet, bekommt eine Landstraße.
Worum es geht
Ein autoritäres Amerika, ein jährlicher Marsch. Aus jedem Bundesstaat tritt ein Jugendlicher an, fünfzig sind es im Film, im Roman waren es noch hundert. Es gibt kein Ziel, nur eine Mindestgeschwindigkeit. Wer sie unterschreitet, wird verwarnt, nach der dritten Verwarnung erschossen. Der Letzte, der noch geht, gewinnt. Ray Garraty (Cooper Hoffman) ist einer von ihnen, Peter McVries (David Jonsson) wird sein Freund unterwegs. Der Major (Mark Hamill) überwacht das Ganze.
Was der Film mit dem Gehen macht
Er bleibt dabei. Christoph Petersen schätzt in seiner Filmstarts-Kritik, dass der Film zu 95 Prozent aus jungen Männern besteht, die einsame Straßen entlanggehen. Das ist genau richtig so. Ein Film, der fast nur aus einer Bewegung besteht, lebt davon, dass er sie nicht unterbricht. Schritte, Stimmen, Asphalt, und irgendwann merkt man die Müdigkeit im eigenen Körper. Mir wurde nicht bei den Schüssen unwohl. Mir wurde unwohl in den Strecken dazwischen, in denen nur gegangen wird und jeder weiß, dass es weitergeht.
Lawrence hat mit den „Tribute von Panem“-Fortsetzungen ab Catching Fire schon einmal Jugendliche in einem staatlichen Todesspiel inszeniert. Hier verzichtet er auf fast alles, was dort Schauwert war. Kein Publikum in Kostümen, keine Fallen, keine Technik. Das ist die mutigste Entscheidung des Films.
Wo er zu deutlich wird
Die Gewalt. Der Film zeigt sie ausführlich, bis hin zu einem Teilnehmer, dem eine Panzerkette die Beine zerquetscht. Das muss nicht sein. Die Drohung ist nach der ersten Verwarnung vollständig im Raum, jede weitere Großaufnahme erklärt nur noch, was man längst weiß. Viel härter trifft das Unspektakuläre: Petersen nennt die Szenen, in denen sich kranke Teilnehmer im Gehen erleichtern müssen, erschreckender als jeden Schuss. Da hat er recht. Würde ist hier das Erste, was auf der Strecke bleibt, und dafür braucht der Film kein Blut.
Auch der Major ist mir zu laut. Mark Hamill spielt ihn als Stimme des Systems, schneidend und ohne Zwischentöne. Das funktioniert als Kontrast zu den erschöpften Jungen. Bedrohlicher wäre er, wenn man ihn seltener hörte.
Was trägt
Die Gesichter. David Jonsson gibt McVries eine Wärme, die den ganzen Film verändert. Auch die internationale Kritik nennt ihn und Cooper Hoffman als Herz des Films. Hoffman spielt Garraty zurückgenommen, Jonsson bringt Witz und Zuwendung mit, und zwischen beiden entsteht etwas, das man in einem Film über Sterben nicht erwartet: Freundschaft, die keine Zukunft hat und das weiß. Den Schluss ändert der Film gegenüber dem Roman deutlich. Wer das Buch kennt, sollte darauf gefasst sein.
Wie die Kritik „The Long Walk“ sieht
Deutlich positiv. Bei Rotten Tomatoes sind 88 Prozent von 297 Kritiken positiv, beim Publikum 85 Prozent. Metacritic kommt auf 71 von 100 aus 34 Kritiken. Filmstarts vergibt 3,5 von 5 Sternen unter dem Titel „Weniger Spektakel, mehr Schmerz“. Meine 7,8 liegen im Konsens. Ich würde die Gewalt kürzen und das Gehen behalten. Stand der Werte: 1. Oktober 2026.
Wer mitspielt
- Cooper Hoffman als Ray Garraty
- David Jonsson als Peter McVries
- Garrett Wareing als Stebbins
- Tut Nyuot als Arthur Baker
- Charlie Plummer als Gary Barkovitch
- Ben Wang als Hank Olson
- Judy Greer als Ginnie Garraty, Rays Mutter
- Mark Hamill als der Major
Regie: Francis Lawrence. Drehbuch: JT Mollner nach dem Roman von Stephen King.
Bewertung
Watcher-Score · redaktionelle EinzelwertungDafür
- Der Film bleibt beim Gehen und unterbricht es kaum
- David Jonsson als McVries
- Cooper Hoffman zurückgenommen und genau
- Kein Arena-Spektakel
Dagegen
- Gewalt in Großaufnahme erklärt, was schon spürbar ist
- Der Major ist zu laut angelegt
Mir wurde nicht bei den Schüssen unwohl. Mir wurde unwohl in den Strecken dazwischen.Aus der Wertung von NordNoir
Wer streamt The Long Walk - Todesmarsch?
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Stand 02.10.2026 · Streaming-Daten: JustWatch (via TMDB), Movie of the Night · ohne Gewähr
Trailer
Besetzung
FAQ zu The Long Walk: Fünfzig Jungen, eine Straße und keine Pause
Hält sich der Film an Stephen Kings Roman?
Wie brutal ist „The Long Walk“?
Der Saal
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1 Kommentar
Sehr guter Film. Ich habe mir den auf BD zugelegt und mich riesig drauf gefreut und ich wurde nicht enttäuscht.
Ich mag es wie die Geschichte sich entwickelt und die Stimmung immer mehr kippt und es ist ziemlich brutal, weil das Ganze sinnlos ist. Es soll motivieren und die wissen nur einer wird das „Rennen“ gewinnen und eine ganze (kaputte) Nation steht da hinter. Das ist schon verrückt.